Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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Lieblinge des Monats November.
Mutig

Peter Shaw ist Versicherungsdetektiv in L.A. Gerade hat er einen Fall abgeschlossen, da fällt ihm schon der nächste in die Hände – in seiner alten Heimatstadt Rocky Beach: Terry Reinhardt, Besitzer einer Waldhütte hatte die Versicherungssumme deutlich erhöht, und das einen Tag bevor sie einem Waldbrand zum Opfer fiel. Dort angekommen besichtigen Shaw und Reinhardt die Ruine und anschließend lässt Shaw sich zum Polizeirevier bringen. Das Gespräch mit den Polizisten wirft mehr Fragen auf, als es Antworten gibt. Bob Andrews hingegen reist nach Rocky Beach, weil er für eine neue Fernsehserie recherchieren will, die ihm besonders am Herzen liegt. Er braucht noch gute Argumente, denn bisher findet sich niemand, der sie produzieren will. Als die beiden aufeinandertreffen, ist der alte Sportsgeist bald geweckt. Nur Justus Jonas, der nie aus der kleinen Stadt herausgekommen ist, ist alles andere als zugeneigt mit den beiden anderen aktiv zu werden. Auch nicht, als es zwei Tote gibt …   

Die drei ??? sind absoluter Kult. Sowohl bei den 8-jährigen, als auch bei den 40-jährigen - was sicherlich sowohl am Setting als auch an den Fragezeichen selbst und natürlich dem Heile-Welt-Appeal liegt. Man weiß einfach immer, worauf man sich einlässt. Die Graphic Novel „Rocky Beach – Eine Interpretation“ geht völlig andere Wege: Die drei sind erwachsen geworden und haben sich komplett entfremdet. Rocky Beach erinnert, mit den Gewaltszenen und der Drogenkriminalität, eher an Gotham City. Allerdings hat auch das, für erwachsene Leser*innen, einen enormen Reiz!

Christopher Tauber / Hanna Wenzel: „Rocky Beach – Eine Interpretation“, Kosmos Verlag, 978-3-440-16562-1, € 25,00
Faszinierender Reihenanfang …

Rabbi David Small ist in seiner Gemeinde nicht unumstritten – ist er doch reichlich jung und stellt einfach nichts „dar“. Außerdem ist er von der Sorte leicht schusseliger Gelehrter: Es kann passieren, dass er beim Gemeindefest statt eine freundliche Begrüßungsrede einen Vortrag über koscheres Essen hält, nur weil ein nicht-koscherer Krabbencocktail auf dem Buffet steht. Manchmal ist es ja ganz hilfreich, dass er auch im echten Leben den Talmud zu Rate zieht. Aber ist er wirklich verlässlich? Oder doch eher überfordert? Die Gemeinde ist uneins. Besonders als auf dem Parkplatz der Synagoge ein Dienstmädchen tot aufgefunden wird und dessen Tasche sich in Rabbi Smalls Auto findet …

Harry Kemelmanns Reihe um Rabbi Small hat fast sechst Jahrzehnte „auf dem Buckel“. Das merkt man dem Plot durchaus an; das Kleinstadtleben ist ein anderes als heutzutage und der Erzählfluss von altmodischem Charme. Lesenswert sind die Bücher trotzdem: Es sind klassische whodunits, bei denen die Detektivarbeit im Vordergrund steht. Neben der Krimihandlung erzählt Kemelmann von jüdischem Gemeinde- und Alltagsleben – das ist reichlich erhellend und rundum interessant. Auch beim zweiten Lesen nach zwanzig Jahren.

Harry Kemelmann: „Am Freitag schlief der Rabbi lang.“, Unionsverlag, Übersetzung Liselotte Julius, 978-3-293-20709-7, € 9,95
So kocht man in Wien!

Als Alice Urbach 1935 ihr zweites Kochbuch veröffentlichte, hatte sie schon ein sehr bewegtes Leben hinter sich: Durch ihre Hochzeit mit dem Arzt Max Urbach war sie aus großbürgerlichen Verhältnissen mitten in ein Leben in relative Armut gerutscht, hatte nach dem Tod des Gatten eine Kochschule eröffnet, mit deren Hilfe sie sich und die beiden Söhne nicht schlecht durchbrachte. Das Kochbuch „So kocht man in Wien!“ sollte ein zweites Standbein werden und gute Ausbildungen für die Söhne sichern. Doch es kam, wie wir alle wissen, ganz anders: Mit dem im Jahr 1938 vollzogenen Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland verlor die Jüdin Alice Urbach alles. Sogar ihr Kochbuch, das fortan unter dem Autorennamen Rudolf Rötsch gedruckt wurde. Bis heute ist von Verlagsseite keine Stellungnahme zu diesem geistigen Diebstahl erfolgt.

