Unsere Krimi- und Thriller-Lieblinge in 2025:
Britta Röder empfiehlt: Ralf Schwob: Nacht der Sinne
Auf dem Cover des aktuellen Romans „Nacht der Sinne“ von Ralf Schwob ist die Fassade eines Hochhauses abgebildet. Ein passenderes Bild hätte der Verlag edition federleicht gar nicht wählen können. Denn wie in einem Mehrparteienhaus sind in diesem vielschichtigen Roman die unterschiedlichsten Biografien auf engstem Raum – quasi Tür an Tür – direkt nebeneinander beheimatet. Drei Türen öffnet Schwob, eine nach der anderen, um uns mit seinen Protagonisten vertraut zu machen.
Wir begleiten Kim. Die junge Frau hat die letzten zehn Jahre in einem Frankfurter Gefängnis verbracht. Mit Hilfe von Sozialarbeiter Konrad will sie in Groß-Gerau ins bürgerliche Leben zurückfinden, neue Identität, Wohnung und Job inklusive.
Wir treffen Daniel, der als Polizist am Fall von Kim beteiligt war und sich seitdem mit einem schweren Trauma plagt. Denn ein Mensch ist damals ums Leben gekommen, woran er sich die Schuld gibt. Das Ereignis hat ihn völlig aus der Bahn geworfen und sein Leben ruiniert.
Der Dritte im Bunde ist Konrad, der ehrenamtlicher Seelsorger ehemalige Häftlinge bei ihrer Resozialisierung unterstützt. Kim ist seine erste weibliche Klientin. Hinter der eher spießigen Fassade verbirgt der von Verschwörungstheorien und Weltuntergangsszenarien besessene Mann ein gefährliches Doppelleben.
Beim Groß-Gerauer Stadtfest „Nacht der Sinne“ eskaliert die Konstellation dieser drei miteinander verbundenen Protagonisten und der Roman mündet in eine rasante Schlussphase.
Wir treffen Daniel, der als Polizist am Fall von Kim beteiligt war und sich seitdem mit einem schweren Trauma plagt. Denn ein Mensch ist damals ums Leben gekommen, woran er sich die Schuld gibt. Das Ereignis hat ihn völlig aus der Bahn geworfen und sein Leben ruiniert.
Der Dritte im Bunde ist Konrad, der ehrenamtlicher Seelsorger ehemalige Häftlinge bei ihrer Resozialisierung unterstützt. Kim ist seine erste weibliche Klientin. Hinter der eher spießigen Fassade verbirgt der von Verschwörungstheorien und Weltuntergangsszenarien besessene Mann ein gefährliches Doppelleben.
Beim Groß-Gerauer Stadtfest „Nacht der Sinne“ eskaliert die Konstellation dieser drei miteinander verbundenen Protagonisten und der Roman mündet in eine rasante Schlussphase.
Schwobs Spezialität ist seine schonungslose Figurenzeichnung. Er bemüht sich nicht darum, seine Protagonisten sympathisch wirken zu lassen. Stärken, Schwächen und schlechte Gewohnheiten stehen gleichberechtigt nebeneinander. Dabei zeigt er, Menschen sind nie einfach nur so wie sie sind, sie sind durch Umstände dazu geworden. Seine Figuren sind Verlierer, Kämpfer, Überlebende großer persönlicher Dramen. Er kreiert keine Helden. Alle Charaktere besitzen Ecken und Kanten, sind ungefällig, oft spröde und widersprüchlich. Und genau diese Offenheit, mit der er sie vor uns entblößt, ohne jemals zu werten, verleiht ihnen Würde und erzeugt Empathie. Denn alle – das wird sehr deutlich – sind im Grunde verletzlich.
Sprachlich orientiert sich Schwob an den Milieus, die er inszeniert. Die zahlreichen Dialoge verleihen dem Text Lebendigkeit. Es wird viel geflucht und sehr oft politisch unkorrekt gesprochen. Dem detailverliebten Lokalkolorit fügt er das jeweils passende Sozialkolorit hinzu.
