Die wöchentlichen Bücherchecks - 2019 - BUCHHANDLUNG

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hr-iNFO Bücherchecks in 2019:  

hr-iNFO Büchercheck vom 10.01.2019 - A.L. Kennedy: „Süßer Ernst“

A. L. ist sie eine der Großen in der zeitgenössischen britischen Literatur. Sie gilt als schonungslos realistisch, sie kann böse und witzig sein, analytisch und sinnlich. Jetzt ist ein neuer Roman von ihr auf Deutsch erschienen.

hr-iNFO Bücherchecker Frank Statzner hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Der Brexit wird in A.L. Kennedys Roman nirgendwo explizit erwähnt. Und doch durchweht die Geisteshaltung des Establishments in Westminster große Teile des Buchs. Eben die Geisteshaltung, die das Risikospiel mit der öffentlichen Meinung und das manipulative Werben für den Ausstieg aus der EU erst möglich machte. Einer der beiden Protagonisten, Jon, ist ein hoher Beamter, der den Regierenden hilft, aus politischen Entscheidungen nette Geschichten zu machen, damit die Leute die Entscheidungen schlucken. Fakten spielen dabei keine Rolle. Die zweite Protagonistin, Meg, ist eine von denen, die diese Geschichten schlucken sollen. Sie ist als Wirtschaftsprüferin gescheitert, wurde als Opfer von Vergewaltigung und Gewalt Alkoholikerin. Jetzt ist sie seit einem Jahr trocken. Hier treffen sich zwei zutiefst verletzte Menschen. Jon hat sich seinem Job entfremdet, er hat mit seinen Idealen nichts mehr zu tun.

„Das offene Geheimnis, das im Herzen der öffentlichen Dienstleistungen liegt, besteht – wie du weißt – darin, dass es Fakten gibt, aber die sind unwichtig. Es gibt Erkenntnisse, und diese Erkenntnisse können beweisen oder widerlegen, was der bessere, wenn nicht gar der beste – Weg zu allem ist. Zu grundsätzlich allem. (…)Sie müssen Gewissheit haben, sie müssen schrille Meinungen und fassbare Wahrheiten haben, damit sie die Wirklichkeit besser überdecken können.“

Wie ist es geschrieben?
Kennedy kondensiert die Handlung auf einen Tag im Frühling. Den Tag, an dem sich Meg und Jon mit vielen Erwartungen zum Essen verabredet haben. Von 6Uhr42 des einen Tages bis 6Uhr42 des nächsten. Der entscheidende Tag. Die Kapitel wie ein Countdown. Kommen Sie zusammen? Kennedy unterbricht die Handlung mit den Gedankenströmen der beiden. Regelmäßig wechselt die Perspektive zwischen Meg und Jon.

Wie gefällt es?
Die Konstruktion des Buchs ist anstrengend. Ständig unterbrechen die inneren Monologe die Handlung, man muss sich orientieren und auch konzentrieren auf diese tiefgründige Erkundung der beiden Figuren. Darauf muss man sich einlassen und wird dann auch belohnt. Kennedy liefert Bilder des Lebens und Überlebens in einem herunter-gekommenen System. Momente einer Zeitenwende. Und zugleich die Beschwörung der Menschlichkeit, der Überlebensfähigkeit der Bedürfnisse nach Zuwendung, Zärtlichkeit und Glück in der Gemeinsamkeit. Ich finde: beeindruckend.

A.L. Kennedy: „Süßer Ernst“, Hanser Verlag, 28 EUR, ISBN: 978-3-446-26002-3

hr-iNFO Büchercheck vom 03.01.2019 - Peter Swanson: „Alles was du fürchtest“

Im neuen Krimi von Peter Swanson steht eine junge Frau im Mittelpunkt, die seit einem traumatischen Ereignis immer das Schlimmste erwartet. Um ihrem Londoner Leben eine neue Wende zu geben, tauscht sie für ein halbes Jahr ihre Wohnung mit ihrem in Boston lebenden Cousin.

hr-iNFO Büchercheckerin Karin Trappe hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Kate Priddy wundert sich selbst, dass sie es trotz all ihrer Ängste und Panikattacken geschafft hat, nach Boston zu fliegen, um die Wohnung ihres Cousins Corbin zu beziehen. Und ihre unheilvollen Ahnungen treten prompt ein: Schon am Tag ihrer Ankunft findet die Polizei in der Nachbarwohnung eine ermordete Frau. Kate schwankt zwischen Panik und Neugier. Kannte ihr Cousin die Nachbarin Audrey? Wieso bestreitet er das, wenn doch ihr Wohnungsschlüssel in der Küchenschublade liegt? Parallel dazu wird in Rückblenden die Geschichte von zwei Studienfreunden namens Corbin und Henry erzählt. Gemeinsam haben sie eine schreckliche Tat begangen. Klar, dass alles irgendwie zusammenhängt…

„Ich weiß wirklich nichts darüber“, sagte Kate.
Jack presste wiederholt die Lippen aufeinander. „Ich glaube nicht, dass Corbin etwas mit dieser Sache zu tun hat.“
„Na ja, da war er bereits in London…“.
„Wann genau ist er abgeflogen, wissen Sie das?“
„Er muss einen Nachtflug am Donnerstag genommen haben, weil er am frühen Freitag-vormittag angekommen ist.“
Jack sagte nichts, und Kate sah, wie er im Kopf nachrechnete, ob Corbin etwas mit Audreys Tod zu tun gehabt haben konnte.
„Sie glauben also, dass Corbin…“
„Nein, ich glaube gar nichts. Theoretisch könnte er in die Sache verwickelt sein. Es wäre möglich, oder?“ Er sah sie beinahe hoffnungsvoll an.

Wie ist es geschrieben?
Peter Swanson beherrscht das Metier, die Spannung voranzutreiben. Die inneren, meist angstbesetzten Monologe von Kate, kurze Dialoge, die Schwenks von der aktuellen Geschichte in die Studienzeit von Corbin und Henry, dazu ständige Perspektivwechsel – das ist spannend zu lesen.

Wie gefällt es?
„Alles was du fürchtest“ ist ein spannendes Buch um die eigentlich hoch-neurotische Protagonistin Kate, deren Neugier aber größer ist als all ihre Ängste und Phobien. Über-zeugende Charaktere, eine schlüssige Geschichte, in der immer mehr Einzelheiten dazu auftauchen, wie es zum Mord an Audrey gekommen ist, haben mir gut gefallen. Ein spannender Krimi mit dem kleinen Nachteil, dass ich schon recht früh wusste, wer hinter dem Mord steckt.

Peter Swanson: „Alles was du fürchtest“, Blanvalet, 15 EUR, ISBN: 978-3-7341-0543-2

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