Direkt zum Seiteninhalt

Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

Menü überspringen
Homesymbol
Kopfzeilesymbole
Newsletter     Hilfe        tolino Webreader         Öffnungszeiten          Wunschliste           Login / Mein Konto
Menü überspringen

Öffnungszeiten: DI-FR 9:00 - 12:30 | MO-FR 14:00 - 18:30 | SA 9:00 - 13:00Öffnungszeiten ab 2026: DI-FR 10:00 - 12:30 | MO-FR 14:00 - 18:30 | SA 10:00 - 13:00

Menü überspringen
Stickyhomesymbol
Menü überspringen
Lieblinge des Monats Dezember


Ursula K. Le Guin: Der Tag vor der Revolution

„Neun Leben“ – so heißt die erste von 26 Kurzgeschichten von Ursula K. Le Guin, die in dieser neuen Sammlung bei Fischer Tor, neu übersetzt von Karin Nölle, erschienen sind. „Neun Leben“ stammt aus dem Jahr 1969 und spielt auf dem fernen, instabilen Planeten Libras, dessen Uran-Vorkommen wichtig für die Erde sind. Captain Pugh und Leutnant Martin, als einzige dauerhaft auf Libras stationiert, erhalten Hilfe von einem Zehn-Personen-Klon. Doch bei einem Erdbeben sterben neun und nur Kaph überlebt: Kann er ohne die anderen überhaupt leben? Ein weiteres Erdbeben erfasst den Planeten, als Leutnant Martin weit draußen ist, mitten im Epizentrum. Dass Captian Pugh einen Rettungsversuch unternimmt, ist für Kaph unfassbar – aber Pugh Handeln scheint ihn von Mitmenschlichkeit zu überzeugen …

Das Buch „Der Tag vor der Revolution“ ist Ende Oktober erst erschienen und ich habe noch nicht alle Kurzgeschichten gelesen. Denn man braucht nicht nur Zeit für die Erzählungen – man braucht auch Zeit über sie nachzudenken. Ursula K. Le Guin (1929 bis 2018) gilt als Großmeisterin des Science Fiction, sie verhandelt in ihren Texten wichtige Fragen des Zusammenlebens, sie bricht mit traditionellen Geschlechterrollen und denkt fantasievoll und gleichzeitig ernsthaft über Gesellschaftsformen nach. Nicht alle Geschichten spielen auf fremden Planeten und manche sind eher (nicht mittelalterlich-geprägte) Fantasy: Alle haben gemein, dass die Welten schlüssig und durchdacht sind und in sich so stimmig, dass wir Leser:innen auch den ungewöhnlichsten Ideen folgen können. Natürlich liegt das auch an Le Guins genialer Art zu erzählen! Ein Teil der Storys liegt in dieser Sammlung übrigens zum ersten Mal in deutscher Übertragung vor. Und die Storys, die es in früheren Jahren schon auf Deutsch gab, die hat Karin Nölle alle neu übersetzt. Außerdem hat sie ein erhellendes Nachwort zu Le Guin und ihrem Gesamtwerk verfasst, das man auch gerne schon vor der Lektüre lesen kann.

Fischer Tor, Übersetzung: Karin Nölle, 978-3-596-71087-4, € 36,00

Miguel Bonnefoy: Der Traum des Jaguars

Antonio verbrachte die ersten Jahre seines Lebens bei Teresa, der stummen Bettlerin, meist gemeinsam mit ihr auf den Stufen der Kirche. Sie hatte den Waisenjungen nicht ganz freiwillig aufgenommen und brachte ihm eher Härte als Liebe entgegen, gepaart mit der Gewissheit, dass er sein Leben machen würde. Er war keine zwölf Jahre alt und noch keine Stunde seines Lebens in der Schule gewesen, als er eine Stelle im bekanntesten Bordells Maracaibos annahm. Und noch keine vierzehn, als er die Stelle aufgab, in Don Victors Heim einzog und seine Schullaufbahn begann. In der Schule begegnete er Ana Maria, die ihn faszinierte – und die einige Jahre später nicht nur eine bekannte Ärztin war, sondern tatsächlich Antonios Frau …

Fast hundert Jahre venezolanische Geschichte verpackt in einen bildgewaltig und doch sparsam erzählten Familienroman: Das ist „Der Traum des Jaguars“ von Miguel Bonnefoy. Das 20. Jahrhundert ist noch sehr jung, als Antonio geboren wird und das Leben in der Region um Maracaibo ist geprägt von Kolonialismus und Armut. Immer wieder sind es die großen Veränderungen im Land – von der Entdeckung eines großen Ölvorkommens 1914 bis zur Wahl Hugo Chavez 1999 – die auch Antonios und Ana Marias Leben verändern; und später und in eigenen Kapiteln auch das von Tochter Venezuela und Enkel Christobal. Ich habe das mit einigem Erkenntnisgewinn und großer Leselust „verspeist“.

Eisele Verlag, Übersetzung: Kirsten Gleinig, 978-3-961612-66-6, € 24,00

Antje Huhs: Zuhause ist vorübergehend geschlossen.

