Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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Lieblinge des Monats März.
Kann Freundschaft warten?

„Strandbär hieß Strandbär, weil er am Strand wohnte. Er liebte die Sonne, die ihn kitzelte, die Beeren, die er vom Busch pflückte, und die Wellen, die ihm Geschichten erzählten. Er war ein zufriedener Strandbär. Nur manchmal vermisste er einen Freund.“

Das ändert sich, als er im Schilf Lilou findet, eine flügellahme Gans – umstandslos hilft er ihr, auch wenn er sie noch gar nicht kennt. Und dann, mit der Zeit und heilendem Flügel, unternehmen die beiden Abenteuer miteinander und teilen ihren Alltag. Bis der Winter kommt: Winterschlaf für Bären und Flug in den Süden für Gänse sind nicht wirklich miteinander vereinbar …

Charmant und poetisch erzählt Miriam Cordes eine ungewöhnliche, faszinierende  Freundschaftsgeschichte, inklusive Anderssein, Hilfsbereitschaft, Trennung, Alltagsfreuden. Die Illustrationen unterstreichen die Erzählung in feinster Weise und das - etwas größere - Druckbild macht „Richtig gute Freunde“ auch für Erstleser*innen selbständig lesbar.

Miriam Cordes: „Richtig gute Freunde“, Carlsen Verlag, 978-3-551-51847-7, € 18,00
Vor der Wahl

Die Wahl des US-amerikanischen Präsidenten wird uns die nächste Zeit beschäftigen. (Donald Trumps Tun tut es nicht minder …) Da ist es durchaus hilfreich, zu wissen, was einzelne Begriffe bedeuten, wer wann Präsident war und wer der dazugehörige Vizepräsident – aber auch, mit welchen Mitteln in der amerikanischen Demokratie gearbeitet, gekämpft wird.

Stefan A. Sengl hat auf einer längeren Studienreise durch die USA Einblicke in die Arbeit verschiedenster politischer Institutionen genommen, er kommentiert seit Jahren die Präsidentschaftswahlen im Fernsehen und begleitet und organisiert Wahlkämpfe in seiner Heimat Österreich. „Das politische ABC der USA“, in dem er einen Teil seines Wissens an uns Leser weitergibt, ist ein profundes Nachschlagewerk mit zahlreichen Querverweisen, das man immer wieder in die Hand nehmen kann – ob die Nachrichten gerade Neuigkeiten über die US-Wahl bringen oder man einen historischen Roman liest, der (auch) politische Hintergründe hat: Hier finden sich die passenden Informationen für ein breiteres Verständnis der Sachlage. Sehr empfehlenswert!

Stefan A. Sengl: „Das politische ABC der USA“, Czernin Verlag, 978-3-7076-0698-0 , € 14,00, eBook € 9,99

Gute Kameraden

Wenn es nach seinen Eltern geht, soll Thomas Engel Lehrer oder Buchhalter werden; für ihn selbst ist klar, dass er zur Kripo gehen will. Zum Glück gibt es da des Vaters besten Freund, Strobel, der Thomas zugeneigt ist und die Eltern überreden kann. Nur das beste Abschlusszeugnis muss er nach Hause bringen. Als das gelingt, ist er alsbald in Strobels Team. Doch das ist ganz anders, als er erwartet hat – statt dem Gesetz sind die Kameraden ihrem Chef verpflichtet. Und das wird schwierig, als es eine grausame Mordserie gibt, die mit Fällen aus 1939 zusammenzuhängen scheint.

Thomas Christos ist das Pseudonym des Drehbuchautors Christos Yiannopoulos. Das merkt man dem Buch durchaus an, „1965“ ist kein Drehbuch, aber als Vorlage sehr gut geeignet. Stilistische Raffinesse darf der Leser hier nicht erwarten. Und doch ist das Buch ausgesprochen lesenswert: Die Kriminalhandlung ist schlüssig, spannend und sehr verwickelt, der Konflikt zwischen dem jungen Polizisten, dem Gesetze wichtig sind, und dem älteren, seine Macht ausnutzenden, Chef gut herausgearbeitet. Vor allem aber sind es die beiden Handlungsebenen, das Geschehen in 1939, die Verquickungen mit den Nazis, und deren Einfluss aufs Jahr 1965, die diesem Kriminalroman eine ungeahnte Tiefe geben.

