Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - BUCHHANDLUNG

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Lieblinge
Lieblinge des Monats August.
Erstlesefreuden.

„Hatschihu war nicht immer ein Stallgespenst. Nein, zur Welt kam es als normales Schlossgespenst. Auf Burg Weilerlang in Hinteroberberg.“ Solange die Ritter auf Burg Weilerlang wohnten, war das Leben als Schlossgespenst eine Freude – immer war was los. Doch heutzutage liegt der Staub fingerdick und es kommen nur ab und zu ein paar Menschen und gucken sich um. Das wäre ja noch auszuhalten. Aber wenn man eine Stauballergie hat und immer Niesen muss, dann wird’s langsam schwierig. Und wenn man immer sichtbar wird, wenn man niest, dann dauert es nicht lange und der Museumswärter (denn die Burg ist nun ein Museum) vertreibt einen. Auch wenn man schon jahrhundertelang hier gewohnt hat. Zum Glück findet Hatschihu eine neue Bleibe. Und zum noch größeren Glück lernt er Leni kennen!
Erstlesebücher mit vielen Bildern, kurzen Sätzen, interessanter Erzählweise und spannender Geschichte, die gibt es gar nicht soooo viele. Denn es ist reichlich schwierig, diese Vorgaben zu erfüllen – einerseits anregend und unterhaltsam und andererseits in kurzen Sätzen zu schreiben. Meike Haas gelingt das in dieser Reihe (bisher gibt es zwei Bände) in entzückender Weise.

Meike Haas: „Das kleine Stallgespenst. Der nächtliche Ausritt“, € 8,00, eBook € 5,99, Verlag arsEdition, € 8,00, 978-3-8458-2376-8   

Anschaulich

„Widerstand! Handbuch für Aktivisten“ – das klingt nicht unbedingt friedlich. Und friedlich im Sinne von ruhig sein, dass soll in diesem Buch auch nicht vermittelt werden. Vielmehr bietet es detaillierte Anleitungen, Dinge, die man für wichtig hält, in Fluss zu bringen. Von der genauen Zusammenstellung der Machtstrukturen, die hinter dem Problem stehen (Kapital 1) bis hin zur Frage, wann ein Ziel erreicht ist bzw. wie man sich immer wieder motiviert (Kapitel 10) wird sehr anschaulich und pragmatisch aufgezeigt, wie man vorgehen kann. Im Anschluss an jedes Kapitel gibt es ein Fallbeispiel, also ein Beispiel von zielführender Aktivität: Zehn beeindruckende Fälle von der Änderung der Abtreibungsgesetze in England in 2017 bis hin zur Bewegung „Black Lives Matter“, die sich seit 2011 auf die ganze Welt ausdehnte, werden vorgestellt. Immer wieder wird auf Menschen verwiesen, die durch ihren Widerspruchsgeist große Veränderungen anstießen, Helen Keller und Rosa Parks seien hier als Namen genannt.

Wichtig sind aber auch grundsätzliche Dinge, die in diesem Buch stehen: „Stoße niemals Drohungen aus und wende Gewalt an.“ ist eines davon. Und ein weiteres „Selbstfürsorge beginnt und endet mit dir …“

Huck / Michael Segalov: „Widerstand! Handbuch für Aktivisten“, Laurence King Verlag, € 18,00, 978-3-96244-023-7

„Einfach genial.“

Das ist Volker Weidermanns Urteil über „Die Tagesordnung“. „Vuillard zeigt, wozu Literatur in ihren großen Momenten fähig ist: blitzhafte Verwandlung träger, alter, viel zu oft erzählter Geschichte in schockierende Neuigkeiten.“, formuliert Weidermann weiter. Ich stimme dem vollkommen zu, möchte aber unbedingt ergänzen, dass dieses Buch eben nicht nur große Literatur ist (Vuillard hat dafür den wichtigsten französischen Literaturpreis gewonnen, den Prix Goncourt), sondern auch in einer absolut faszinierenden und faszinierend lesbaren Sprache verfasst.