A propos Lokalkolorit: Der Roman ist eine große Hommage an die Heimatstadt und Region des Groß-Gerauer Autors. Alle Schauplätze sind real existierend, akribisch recherchiert und i-Tüpfelchen-genau wiedergegeben. Für Ortkundige wird die Lektüre zum großen Wiedererkennungsspiel, aber auch Auswärtige profitieren von der präzisen Ausstattung für ihr Kopfkino.
Die Handlung findet auf zwei Zeitebenen zwischen Gegenwartserzählung und personenbezogener Vorgeschichte statt. Wie im Film werden die passenden Rückblicke eingeblendet, wodurch Spannung und Tempo profitieren.
Man kann den Roman als pure Unterhaltung genießen. Aber der Text funktioniert durchaus auch sozialkritisch. Schwob zeigt, wie es ist, ohne zu polemisieren. Er macht Missstände sichtbar, ohne mit dem Finger auf die Betroffenen zu zeigen.
Wie im echten Leben prallen Schicksale aufeinander, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Schwob führt das Gegensätzliche mühelos zu einem großen Ganzen zusammen und offenbart, wie eben doch alles mit allem zusammenhängt, wie Verantwortlichkeiten entstehen, wie daraus aber auch Chancen erwachsen können.
Fazit: Für mich sein bisher vielleicht bester Roman, ein wenig back to he roots in Sachen psychologische Tiefe, die er in eine spannende krimiähnliche Handlung gepackt hat.
Ralf Schwob liest am Dienstag, 08.09.26 um 19 Uhr in der Buchhandlung, Eintritt € 10,00.
Edition Federleicht, 978-3-689-35023-9, € 18,00
Peter Grainger: Ein unglücklicher Tod
„Ein unglücklicher Tod“ ist der Auftakt der Reihe um DC Smith. Sein Vorgesetzter beschreibt ihn – er meint das eher als Tadel – als den „aufrechtesten, unkonventionellsten und schwierigsten Ermittler der gesamten Abteilung“ – und ich kann dem Autor Peter Grainger nur zu diesem beeindruckenden Protagonisten gratulieren. Smith ist grundsolide und klug, er traut sich, gegen den Strom zu schwimmen. Gleichzeitig hat er einen unbestechlichen Blick, was politische, verwaltungsrechtliche aber auch militärische Systeme angeht. All das braucht er in seinem ersten Fall. Ich bin gespannt auf die beiden weiteren Bücher, die noch in diesem Jahr erscheinen sollen, sie liegen gedanklich schon auf meinem SuSch.
Diogenes Verlag, Übersetzung: Eva Regul, 978-3-257-30120-5, € 18,00
David Hewson: Die Medici-Morde
Arnold Clover ist Witwer und pensionierter
Archivar, seinen Lebensabend verbringt er in Venedig. Der Zufall beschert ihm
die Bekanntschaft von Luca Volpetti und damit Zugang zu Kunst und Kultur – außerdem
sorgt Luca dafür, dass Arnold nicht als Tourist wahrgenommen wird, und zeigt
ihm, wo die Einheimischen essen und ihre Zeit verbringen. Diesmal allerdings
wird seine Bekanntschaft zu Luca ihm zum Verhängnis: Capitano Valentina Fabbri
lädt ihn vor, damit er bei den Ermittlungen zum Tod von Sir Marmaduke Godolphin
hilft. Denn Clover hatte für den Toten und mit den Historiker:innen um ihn
herum gearbeitet. Alle hatten sich in der ein oder anderen Weise mit zwei
Morden im 16. Jahrhundert innerhalb der Medici-Familie beschäftigt. Hat auch
der aktuelle Todesfall damit zu tun? Hilft Clovers Wissen aus Studienzeiten
über die Gruppe hier weiter? Und wie viel von der alten Kameradschaft hat die
Zeit überdauert?
