Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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Lieblinge des Monats Februar.
Wunderkind

Herr und Frau Burg-Bartel liebten Menschen. Die Nachbarn im Osten, völlig Fremde im Park, freundliche Bauarbeiter. Am allermeisten aber liebten sie ihr Kind Hubert Horatio Bieber Burg-Bartel. Hubert Horatio war ein überaus kluges Kind, das außer Haiku, Ikebana und Kuchenback wirklich alles konnte: Zahlenakrobatik, moderner Tanz, Kunst und Freundlichkeit. Vor allem aber war Hubert Horatio ein absolut verantwortungsvolles Kind. Gar nicht unbedingt freiwillig. Aber wenn man absolut verantwortungslose Menschen als Eltern hat – und seien sie noch so liebenswert –, dann bleibt einem ja vielleicht auch gar nichts anderes übrig …

Bilder, Kollagen und Figurenporträts, Briefe, Nachrichten und Randbemerkungen: „Hubert Horatio – Wie du deine Eltern erziehst“ ist eine großartige, witzige Mischung aus mal mehr, mal weniger Fließtext und zahlreichen Ergänzung in allen möglichen Bereichen. Es gibt Seiten mit fünf Sätzen und welche fast ohne Weißraum. Und doch ist die Geschichte um die Familien Burg-Bartel und Filzig keine Geschichte, die man sich erst zusammenpuzzeln muss – sondern echtes, durchgängiges Lesevergnügen für Kinder ab 8 Jahren.

Lauren Child: „Hubert Horatio – Wie du deine Eltern erziehst“, Übersetzung Ann Lecker, Dragonfly, 978-3-7488-0054-5, € 15,00   KIND

Zeitlos …

Oh, wär ich  /  der Kästner Erich!
Auch wäre ich gern  /  Christian Morgenstern!
Und hätte ich nur einen Satz  /  vom Ringelnatz!
Doch nichts davon! – Zu aller Not  /  hab ich auch nichts von Busch und Roth!
Drum bleib ich, wenn es mir auch schwer ward  /  der Heinz Erhardt …

Tiefstapeln konnte er, der Heinz Erhardt. Denn seine Gedichte und Erzählungen, seine Übertreibungen und Umschreibungen passen in den Reigen, von Kästner bis Roth, ziemlich gut hinein. Ob er uns erzählt, wie Schillers Glocke entstand oder warum Zeus völlig humorlos ist, ob er sämtliche Verdi-Opern in ein erzählendes Gedicht hineinpackt oder wie Hannibal aus Elefanten Mücken macht – das Lesen ist ein stetes Vergnügen. Und die Illustrationen von Gerhard Glück – gerade nicht direkt zum Thema des Textes gehörend, sondern nur daran angelehnt – sind feine, hintergründige und sehr unterhaltsame Ergänzungen. „Wilhelm Tell und andere Berühmtheiten“ ist ein Buch, mit dem man vielen eine Freude machen kann. Sich selbst auch.

Heinz Erhardt: „Wilhelm Tell und andere Berühmtheiten, mit Bildern von Gerhard Glück“, Lappan Verlag 978-3-8303-6381-1, € 16,00  
Kettensägen und Urlaubskoffer

„Her mit dem wilden Leben!“ steht außen drauf. Inklusive Ausrufezeichen. Und als Untertitel „Kurze Erzählungen von und für Frauen“. Insgesamt sind es 13 Texte, und nur einer davon ist länger als 20 Seiten – Tatjana Kruse braucht diese Seitenzahl um vom schweizerischen Grenzübergang, dem Treffen mit Jean-Claude und seiner Glock bis hin zum Klappspaten im Hotelgarten alles schlüssig zu erzählen. Andere brauchen nur wenige Seiten um vom Wechseln des Friseurs (Marian Keyes), T-Shirts mit abstrusen Sprüchen (Ronja von Rönne) oder einem Kettensägenlehrgang (Margarete Stokowski) zu berichten. In nahezu allen Texten nehmen die Autorinnen ihr Frausein nicht allzu ernst und nur eine rutscht ins Bedienen von Klischees. Aber darüber liest man, weil die Zusammenstellung so schön amüsant ist, gerne hinweg.

