Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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Lieblinge des Monats Mai.
Erstklassig

Mason Buttle ist groß, schwitzt übermäßig und er ist Legastheniker. Doch das macht Mason Buttle absolut nichts aus. Was ihn hingegen ausmacht: Er hat einen realistischen Blick auf die Welt und sieht oft hinter die Tatsachen, er kann nicht lügen – und er ist ein überaus treuer Freund mit einem großen Herzen. Außerdem glaubt er, das Unglück magisch anzuziehen, denn in einem einzigen Jahr starben erst sein Großvater und dann seine Mutter. Ein paar Jahre später dann sein bester Freund Benny beim Sturz von der Leiter ihres gemeinsamen Baumhauses. Seitdem ist Sergeant Bairde regelmäßiger Gast in der „Bruchbude“, dem Haus, in dem Masons Familie wohnt. Der Sergeant möchte genau wissen, was damals am Baumhaus geschah, und darum hat er Mason ein Notizheft gegeben, in dem dieser alles aufschreiben soll, was ihm einfällt. Aufschreiben. Lesen, was aufgeschrieben ist, um den Anschluss zu finden. Das schafft Mason ja gar nicht. Erst als Miss Binny, die freundliche Sozialarbeiterin in Masons Schule, ein Schreibprogramm installiert, kann Mason die Geschichte tatsächlich erzählen.

Auf der Rückseite des Buches steht ein Vergleich mit Forrest Gump. Dem stimme ich nicht zu – denn Mason Buttle hat einen sehr viel differenzierteren Blick auf die Welt, er ist gerade nicht der nur Naive (das goldene Herz hat er trotzdem). Auch wenn er stoisch sehr viel erträgt, auch Dinge, die schwer zu ertragen sind. Jugendliche  Leser:innen haben jedenfalls einen Roman vor sich, der wahrhaftig und anrührend, erschreckend und wohltuend ist, alles gleichzeitig. Er hinterlässt ein sehr, sehr warmes Gefühl.

Leslie Connor: „Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)“, Übersetzung: André Mumont, Hanser Verlag, 978-3-446-26802-9, € 16,00
Wie es hätte sein können …

Hamnet sucht im ganzen Haus – und im Nachbarhaus der Großeltern – nach jemandem, der ihm helfen kann: Oben in ihrer Stube liegt Judith, seine Zwillingsschwester, die von jetzt auf gleich Fieber bekommen hat. Der es nicht gut geht. Für die er dringend Hilfe benötigt. Liebend gerne möchte er die Mutter finden, mit ihrem Kräuterwissen wird sie es schon richten! Wenigstens die Großmutter, eine Magd, oder Susanna, seine ältere Schwester, irgendjemand, der sagen kann, was zu tun ist! Doch nur der Großvater ist da, ausgerechnet, wo doch der Vater davor gewarnt hat, diesem zu nahe zu kommen. Ein guter Rat, der jedoch nicht wirklich hilft, wenn der Großvater das geschickt zu umgehen weiß. Als Hamnet wieder bei Judith ist, hat er eine blutende Verletzung unter seinem Auge. Und sie hat zwei Ausbuchtungen an Hals und Gesicht …

Maggie O’Farrell hat keine Romanbiographie geschrieben. Sie hat fabuliert – denn über das Leben von William Shakespeare, dessen Familie wir in diesem Roman kennenlernen dürfen, gibt es viel zu wenige Fakten. Aber so wie sie es erzählt – mit ein paar mystischen Ausnahmen – hätte es sein können. Und wie sie diese Geschichte erzählt, das ist ganz große Fabulierkunst! An deren Ende man Shakespeares Drama Hamlet anders liest. Denn, wie es dem Roman vorangestellt ist: Zu Zeiten Shakespeares gab es keinen Unterschied bei den Namen Hamnet und Hamlet.

Maggie O’Farrell: „Judith und Hamnet“, Übersetzung: Anne-Kristin Mittag, Piper Verlag, 978-3-492-07036-2, € 22,00
Bald!

Wir wissen noch nicht, wie es in diesem Jahr mit dem Reisen wird. Und jetzt gerade – im späten Frühjahr 2021 – ist es, um das Pandemiegeschehen im Zaum zu halten, auch vernünftig einfach ein bisschen zu Hause zu bleiben. Bald wird es aber wieder die Möglichkeit zum Reisen geben, zumindest eine Tagesreise kann man machen. (Auch jetzt schon, wenn einem absolut die Decke auf den Kopf fällt – manchmal muss man einfach raus!)