Karina Urbach ist die Enkelin der Kochbuchautorin und sie schreibt in „Das Buch Alice“ die Geschichte ihrer Familie von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er Jahre hinein. Sie beschönigt nicht, deutet eher an. Jeder, der sich mit dem Holocaust und jüdischer Geschichte auch nur ein wenig auseinandergesetzt hat, weiß ihre Worte aber mit den entsprechenden – entsetzlichen – Bildern zu füllen. Davon abgesehen, ist die Geschichte der Alice Urbach unglaublich faszinierend und es gelingt der Autorin, tief einzutauchen ins Wien der ersten drei Jahrzehnte, ins England der Kriegszeit und auch in die Arbeit der Geheimdienste. Starke Empfehlung.

Karina Urbach: „Das Buch Alice“, Propyläen Verlag, 978-3-549-10008-0, € 25,00
Drei Generationen

Anastasia – Ana - ist erst zwölf, als sie aus Breslau flüchten müssen, sie, die beiden Geschwister und Mutter Käthe. In Bayern angekommen ist sie es, die Verantwortung für die kleine Familie übernimmt – Käthe ist gefangen in den Ereignissen der letzten Kriegsjahre. Jahrzehnte später ist es Anastasia, die ihre Tochter Lilith dazu überreden möchte, das Kind ihrer Freundin aufzunehmen: Kinder sind das wichtigste im Leben, sagt sie. Doch wie kann sich Lilith sicher sein, wo sie selbst sich doch nie als wichtig im Leben der Mutter gefühlt hatte? Lilith, die im Augenblick lebt, weil alles davor und danach schwer zu ertragen ist? Kurzentschlossen nimmt Ana sie mit auf eine schmerzhafte, erhellende Reise nach Breslau.

„Nebelkinder“, das sind die Kinder der Kriegskinder. In Friedenszeiten großgeworden, jedoch mit einem diffusen Gefühl von „da ist irgendwas“, welches genährt wird durch die Sprachlosigkeit der Eltern- und Großelterngeneration. Stefanie Gregg beschreibt in ihrem emotionalen Roman unterschiedliche Lebensentwürfe, die so miteinander verwoben sind, dass sich für alle drei viel verändert, wenn erst einmal der Faden der Wahrheit aufgegriffen wird. „Nebelkinder“ sind, auf die ein oder andere Weise, übrigens sehr viele von uns …

Stefanie Gregg: „Nebelkinder“, Aufbau Verlag, 978-3-7466-3592-7, € 12,00
Einmal ums Ijsellmeer

Von allen Menschen, die sie kennt, weint sie selbst am wenigsten. Aber jetzt muss Atlanta echt die Zähne zusammenbeißen, aus voller Fahrt vom Rad zu stürzen, das ist nicht ohne. Und dass der Junge, der sie zu Fall gebracht hat, jetzt auch noch blöd fragt, ob sie sich wehgetan hat, das ist doch wohl die Höhe. Sie jedenfalls braucht sein Mitleid nicht. Es reicht schon, dass sie der ganzen Schule leidtut! Genau deswegen fährt sie ja diese Tour, 133 km an einem Tag und einer Nacht, um zu zeigen, was sie alles kann. Trotz der Krankheit ihrer Mutter. Finley hingegen will einfach nur weg. Und hat nur die beiden Haifischzähne mitgenommen, die seine Mutter ihm in guten Zeiten als Talisman geschenkt hat. Notgedrungen fahren sie zusammen – man kann keine so lange Strecke in die gleiche Richtung fahren, ohne sich zusammenzuraufen. Auch wenn man sich eigentlich ziemlich blöd findet …

Die beiden haben jeder kein kleines Päckchen zu tragen. Und sie sind beide keineswegs nur arm dran oder nur nett. Gerade das macht Anna Woltz‘ Buch so besonders, Atlanta und Finley sind eigentlich ganz normal Kinder, denen „nur“ ziemlich unnormale Sachen zugestoßen sind. Wie gut das Miteinander tun kann, das lernen die beiden bei ihrer ungewöhnlichen Reise – auch wenn danach trotzdem nicht alles gut ist. „Haifischzähne“ ist ein großartiges und feines Buch für Menschen ab 10 Jahren.

Anna Woltz: „Haifischzähne“, Carlsen Verlag, Übersetzung Andrea Kluitmann, 978-3-551-55515-1, € 10,00


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