Krimi Lieblinge in 2021 - 2020 - BUCHHANDLUNG 03 2020

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Unsere Krimi-Lieblinge in 2020:
Gute Kameraden

Wenn es nach seinen Eltern geht, soll Thomas Engel Lehrer oder Buchhalter werden; für ihn selbst ist klar, dass er zur Kripo gehen will. Zum Glück gibt es da des Vaters besten Freund, Strobel, der Thomas zugeneigt ist und die Eltern überreden kann. Nur das beste Abschlusszeugnis muss er nach Hause bringen. Als das gelingt, ist er alsbald in Strobels Team. Doch das ist ganz anders, als er erwartet hat – statt dem Gesetz sind die Kameraden ihrem Chef verpflichtet. Und das wird schwierig, als es eine grausame Mordserie gibt, die mit Fällen aus 1939 zusammenzuhängen scheint.

Thomas Christos ist das Pseudonym des Drehbuchautors Christos Yiannopoulos. Das merkt man dem Buch durchaus an, „1965“ ist kein Drehbuch, aber als Vorlage sehr gut geeignet. Stilistische Raffinesse darf der Leser hier nicht erwarten. Und doch ist das Buch ausgesprochen lesenswert: Die Kriminalhandlung ist schlüssig, spannend und sehr verwickelt, der Konflikt zwischen dem jungen Polizisten, dem Gesetze wichtig sind, und dem älteren, seine Macht ausnutzenden, Chef gut herausgearbeitet. Vor allem aber sind es die beiden Handlungsebenen, das Geschehen in 1939, die Verquickungen mit den Nazis, und deren Einfluss aufs Jahr 1965, die diesem Kriminalroman eine ungeahnte Tiefe geben.

Thomas Christos: „1965 – Der erste Fall für Thomas Engel“, Blanvalet Verlag, 978-3-7645-079-0, € 20,00, eBook € 14,99, Hörbuch € 20,00
 
Krimi oder Geisterroman?

Beides! Mahony ist 26 Jahre alt, als er einen Brief und ein Foto erhält – die ersten Verbindungen zu seiner Mutter, die ihn (angeblich) als Säugling einfach vor dem Kinderheim ausgesetzt hat. Das erste Mal liest er von ihrer Liebe zu ihm und auch, dass sie eine so sehr junge Mutter war erfährt er jetzt zum ersten Mal. Wie magisch angezogen ist er nun von ihrem Heimatort, dem kleinen Dorf Mulderrig an der irischen Küste. Als er dort ankommt wird schnell klar, dass er es nicht einfach haben wird, denn den Bewohnern kommt sein Gesicht mit dem aufsässigen Blick bekannt vor – sie werden aber nur ungern an seine Mutter erinnert … Lediglich Tadgh, der Wirt, und Mrs. Cauley, die kapriziöse Hotelbewohnerin, unterstützen ihn: Mahony möchte herausfinden was geschehen ist, damals mit seiner Mutter, und das sorgt im ganzen Dorf für Aufruhr.

Jess Kidds Roman spielt auf zwei Zeitebenen, in 1950 und 1976, er beginnt mit der Ermordung von Mahonys Mutter. Kidd schreibt mit viel Humor, sie hat außerdem eine sehr bildhafte Sprache. Sehr ungewöhnlich sind die Geister, die für Mahony (und damit bald auch für uns Leser*innen) wie selbstverständlich ständig anwesend sind und ins Geschehen eingreifen – sie geben dem Roman, der auch ein Krimi ist, eine durchaus skurrile Note.

Jess Kidd: „Der Freund der Toten“, Übersetzung: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, Dumont Verlag, € 11,00 eBook € 8,99
 
Bimini

Beim Routinescan von Containern voller Importware im Hamburger Hafen werden fünf Leichen entdeckt. Fünf kleine indische Mädchen, die ein Kuscheltier im Arm halten, auf dem das Logo einer Pharmafirma aufgedruckt ist. Die Polizei ermittelt, die Presse ist alarmiert – gibt es einen Zusammenhang zwischen Leichen und Firma? Iliana Kornblum, bei der Pharmafirma bisher zuständig für das erfolgreiche Alzheimer-Medikament Bimini, bekommt wenige Tage später den Chefposten für ein wichtiges Projekt angetragen; Mark, der bisherige Chef und ihr langjähriger Freund, hat die Firma mit sofortiger Wirkung verlassen. Kornblum ist einerseits sicher, dass ihre Firma „sauber“ ist – andererseits gibt es an allen Ecken und Enden Unstimmigkeiten. Dass ihre Tochter Marie in ähnlichem Alter ist wie die Mädchen, macht das Rätsel um ihren Tod für sie noch schwerer erträglich. Und keinen klaren Kopf zu haben, ist ausgesprochen gefährlich …

Jens Lubbadehs Thriller ist ungewöhnlich konstruiert. Wir Leser*innen haben mehrere Handlungsstränge und Lösungsansätze im Auge – und immer wieder tun sich neue, logische Entwicklungen auf. Aber nicht nur darum ist das Buch so interessant: Es sind die ethischen, moralischen und medizinischen Fragen, die Lubbadeh mit eingearbeitet hat, Fragen, die uns alle betreffen und die wir beim Lesen quasi mitdenken und -bearbeiten.

Jens Lubbadeh: „Transfusion“, Heyne Verlag, 978-3-453-32008-6, € 14,99, eBook € 11,99

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