Die kleinen Reiseführer „an einem Tag – ein Stadtrundgang“ aus dem Lehmstedt-Verlag bieten dafür eine sehr gute Grundlage. Anhand einer vorgegebenen Route bilden diese Büchlein sehr viele Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Großstadt ab, dazu gibt es in der hinteren Umschlagklappe einen kleinen Stadtplan und (zumindest in den Ausgaben bis einschließlich 2019) in der vorderen Umschlagklappe eine kleine Chronik. Man muss ganz gut zu Fuß sein für die jeweils 5 bis 10 Kilometer – aber alles ist bequem erreichbar und man kann sich ja wirklich den ganzen Tag dazu Zeit lassen. Auf den Routen befinden sich immer auch einige Museen, sodass man reichlich Kultur „atmen“ kann. Wir finden: Für die angesetzten 5 € bekommt man ganz schön viel Wissen.

Reihe: „an einem Tag – Ein Stadtrundgang“, verschiedene Städte, Autor:innen und ISBN, jeweils € 5,00, Neuauflagen ab dem Jahr 2020 jeweils € 6,00  
Eine sichere Bank

Ja, Axel Hacke ist, was sprachliche Kuriositäten angeht, eine sichere Bank. Das hat mehrere Gründe: Er ist im Deutschen sprachsicher. Er hat Kenntnisse in mehreren Sprachen. Und er bekommt aus aller Herren Länder Fundstücke zugesandt, die mit Sprache zu tun haben. Über Jahre hinweg sammelte Hacke sie in einer Schachtel um irgendwann mal ein Buch daraus zu machen. Und das hat er dann im letzten Jahr getan – herausgekommen ist ein Buch voller amüsanter Kurztexte. Man kann das Ganze in der Reihenfolge lesen, die die Seitenzahlen vorgeben. Oder man schlägt es mal hier, mal da auf und pickt sich immer wieder neue Sprachspielereien heraus.

Dann stößt man auf so erstaunliche Lyrik wie „He shun do, miller’s coo“ (bitte einmal laut vorlesen, dann hören Sie den Beginn des Kinderreims!) und auf den Hinweis „Waschen sie immer Ihren – körper das innere nach außen“ (vielleicht wenden Sie aber auch Ihre Hose vor dem Waschen nach innen, mal so als Vorschlag). Es gibt hingestreckte Grundeigentümer, die wohl eine größere Delikatesse sind als ebensolche Mieter oder Pächter. Und man findet auch ein erstaunliches Komma, das aus dem bekannten Liedtext „Liebeskummer lohnt sich nicht“ das genaue Gegenteil macht. Willkommen im Sprachland!

Axel Hacke: „Im Bann des Eichelhechts“, Kunstmann Verlag, 978-3 95614-431-8, € 22,00  
Ralf Schwob empfiehlt: Federleichte Schwere

Eine junge Frau, die nicht weiß, wer sie ist oder woher sie kommt, aber bei jedem Menschen, dem sie begegnet, Erinnerungen auslöst – das ist die faszinierende Exposition in Britta Röders neuem Roman. Angelica, so wird die Frau bald von allen genannt, trifft auf ganz unterschiedliche Menschen, da ist etwa die betagte Charlotte, deren dramatische Lebens- und Liebesgeschichte in die Zeit des zweiten Weltkriegs zurückführt. Oder Rolf, der seine Frau bei einem Unfall verloren hat und seitdem nicht mehr in sein altes Leben zurückfindet.      

Geschickt verknüpft die Autorin in ihrem Roman mehrere Erzählstränge, die alle um die geheimnisvolle Frau kreisen, miteinander. Obwohl dabei zuweilen sogar zeitliche Grenzen überschritten werden, trägt der Roman uns mühelos von einem Handlungsfaden zum nächsten, ohne dass man dabei jemals den Faden verliert. Das Geheimnis um Angelicas Herkunft wird, so viel sei schon jetzt verraten, am Ende gelüftet – und damit erscheinen dann auch viele der zunächst rätselhaften Vorgänge im Buch in einem anderen Licht.
„Das Gewicht aller Dinge“ ist kein Liebesroman, sondern ein vollkommen kitschfreier Roman über die Liebe und wozu sie Menschen befähigt.

Britta Röder: „Das Gewicht aller Dinge“, Größenwahn Verlag, 978-3-957712-87-5, € 12,00

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