Bilderbuch Lieblinge 2023 - 2022 - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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unsere Bilderbuch-Lieblinge in 2022:
Delphine Bournay: Im tiefen finsteren Wald

„Im tiefen finsteren Wald leuchten Augen auf. Im tiefen finsteren Wald klappern Zähne aufeinander. Im tiefen finsteren Wald zerreißt ein Gebrüll die Stille der Nacht.“ Drei Doppelseiten, drei Sätze – und daneben immer nachtblauer Wald mit zarter Abenddämmerung. Auf der ersten Doppelseite sieht man nur Augen, auf der zweiten Augen und Gebiss und auf der dritten zusätzlich Geheul. Auf der vierten Seite dann Auftritt Wolfsmama: „Seid ihr übergeschnappt? Was soll das Gebrüll? Wisst ihr eigentlich, wie spät es ist? Ihr weckt noch alle auf im tiefen finsteren Wald!“ Wolfskinder sind aber wie alle anderen Kinder auch: Sie wollen nicht schlafen. Sie wollen ein Küsschen, eine Geschichte – und hat Mama sich auch um die ganzen Auas gekümmert? Mama sagt, alles erledigt. Nur das Lied, das hat sie wirklich vergessen …

Delphine Bournays Bilderbuch spielt sehr geschickt mit Erwartungen und kleinen (oder größeren) Ängsten. Auf den ersten Blick ist alles ziemlich gruselig und auch auf den zweiten Blick, mit der zweiten und dritten Doppelseite, bleibt das so. Um dann in den normalen Kinderalltag zu kippen – welches Kind geht schon gerne ins Bett? Und welchen Eltern sind die Tricks und Kniffe, das Schlafen hinauszuzögern, unbekannt? Genau dieses Alltägliche zeigt sehr anschaulich, dass Angst zu haben oft gar nicht nötig ist. „Im tiefen finsteren Wald“ endet übrigens mit einem leisen „Knacks!“, und ja, auch mit der dazu passenden (gemalten) Erklärung.

Picus Verlag, Übersetzung: Alexander Potyka, 978-3-7117- 4029-8, € 17,00

Bruno Hächler / Laura D’Arcangelo: Noch einer oben drauf

„Der kleine Ameisenbär schaukelte auf dem Rücken seiner Mutter durch die Gegend. Das war das Beste: Auf Mamas Rücken sitzen. Die Nase in die Luft strecken. Gucken. Genießen. Nur manchmal fühlte er sich etwas einsam …“

Was macht man, wenn man sich einsam fühlt? Einladungen aussprechen. Der kleine Ameisenbär fängt damit an und hört gar nicht wieder auf: Erst kommt der Dachs zu ihm auf Mutters Rücken, dann die Ente, später der Hase, ein Eichhörnchen und eine ganze Froschfamilie. Mit Schnecke, Fuchs, Maulwurf und Siebenschläfer wird es dann doch langsam eng – und der Reiher, der sich auf die Spitze setzt, kommentiert folgerichtig mit „Wie wackelig!“, direkt bevor alle herunterpurzeln. Alle, außer dem kleinen Ameisenbären …

Selten habe ich ein Bilderbuch in der Hand gehabt, bei dem man so genau hinsehen muss: Laura D’Arcangelos Tiere sind nicht scharf gegeneinander abgegrenzt, sie fließen ineinander über. Das liegt sowohl an der (sehr dezenten) Farbwahl, als auch an ihrer Stiftführung – und es macht großen Spaß, alles zu entdecken! Die herzenswarme Geschichte, die so neu nun doch nicht ist, bekommt durch einen Einblick in die jeweilige Lebenssituation der einzelnen Tiere eine besondere Drehung.

Und natürlich sind auch die sich wiederholenden Sprachelemente eine tolle Sache, gerade beim Vorlesen, sie laden förmlich zum Mitmachen ein. Ein wunderherrliches Buch, nicht nur für Kinder und Mütter!

Nord-Süd-Verlag, 978-3-314-10597-5, € 15,00
Frauke Angel / Volker Fredrich: Hagar die Schreckliche

„In unserem Hof spielt ein neues Mädchen. Es heißt Hagar. Uns gefällts. Aber unsere Mütter finden das schrecklich. Meine Mutter, Josefines Mutter und besonders die von Tristan und Isolde.“ Warum das so ist, das wird schnell klar: Die Mütter verbringen ihre Zeit im Hof damit, sich über neue Frisuren, Mode und Tratsch zu unterhalten und dabei Sandkuchen zu backen – während die Kinder möglichst brav und geschniegelt daneben sitzen sollen. Hagar hingegen trägt wilden Zopf, eine Hose, die auch ein Rock sein könnte. Und sie klettert auf den Baum. Viel zu gefährlich, das haben die Mütter schon immer gesagt! Das hinaufgerufene „Stell dir vor, du fällst runter!“ beantwortet Hagar sehr entspannt mit „Wieso soll ich mir das vorstellen? Ich bin doch nicht doof!“ und klettert einfach weiter. Bis sie die Äpfel im Baum pflücken kann. Dann beginnt doch tatsächliche eine große Apfelfreude. Für alle!