Thomas Christos: „1965 – Der erste Fall für Thomas Engel“, Blanvalet Verlag, 978-3-7645-079-0, € 20,00, eBook € 14,99, Hörbuch € 20,00
 
Überleben

11000 – so viele Meter tief ist der Marianengraben.  Paula weiß das, weil Tim, ihr jüngerer Bruder, der größte Fische- und Ozeanliebhaber war, den man sich nur vorstellen kann. Seit Tim gestorben ist, befindet sie sich selbst dort, weitab von anderen, weitab vom Alltag, weitab jeder Normalität. Die Vorstellung, beim Besuch des Grabes anderen Menschen zu begegnen, findet sie unerträglich: Darum schlägt ihr Therapeut vor, es in der Nacht zu besuchen. Auch wenn das erst einmal absurd klingt, Paula findet sich tatsächlich beim nächsten Vollmond an Tims Grab wieder. Und lernt Helmut kennen, der ein paar Gräber weiter mit dem Spaten zugange ist …

Jasmin Schreiber hat einen bezaubernden Roman geschrieben, in dem es nicht an Humor fehlt – und dass, obwohl die Themenstellung „Verlust eines geliebten Menschen“ alles andere als vergnüglich ist. Paula und Helmut sind ein großartiges, völlig gegensätzliches „Paar“, das sich auf den ersten Blick überhaupt nicht ergänzt, auf den zweiten sehen wir Leser*innen, dass sie einander genau das geben können, was nötig ist: eine Mischung aus Nähe und Distanz, flapsige Wortwechsel inklusive. Eines meiner Frühjahr-Highlights.

Jasmin Schreiber: „Marianengraben“, Eichborn Verlag, 978-3-8479-0042-, € 20,00, eBook € 14,99, Hörbuch € 18,00
 
Gemeinsam

Ich war neun oder zehn Jahre, als das erste türkische Mädchen in unsere Klasse kam. Wir sollten „nett sein“, mit ihr reden – aber wir wussten gar nicht, wie das gehen kann. Bis dahin war die Welt eingeteilt in katholisch beziehungsweise evangelisch und in „großer Farbfernseher“ plus halbwegs entspannter Feierabend beziehungsweise kleiner Schwarz-Weißer plus immer zu wenig Geld. Nun gab es also jemanden außerhalb der Kategorien, zumindest in unserer Wahrnehmung. Die Gemeinsamkeiten zu entdecken, das war kaum möglich.

Auch dank Aras Örens „Berliner Trilogie – drei Poeme“ gelingt es mir heute, halbwegs zu verstehen, wie das damals war. Ören lebt seit 1969 in Berlin, war Redakteur beim SFB und Leiter der türkischen Redaktion Multikulti beim RBB – und er hat in der „Berliner Trilogie“ vielen türkischen „Gastarbeitern“ (ich nutze die Anführungszeichen hier sehr bewusst: eigentlich sind es ja einfach Kolleg*innen, oder?) ein Denkmal gesetzt. Mit wenigen Worten skizziert er alte und neue Lebensentwürfe, Alltag in der Türkei und in Deutschland, Sprachlosigkeit und ihre Zwischentöne. Das ist große Kunst. Es ist aber vor allem ein großartiger Beitrag zur Verständigung. Und die haben wir derzeit nicht weniger nötig als in den siebziger Jahren, finde ich.

Aras Sören: „Berliner Trilogie – drei Poeme“, Verbrecher Verlag, Übersetzung: H. Achmed Schmiede, Johannes Schenk, Jürgen Theobaldy und Gisela Kraft, 978-3-95732400-9, € 22,00
Geschichte im Comic

Als der deutsche Kaiser im November 1918 abdankte und zwei Tage darauf das Waffenstillstandsabkommen unterschrieben wurde, hatten die Alliierten noch keine konkreten Vorstellungen, wie es mit den deutschen Ländereien weitergehen sollte. Dass sie aufgeteilt und unter Aufsicht gestellt werden sollten, das war klar; und auch dass einige Gebiete anderen Ländern zugeschlagen werden sollte – aber wie genau die Grenzen verlaufen sollten, dafür gab es (noch) keinen konkreten Plan.

So kam es zu einer Konstellation, die nur schwer vorstellbar ist: zwischen den beiden französischen Stützpunkten Mainz und Koblenz gab es ein kleines Gebiet, dass weiterhin deutsch blieb. Da aber die Bereiche rund um Mainz und Koblenz quasi mit dem Zirkel abgesteckt worden waren, ohne Rücksicht auf die bestehende Infrastruktur, waren die Menschen dort nur schwer zu erreichen und ein Warenaustausch kaum möglich, die Straßen endeten regelmäßig an französischen Grenzübergängen.

In ihrem Comic „Freistaat Flaschenhals“ erzählen Marco Wiersch und Bernd Kissel, wie es damals zugegangen ist, wie die Einwohner des „Freistaates“ (der politisch gar keiner war …) ihre Situation meisterten. Sie zeigen große Hilfsbereitschaft aber auch politisches Kalkül und Missgunst – ohne in die Falle der Schönfärberei zu tappen. Das ist wirklich interessant, auch schon für Jugendliche, und toll gezeichnet! Ab und an ist der Erzählstrang nicht ganz durchgehend, aber nach wenigen Bildern ist man wieder ganz in der Geschichte: Genau so soll es bei einer Graphic Novel ja auch sein.

Marco Wiersch / Bernd Kissel: „Freistaat Flaschenhals“, Carlsen Verlag, 978-3-551-78150-5, € 20,00  

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