Das ist ein rundum gelungener Kriminalroman! Und natürlich sorgt Autor David Hewson neben der Mördersuche auch für reichlich Venedig-Feeling – mit Beschreibungen von Kirchen, Palästen, Kunstwerken, aber auch damit, dass er den Menschen, die ganzjährig in Venedig leben, reichlich Raum gibt. Das ist interessant und spannend zu lesen und wir lernen einiges dazu. (Mit der Drehung ganz am Schluss hatte ich übrigens keineswegs gerechnet!)
Folio Verlag, Übersetzung: Birgit Salzmann,
978-399037-154-1, € 22,00
Ralf Schwob empfiehlt: Thomas Knüwer: Giftiger Grund
Joran hat mit seinen Kumpels eine Tankstelle überfallen und dabei einen alten Mann schwer verletzt. Nach acht Jahren im Gefängnis kommt er in seinen Heimatort zurück und muss feststellen, dass er trotz bester Vorsätze immer wieder scheitert: bei der Jobsuche, beim Finden einer Wohnung, bei der Aussöhnung mit seinem Vater.
Die Tankstelle ist mittlerweile geschlossen und ein „Lost Place“ und Joran weiß, dass dort irgendwo auf dem Gelände noch das Geld aus dem Überfall versteckt sein muss. Als er sich eines Nachts dorthin begibt, kommt ihm die die Influencerin Charu in die Quere, die Fotos für ihren Blog von „Lost Places“ machen will. Und damit nicht genug: In der stillgelegten Waschanlage campiert jede Nacht ein kleines Mädchen, das wie ein scheues Waldtier sofort flieht, sobald sich ihr jemand nähert …
Thomas Knüwer erzählt in seinem ungewöhnlichen Krimi von drei Menschen, die nichts miteinander verbindet, außer der Suche nach einem besseren Leben. Dass alle drei dabei in Ereignisse hineingezogen werden, die bald mehrere Todesopfer fordern, ist nach ihrem Zusammentreffen in der Waschanlage so überraschend wie unausweichlich. Mit klarem Blick für soziale Milieus und einem feinen Gespür für Spannungsbögen, zieht einen der Autor immer tiefer ins Geschehen. Man fiebert mit den drei unterschiedlichen Charakteren bis zum Schluss und wünscht ihnen das Beste. Ob die Geschichte aber für alle drei auch gut ausgeht?
Droemer Verlag, 978-3-42656-846-0, € 18,00
Fritz Deppert: Blutspur: Von Hinterhimmelsbach zu Herrngarten
Philipp Buttmei, vor zwei Jahren pensionierter Kommissar mit eher ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden, wird von der Tochter eines Freundes angerufen: Anne ist sich sicher, dass mit dem Unfalltod ihres Vaters irgendetwas nicht stimmt. Auch wenn die Polizei die Ermittlungen abgeschlossen und nichts gefunden hat. Aber warum soll ihr blinder Vater die Straße passiert haben, wenn sein Tonsignal nicht erklungen war? Buttmeis Instinkt nach Sicht der Fakten schlägt an – und bald ist er mitten in Untersuchungen, die bis ins dritte Reich zurückreichen.
Im zweiten Teil des Buches ist es noch einmal ein vermeintlich durch Unfall getöteter Mann, der die Aufmerksamkeit des pensionierten Ermittlers auf sich zieht. Vielleicht hätte er da ohne den Tod des Freundes gar nicht näher hingesehen. Aber es geht ganz anders weiter: bald steht Buttmei Mafia-ähnlichen Strukturen gegenüber …
Die Buttmei-Krimis von Fritz Deppert sind gerade bei „Legionarion Crime“ erschienen: Sehr schön ausgestattet und in angenehmer Schriftgröße gedruckt, sind sie eine echte (Wieder)Entdeckung! Und Philipp Buttmei ist mit seiner stoischen Gelassenheit sowieso ein großartiger Ermittler!