Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

Homesymbol

Öffnungszeiten: MO-FR 9:00 - 12:30 | 14:00 - 18:30 | SA 9:00 - 13:00 | FON 06258 4242 | FAX 06258 51777 | MESSENGER 0170 234 2006Nutzen Sie unseren Lieferservice und "enttummeln" Sie den Laden. Wir liefern aktuell mehrmals die Woche zu Ihnen nach HauseWir machen zwischen den Jahren Pause und gönnen uns und den Mitarbeiter:innen eine kleine Auszeit bis zum 03.01.2022.

Kopfzeilesymbole
Newsletter     Hilfe        tolino Webreader         Öffnungszeiten          Wunschliste           Login / Mein Konto
Stickyhomesymbol
Direkt zum Seiteninhalt
Lieblinge des Monats Juni.
Rose Lagercrantz / Eva Eriksson: Mein glückliches Leben

Dunne zählt keine Schafe, wenn sie nicht einschlafen kann – sie zählt die Momente, in denen sie glücklich war. Als ihr Cousin ihr einen Frosch schenkte und später, als sie drei Schwimmzüge machte ohne zu ertrinken, solche Momente zählt sie. Und weil sie sich so sehr auf die Schule freut, gehört natürlich auch der Kauf des Ranzens dazu. Am Tag, als Dunne das erste Mal in die Schule gehen soll, da ist sie nicht nur aufgeregt, sondern hat auch ein bisschen Angst: Wird die Lehrerin nett sein? Werden die anderen Kinder sie mögen? Wie gut, dass sie Ella Frida kennenlernt und sie in die gleiche Klasse gehen! Doch dann zieht Ella Frida weg. Aber Dunne wäre nicht Dunne, wenn es nicht wieder Glücksmomente gäbe!

Die Dunne-Bücher sind in kurzen Sätzen verfasst und recht großen Buchstaben gedruckt, dazu mit zarten Illustrationen auf jeder Seite – alle sieben sind für Erstleser bestens geeignet. Wobei sie aus viel wichtigerem Grund geeignet sind: Sie sind Balsam für die Seele. Auch wenn man schon in die zweite Klasse geht …

Moritz Verlag, Übersetzung: Angelika Kutsch, 978-3-89565-239-4, € 11,95

Arabella Sicardi / Sarah Tanat-Jones: Queer Heroes – 53 LGBTQ-Held*innen

„Der beste Rat, den ich jemals bekommen habe, lautet: Sei der Mensch, den du gebraucht hättest, als du jung warst.“ Mit diesem Satz beginnt Arabella Sicardi, die in den Vereinigten Staaten eine bekannte Bloggerin und Mode-Kolumnistin ist, ihr Buch. Sie schreibt, dass es ihr enorm geholfen hätte, damals andere Lebensmodelle zu kennen als die „üblichen“. Dass sie bestenfalls in Fantasy-Romanen Vorbilder und vorbildliches Miteinander gefunden hätte, ihr Alltag aber von Mobbing bestimmt gewesen wäre. Mit Blick auf ihre Kindheit und Jugend hat sie dieses Buch konzipiert und 53 Menschen ausgewählt, die mit ihrem Leben, mit ihrem Mut zum Anderssein diese Lücke füllen. Sie zeigen auf, wie vielfältig Menschen sind und wie gut es ist, für sich selbst einzustehen. Dabei sind es nicht nur die „erwartbaren“ Personen wie Freddy Mercury oder Ellen DeGeneres – sondern auch Menschen, von denen wir in Deutschland noch nichts oder wenig gehört haben. Bayard Rustin zum Beispiel war ein Weggefährte von Martin Luther King Jr., Khalid Abdel-Hadi hingegen hat die erste Plattform der arabischen Welt für die LGBTQ-Community erschaffen: Beide Lebensgeschichten sind unglaublich inspirierend. Außerdem lesen wir von Marlene Dietrich, Michelangelo und einigen anderen, die „einfach“ durch ihre Art zu Leben für Vielfalt einstehen oder einstanden.

Keiner der Texte ist länger als eine halbe Seite. Und trotzdem ist dieses Buch überzeugend und wichtig.

Prestel Verlag, Übersetzung: Petra Koob-Pawis, 978-3-7913-7437-6, € 20,00

Marie Hermanson: Der Sommer, in dem Einstein verschwand

Wir schreiben das Jahr 1923, ganz Göteborg steht unter dem Zauber der Weltausstellung. Neue Technologien begeistern Menschen aus aller Herren Länder, im Kinderparadies ist Esel Bella der große Liebling und in der Rotunde wird die Nacht zum Tag gemacht. Für Anfang Juli hat Albert Einstein sich angemeldet – er hat im Jahr vorher (endlich) den Nobelpreis bekommen und soll nun mit Verspätung seine Nobelvorlesung halten. Ohne diese wird ihm das Preisgeld nicht ausgezahlt werden und das hat er seiner Exfrau für die gemeinsamen Kinder versprochen. Einsteins Besuch in der Weltausstellung soll ein weiteres Highlight dort sein. Am 6. Juli steht ein Empfangskomitee mit allem Pomp am Bahnstein. Doch Einstein steigt nicht aus dem Zug!