Eigentlich ist das genau das Buch, dass ich einer Freundin mit zur Kur geben würde. Unterhaltsam, überhaupt nicht blöd, herrlich handlich. Und schnell zur Seite legen kann man das Büchlein auch, weil die Texte knackig kurz sind.

„Her mit den wilden Leben! Kurze Erzählungen von und für Frauen“, Pattloch Verlag, 978-3-629-11617-8, € 10,00
Krimi-Lesefutter-Qualität

Einen solchen Nachtdienst wollen die beiden Streifenpolizisten nicht noch einmal erleben: Bei der Kontrollfahrt hatten sie einen Unfallort entdeckt, ein Mann und ein Kind waren gestorben. Und weit und breit kein zweites Unfallfahrzeug zu sehen – eine Fahrerflucht mit Todesfolge. Nun liegt die Hoffnung auf dem neuen Chef der Polizeistation, Hendrik Norberg, der sich von Itzehoe nach St. Peter-Ording hat zurückversetzen lassen, um mehr Zeit für seine beiden Söhne zu haben. Trotz seiner Erfahrung als Mordermittler ist die Suche nach Unfallauto/Fahrer*in jedoch fast aussichtslos. Zeitgleich wird eine junge Frau vermisst, ihre Arbeitskolleg*innen von der Vogelwarte sind ziemlich fassungslos, weil sie extrem zuverlässig ist und die Arbeit ihr ein großes Anliegen. Die offizielle polizeiliche Suche betreut Anna Wagner, die sich aus privaten Gründen aus München hat versetzen lassen - Norberg ist alles andere als glücklich, da hätte er ja auch selbst ermitteln können.

Svea Jensen beginnt mit „Nordwesttod“ eine Reihe, die schon im Mai mit „Nordwestzorn“ fortgesetzt wird. Wir Leser*innen können in diesem Buch einiges über Umweltschutz und Hotelerie lernen – uns aber auch einfach dem Lokalkolorit St. Peter-Ordings, zwei gegensätzlichen Charakteren und einem spannend und interessant erzählten Kriminalroman ergeben.

Svea Jensen: „Nordwesttod“, HarperCollins, 978-3-7499-0003-9,€ 12,00
Eine Schicksalsgemeinschaft

Klavierlehrer Gabriele Santoro ist ein zurückgezogen lebenden Einzelgänger, der eines Morgens einen Gast in seiner Wohnung hat: Ciro, der zehnjährige Sohn des Nachbarn von oben, hat sich in einem unbeobachteten Augenblick in Santoros Wohnung geschlichen und erhofft sich trotzigen Blickes, bleiben zu können. Erst nach einigen Tagen berichtet er, warum er sich versteckt - er wollte mit seinem Freund zusammen eine alte Frau berauben, diese ist dabei gestürzt und liegt jetzt im Koma. Die alte Frau war die Mutter des örtlichen Mafia-Clan-Chefs und Ciro weiß sehr genau, was ihn erwartet. Gegen alle Erfahrungen hilft der "Maestro" und versteckt ihn. Allerdings zieht sich die Schlinge der Mafia immer dichter um die beiden …
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Die Geschichte spielt in Neapel - und das gleichermaßen erschreckende wie in-die-Geschichte-hineinziehende ist die Selbstverständlichkeit, mit der die Mafia dort über Leben und Tod entscheidet. Bzw. die Selbstverständlichkeit mit welcher der Autor Roberto Andò das darstellt (er lebt dort und weiß, wovon er spricht). Andò verhandelt mit Hilfe der Geschichte auch die Frage, ob das Recht oder die Gerechtigkeit für eine Gesellschaft wichtiger sind. Eine abschließende Antwort bleibt er uns allerdings schuldig. Die Gedichtzitate und Bezüge zu Musik und Literatur, die sich durch den ganzen Roman ziehen, sind übrigens kein bisschen aufgesetzt, sie passen hervorragend zur Figur des Maestro.

Roberto Andò: „Ciros Versteck“, Übersetzung: Verena von Koskull, Folio Verlag, 978-3-85256-826-3, € 22,00
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