Die Heldin ist toll, die Geschichte überzeugend. Aber so richtig gut wird das Ganze durch Volker Fredrichs geniale Illustrationen. Seine Figuren haben viel Witz und er malt mit großem Ideenreichtum und vielfältigen Techniken. Hagar ist gar nicht schrecklich – Hagar ist einfach wunderbar!

Tulipan Verlag, 978-3-86429-522-5, € 15,00


Tania Goryushina / Andrej Kurkow: Warum den Igel keiner streichelt

Man schlägt das Buch auf – und sieht nur Stacheln. Es scheint eine besondere Geschichte zu sein … „Es ging einmal ein kleiner Igel die Dorfstraße entlang. Der Igel sah einen Jungen, der einen kleinen Hund streichelte, und der Hund war so glücklich und so zufrieden. Da beneidete der kleine Igel das Hündchen und ging weiter.“ So geht es ihm auch mit dem Kätzchen und dem Pferd – beide werden gestreichelt und der kleine Igel schaut wehmütig zu. Erst die Begegnung mit der Maus hilft ihm, zu verstehen. Und in Folge des Verstehens, auch, trotzdem glücklich zu sein.

Andrej Kurkow, geboren in St. Petersburg und in Kiew großgeworden, erzählt diese Geschichte, in der es – grob vereinfacht – um unterschiedliche Lebensmodelle geht, in kurzen Sätzen. Dazu passen die anrührenden Illustrationen der Kiewerin Tania Goryushina: In eher verhaltenen Farben und einer Mischung aus Aquarell- und Buntstiftzeichung macht sie die Gefühlswelt des kleinen Igels sehr nachvollziehbar. Ein „großes“ Buch auch schon für Menschen ab drei Jahren!

Diogenes Verlag, Übersetzung: Angelika Schneider, 978-3-257-01286-6, € 14,00

Hanjo Fritzsche / Olgan Antonava: „Spring wie ein Känguru!“

„Elegant und zugleich kraftvoll bewegt sich der Tiger durch den tropischen Urwald. Mit seinen großen, aber weichen Tatzen pirscht er sich langsam und lautlos an seine Beute heran. Erst wenn er nah genug ist, sprintet er auf allen vieren los. Kannst du dich auch so leise und elegant heranpirschen wie ein Tiger?“ Damit beginnt die erste Seite mit Bewegungsübungen und Spielideen dieses klug und witzig konzipierten Buches. Vorher erklärt der Autor uns, warum er die Übungen so zusammengestellt hat, warum Bewegung überhaupt so wichtig ist und warum er auch Erwachsenen dazu rät, diese Übungen zu machen. Dieser Prolog ist für Kinder eher nicht interessant – mit dem Tiger jedoch starten auch die Kleinen so richtig durch! Dabei sind besonders die Spielideen, welche die Grundübungen jeweils ergänzen, wirklich witzig. Sie sind jeweils an ein Tier angelehnt – Illustratorin Olga Antonava war viele Stunden zur Recherche im Zoo – und neben den Anleitungen, die gut nachzumachen sind, gibt es immer auch eine tierische Sachinfo.

Und ja: Auch die Atmung ist, sofern sie wichtig für die Übung ist, mit ausgeführt. Das habe ich in anderen Büchern mit Bewegungen für Kinder schon anders gesehen, dabei ist es bei manchen Übungen absolut wichtig. Dieses Bilderbuch ist rundum gelungen!

Loewe Verlag, 978-3-7432-1230-5, € 14,00
Romana Romanyschyn / Andrij Lessiw: Hören

„Am Anfang war es still. Aber dann wurde es laut. Das Universum füllte sich mit Klängen. Der Schall ist unsichtbar. Aber er erregt unsere Aufmerksamkeit, wir horchen auf und … hören hin.“ So beginnt dieses außergewöhnliche Sachbilderbuch, das auch noch ein Geschwister hat, welches sich mit „Sehen“ beschäftigt. Auf rund 60 Seiten erklären uns die beiden Autor*innen die Welt der Geräusche, wie und wo sie entstehen. Aber auch, wie wir Menschen sie wahrnehmen. Sie erzählen, dass es Kommunikation nicht nur mit Worten und Schall gibt, und dass unser Ohr gar nicht alle Töne hören kann. Sie zählen zum Beispiel auch auf, wie viel Dezibel einzelne Geräusche haben, also, wie laut sie sind. Das alles ist übersichtlich und klug arrangiert.

Die leuchtenden Illustrationen sind sehr besonders und sie machen richtig gute Laune. Sie laden zum Durchblättern ein, einfach so, ohne wirkliches Ziel – klüger wird man eh‘ auf jeder Seite! Das Buch ist übrigens eine runde Sache: Es endet mit der relativen Stille im Mutterbauch und dem sich daran anschließenden Entdecken der Welt und ihrer Geräusche.