Marie Hermanson hat in ihren Roman viele Tatsachen hineingewoben. Die Weltausstellung, die Zeitung und Esel Bella gehören dazu, die zwei Tage Verspätung, mit der Einstein seine Nobelvorlesung hielt, ebenso. Auch die feindliche Stimmung gegenüber Albert Einstein, vor allem in Berlin, aber auch im Nobelkomitee, fußen auf Fakten. Die Geschichte drumherum, mit dem Eselführer Otto, der Journalistin Ellen und dem Polizisten Nils – in mehrere Handlungssträngen erzählt, die erst nach ungefähr einem Drittel des Buches zusammenfinden – diese Geschichte hat Hermanson fabuliert. Ihr Erzählstil ist interessant, die Sprache bildhaft aber keineswegs kitschig. Dieser Roman ist feine Unterhaltung mit klugem Hintergrund.

Insel Verlag, Übersetzung: Regine Elsässer, 978-3-458-68129-8, € 10,00

Terry Miles: Rabbits. Spiel um dein Leben.

K. ist Teenager, als er das erste Mal mit Rabbits in Berührung kommt: Die beiden Töchter von Freunden seiner Eltern wollen dieses hochgeheime Spiel eigentlich alleine spielen – aber sie werden dazu verdonnert, ihn mitzunehmen auf der Fahrt zum Süßigkeitenholen, auf der sie einen Umweg machen wollen. Emily hat es Annie vorher genau erklärt, es geht darum Diskrepanzen im Zeitgeschehen zu finden. Und dann mit einem waghalsigen Manöver auf die Teilnehmerliste zu gelangen. Das geht schrecklich schief … Jahre später sieht K. es als seine Aufgabe an, die aktuelle Runde zu gewinnen und das tödliche Spiel für immer zu beenden.

Thriller – so steht es auf dem Einband. Das trifft auch zu. Allerdings ist dieses Buch weit mehr als diese Klassifizierung erahnen lässt: Faszinierende Science-Fiction-Elemente sind hier gepaart mit aktuellen Möglichkeiten der KI, dazu gibt es eine Prise Horror und deutliche psychologische Hintergründe.
Mein Mann erklärte mir nach der Lektüre: „Ich wünsche mir mehr solche Bücher! Würde ich sofort lesen.“ Verstehe ich vollkommen.

Penguin Verlag, Übersetzung: Kai Andersen, 978-3-328-60227-9, € 18,00

Ilya Kaminsky: Republik der Taubheit

Vasenka, so heißt die Stadt inmitten des Krieges. In der die Soldaten erwartbar handeln und das doch stets unerwartet ist. In der die Einwohner taub werden aus Selbstschutz und Protest. In der die Taubheit aber doch nicht schützen kann vor tödlichen Übergriffen. In Vasenka leben sie alle, die Standhaften und Kollaborateure, die Liebenden und Fatalisten. In Vasenka wütet der Krieg und auch der Frieden bringt kein Leben ohne Angst.

„Dank“ – unter dieser Überschrift steht normalerweise bei Büchern eine kleine Ergänzung. Hier sind das Seiten, die unbedingt gelesen werden müssen: Weil der Autor Ilya Kaminsky erzählt, wem er welches Gedicht gewidmet hat. Vor allem aber, weil er auflistet, wo ein Teil der Gedichte schon erschienen ist. Auch wenn es den Anschein hat, als wäre der vorliegende Lyrikband, der genauso auch ein Theaterstück sein könnte, im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg entstanden – der Blick in den „Dank“ zeigt, dass es schon Veröffentlichungen in den Jahren 2010 und 2012 gab, also weit vor dem russischen Einmarsch auf der Krim. Kaminskys Texte sind knapp und erschütternd, sie beschreiben Krieg ungeschönt und aus dem Blickwinkel „normaler“ Menschen. Wenn er aber die Geschichte von Sonya und Alfonso erzählt, sind sie manchmal zart und immer getragen von großer Liebe. Das alles macht „Republik der Taubheit“ zu einem sehr großen und lange nachhallenden Buch.

Hanser Verlag, Übersetzung: Anja Kampmann, 978-3-446-27273-6, € 22,00

Zurück zum Seiteninhalt