Und dabei ist das Thema nun wirklich vielbeschrieben: Es geht um die Jahre 1933 bis 1938, um die Wahl Adolf Hitlers und die folgenden fünf Jahre politischen Geschehens – auch in allen Schulen großes Thema im Geschichtsunterricht. Vuillard schreibt in kleinen Kapiteln, die immer ein anderes, konkretes Thema haben. Beginnend mit der Finanzierung des Wahlkampf durch die „großen“ Männer der Wirtschaft in 1933 und endend mit dem Tod vieler Österreicher direkt nach dem Beitritt zum deutschen Reich im Jahr 1938. Allerdings gibt es eine Art Nachtrag, der wiederum auf das erste Kapitel und die menschenverachtenden Wirtschaftsvorgänge der Regierungsjahre Adolf Hitlers zurückgreift. Dieser Nachtrag ist ein Grund mehr, nicht darauf zu vertrauen, dass die Hitlerzeit keine Schatten mehr wirft …

„Die Tagesordnung“ ist ziemlich schmales und dabei sehr großes Buch!
 
Éric Vuillard: „Die Tagesordnung“, Verlag Matthes & Seitz, € 18,00, 978-3-957575-76-0

Anders

Schon als Kind war Charles Rennie Macintosh anders als seine Geschwister und Alterskameraden – wenn diese rennen und spielen wollten, suchte er versteckte Ecken. Ein Fußballspiel war kein schönes Erlebnis für ihn, sondern Grund für eine wirkliche Krise. Und die Besuche im väterlichen Garten dienten nicht der Muße oder der Gärtnerei, sondern dem leidenschaftlichen Zeichnen von Blumen. Nach dem Besuch der Glasgow School of Art und einem Studium der Architektur nutzte Macintosh seine Fähigkeiten dazu, die prägenden Strukturen alter schottischer Architektur ins Ende des 19ten Jahrhundert zu überführen und stand wiederum fast alleine da, denn die anderen Architekten bauten im Stile des europäischen Kontinents … Und doch ist es gerade Charles Rennie Macintosh, der prägende Architektur, wunderschöne, wohnliche Möbel und faszinierende Gemälde schuf – im Grunde ist seine Kunst die schottische Antwort auf den Jugendstil.
Karen Grol hat einen hochinteressanten, lesenswerten Roman über den schottischen Ausnahmekünstler, der von seinen Freunden Tosh genannt wurde, und seine Zeit geschrieben. Ihr Tosh ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, voller Gefühle und Unsicherheiten, mit klarem Blick für Formen und Nutzungen, ein wirklicher Allrounder ohne gesellschaftliche Anerkennung. Aber auch ein Liebender, ein Starrkopf und ein zuverlässiger Freund, der Dinge, die ihm wichtig waren, nie aus dem Auge verlor.

Karen Grol: „Mackintoshs Atem“, Verlag Stories & Friends, € 22,00, 978-3-942181-87-7

Familiengeschichte

Simon Havlicek steht mit beiden Beinen im Familienleben. Nach Tochter Leas Geburt hatte er das Familieneinkommen verdient, seit Lilly auf der Welt ist, kümmert er sich um Kinder und Haushalt. An einem dieser Tage, an dem noch das Frühstücksgeschirr auf der Spüle steht, wenn fürs Abendessen eingedeckt werden muss, einem dieser Tage, die einen vollkommen erschöpft zurücklassen, kommt ein Brief vom Sozialamt – von ihm werden fast 700 € Zuschuss zur Pflege des Vaters verlangt. Dabei hat Simon diesen „Vater“ nur dreimal gesehen, bisher kein Wort mit ihm gewechselt und seine Kleinfamilie hat sowieso kein Geld übrig, wo doch das Haus abbezahlt werden muss. Nach einem irritierenden Gespräch mit dem Sachbearbeiter des Sozialamts macht Simon sich auf den Weg ins Pflegeheim …

Das Cover wirkt ein wenig altbacken und auch mit dem Klappentext gewinnt man nur bedingt Leser (finden wir). Dabei ist das wirklich, wirklich schade! Stephan Bartels schreibt überaus lebhaft und ausgesprochen witzig  - und sein Buch ist trotzdem alles andere als belanglos. Verpackt in Simon Havliceks Geschichte (lesen Sie unbedingt auch „Dicke Freunde“!) schreibt er über große Themen der Zeit, über Familie, Sterbehilfe, Pflege, Zusammenhalt und Freundschaft. Und eine kleine, beeindruckende Rahmengeschichte über den Prager Frühling gibt’s obenauf.

Stephan Bartels: „Vatertage“, Heyne Verlag, € 12,99, eBook € 9,99, 978-3-453-43898-9   

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