Gerstenberg Verlag, aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe, 978-3-8369-6051-9, € 20,00
Tilde und Reinhard Michl: Es klopft bei Wanja in der Nacht

„Weit fort in einem kalten Land – steht Wanjas Haus am Waldesrand. – In langen Zapfen hängt das Eis – und ringsumher ist alles weiß.“ Wanja hat es sich gerade im Bett gemütlich gemacht, als es klopft: Der Hase hockt im Schneesturm und bittet um Einlass, er friert so unsäglich. Der wird im gewährt. Kaum liegen sie eingemummelt, klopft es wieder, diesmal bittet der Fuchs um eine Nacht in der Wärme. Auch ihm wird, nachdem er bei seiner Ehre versprochen hat, dem Hasen nichts zu tun, dies genehmigt. Und mit dem Bären ist es, noch einmal ein bisschen später, dasselbe. Am nächsten Morgen, der Schneesturm ist vorbei, schleichen sie sich nach einander hinaus.

Dass diese drei Kameraden sich absolut nicht vertragen, dass wissen schon ganz kleine Kinder. Aber, wenn es alleine zu schrecklich ist, dann rauft man sich zusammen – diese Botschaft steckt in diesem vortrefflich gereimten Buch. Danach kann man wieder vorsichtig sein, Hase, Fuchs und Bär sind das auch. Aber im Sturm steht man zusammen. Ich finde, das ist im derzeitigen Weltgeschehen ein wichtiger Grundsatz und wenn er schon von kleinen Kindern gelernt wird, dann ist das eine gute und tröstliche Sache. Und tröstlich ist das Buch auch, weil die ganze Geschichte von den zauberhaften Bildern von Reinhard Michl ergänzt wird.

Ellermann Verlag, 978-3-7514-0026-8, € 18,00
Susanne Pypke: Das Bastelbuch für die Allerkleinsten – Wolle und Stoff

Streng genommen ist das natürlich kein Bilderbuch. Aber es wendet sich an Kinder im Vorschulalter und jünger, da ist dies doch die passendste Kategorie?!? „Frühforderung für Kreativminis ab 2 Jahren“ steht oben in der Ecke. Eigentlich steht bei meiner Empfehlung aber gar nicht der Frühförderungsgedanke im Vordergrund – sondern das Vergnügen, etwas zu Basteln. Etwas, dass dann vielleicht gar nicht einfach im Regal liegt, sondern praktisch nutzbar ist. Und für das man nicht erst einen Rieseneinkauf im Bastelladen machen muss (den haben wir hier eh‘ nicht …)

Die hübschen Stoffschmetterlinge lassen sich zum Beispiel als Haarschmuck verwenden. Das Sorgenfresserchen macht genau das, was sein Name besagt und die Webbecher sehen als Stifthalter wirklich hübsch aus und sind perfekt zum Verwerten von Wollresten geeignet. Mein Favorit sind aber die Webmonster, das Springseil und die Tawshi-Topflappen – weil sie je nach Material und Ausführung ganz unterschiedlich aussehen können und eben jeder nach seinem Können aktiv werden darf. Ab 2 Jahren halte ich für ziemlich ambitioniert, aber da auch witzige Sachen für Vorschulkinder in diesem tollen Buch enthalten sind, stört mich das nicht allzu sehr. Hilfreich sind übrigens auch die letzten acht Seiten: Da steht Grundsätzliches übers Basteln mit Kindern.

Frechverlag, 978-3-7742-4614-6, € 14,00
Hannah Pang und Clover Robin: Jahreszeiten

„Schau, wie aus neuen Knospen frische grüne Blätter wachsen, wie das Laub im Sommer dichter wird, bis der Baum im Herbst seinen gelbbraunen Blättermantel abwirft. Er schützt und ernährt die Tiere, die bei ihm wohnen.“ Mit der Doppelseite über die Eiche beginnt dieses klug konzipierte und toll gestaltete Sachbilderbuch. Pang und Clover bilden alle vier Jahreszeiten des Eichenbaums ab, mitsamt Flora und Fauna seiner Umgebung. „Der Baum steht immer still auf seinem Platz, während sich die Natur ringsum ständig verändert. Die mächtige Eiche und alle Lebenswesen auf ihr und um sie herum müssen sich jeder Jahreszeit anpassen, um überleben zu können.“ Weiter geht es mit dem Nordpol und der Arktis, den Mangrovenwäldern Australiens, dem Drachental in China und der Grassavanne Masai Mara in Kenia. Immer gibt es großflächige Übersichtsbilder und kleinere detaillierte Abbildungen einzelner Tiere und Pflanzen. Und sowohl eine allgemeine Erklärung als auch Kurzbeschreibungen der Details. Außerdem wird stets der Jahreslauf beschrieben, meist mit Hilfe der vier Jahreszeiten. Allerdings gibt es durchaus auch andere Einteilungen: bei den Mangrovenwäldern zum Beispiel ist es die Abfolge von Trockenheit und Überschwemmung. Das ist wirklich erhellend und spannend! Für Kinder ab 4 Jahren und übers Kindergartenalter hinaus.

Übersetzung: Karlheinz Dürr, cbj Verlag, 978-3-570-17852-2, € 16,00
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