Hätte sich Annett in den letzten Tagen die Nachrichten angesehen, wäre sie besser vorbereitet gewesen. So ist sie vollkommen überrascht, als ihr ein junger Fahrer Herrn Jankowski bringt, einen älteren Herrn, der sofort dem Fernseher zustrebt. Wobei – wie soll man sich denn darauf vorbereiten, dass von einem auf den anderen Tag jemand Wildfremdes ins Haus mit einzieht? Weil deutschlandweit das Pflegepersonal streikt, werden alle Senior:innen mit weniger als Pflegegrad 3 auf Privathaushalte verteilt und Annett will sich dieser Pflicht gar nicht entziehen. Allerdings gibt es großen Ärger mit Teenagersohn Bela, der sein Zimmer abtreten muss. Und auch Stefan, ihr Mann, stellt sich quer. Margit von der Stadtverwaltung hingegen hat ständig mit Menschen zu tun, die „ihre“ Person nicht versorgen wollen. Und Lennart, Pfleger und Social-Media-Star, soll in einer Talkshow die Krise erklären. Nur sind die anderen Talkshow-Gäste mit allen Wassern gewaschen und Lennart argumentativ haushoch überlegen. Obwohl er viel besser Bescheid weiß und sogar Lösungen parat hätte!

Antje Huhs Buch ist ein großer Spaß mit reichlich Situationskomik und Turbulenzen. Dabei ist es überhaupt nicht seicht, die Themen – von Familiendynamik bis Pflegekrise – bieten genug zum Nachdenken, wenn man denn möchte. Natürlich spielt auch die Zeit mit hinein ins Chaos, denn das Buch spielt in der letzten Woche vor den Weihnachtstagen, die Nerven liegen eh‘ ein bisschen blank. Genau für die nächsten Wochen empfehle ich diesen Roman auch: Danach ist man gut gewappnet für alles, was an den Feiertagen auf einen zukommt!

Dtv, 978-3-423-22147-4, € 13,00

Heidrun Deborah Kämper: Die Sprache der Rechten

„Wer spricht?“ – so ist die Einleitung überschrieben. Das zu klären ist wichtig, um eine Abgrenzung von konservativ zu „rechts“ oder sogar „rechtsextrem“ vornehmen zu können. Kämper ordnet die Begriffe „rechts“ bzw. „Rechte“ einer politischen Überzeugung zu, die sich so beschreiben lässt: Ungleichheit der Menschen, autoritäres Denken, Vergangenheitsbezogenheit, ethnische Homogenität des Staates, antidemokratische Tendenzen sowie deutliche Bezüge zu Vokabular und Denkmodellen der NS-Zeit (s. 9). Im folgenden Kapitel untersucht sie die Sprachmilieus und ergänzt diese Erläuterungen durch eine Vielzahl von Beispielen von Wahlplakaten, Facebook-Posts, Liedtexten oder persönlichen Äußerungen. Im dritten Kapitel arbeitet Prof. Kämper heraus, wozu rechte Sprache verwendet wird und in Kapitel vier vergleicht sie die Debatten- und Entscheidungskultur im baden-württembergischen Landtag nach Einzug der AfD mit der Zeit davor. Bevor sie ihr Fazit („Würde der Sprache“) zieht, gibt es noch eine kurze Darstellung über Political Correctness, die sehr wichtig ist, da dieser Begriff zum Buzzword geworden ist und ähnlich wie „woke“ mittlerweile oft negativ belegt ist.

„Möge es doch helfen!“ – so hat Prof. Kämper bei der Lesung mein Exemplar signiert. Sie war am 10. November auf Einladung des Vereins Memor und verschiedener Kooperationspartner im Gymnasium Gernsheim zu Gast und hatte Auszüge aus ihrem Buch präsentiert. Das war als Einstieg sicher hilfreich, doch in ihrem Buch erläutert sie alles ausführlicher und zusammenhängender. Nach der Lektüre von „Die Sprache der Rechten“ ist man jedenfalls deutlich aufmerksamer gegenüber Aussagen, die auf den ersten Blick fast neutral erscheinen. Und deutlich besser im Argumentieren dagegen.

Reclam Verlag, Reihe [Was bedeutet das alles?], 978-3-15-014663-7, € 8,00

Pieter Gaudesaboos / Bart Rossel: Wie macht man das?

„Hast du schon mal eine Fabrik von innen gesehen? Wahrscheinlich nicht. Wie wäre es, wenn du mit einer Seilbahn direkt durch zehn außergewöhnliche Fabriken der Welt reisen würdest?“ Natürlich wollen wir mitreisen! Natürlich wollen wir sehen, wie Tennisbälle, Feuerwerk, Cornflakes, Schokolade, Christbaumkugeln, Kaugummi, Seife, Plastikpuppen und Farbe hergestellt werden!

Für jedes Thema gibt es sechs großformatige Doppelseiten. Es beginnt mit einer Einführung ins Thema – bei der ersten Fabrik, der Tennisballfabrik, erfahren wir, warum es so schwierig war, das passende Material und das richtige Herstellungsverfahren zu finden. Die nächste Doppelseite ist ein Querschnitt durch die Fabrik, alle Fertigungsschritte werden erläutert und die entsprechenden Maschinen dargestellt. Auf den anschließenden Doppelseiten dann gibt’s noch dies und das Drumherum zu lesen, zum Beispiel, wer zuerst Tennis spielte oder warum Tennisbälle signalgelb sind.

Das ist kein Buch, das man in einem Rutsch durchliest. Dafür sind die Themen viel zu interessant und bodenständig. Vor allem ist es wirklich gut gemacht, mit den unterschiedlichsten Herangehensweisen an die Themen und ganz vielen Details im Bildmaterial. Das bereitet nicht nur wissbegierigen Kindern ab 8 Jahren großes Vergnügen!

Gerstenberg Verlag, Übersetzung: Birgit Erdmann, 978-3-8369-6368-8, € 28,00

Zurück zum Seiteninhalt