Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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Lieblinge des Monats Juni.
Zwei Welten

Wenn Elijah Baley weniger pflichtbewusst wäre, hätte er diesen Auftrag abgelehnt, auch, wenn das seiner Familie nicht gut bekommen wäre, aber verständlich wäre es gewesen! Immerhin soll er auf dem weit entfernten Planeten Solaria einen Mord aufklären, und das bedeutet, dass er mit den Spacern zu tun haben wird. Und vermutlich auch mit Himmel und Natur in Kontakt kommt – und das macht ihm Angst. Denn die Menschen der Erde leben in großen, unterirdischen, bienenkorbartigen Cities und selbst wenn es nötig ist, zu fliegen, ist kein „außen“ sichtbar. Pflichtbewusst geht Baley trotzdem nach Solaria und dort gibt es immerhin einen Lichtblick: R. Daneel Olivaw, der ihm schon bei Ermittlungen auf der Erde zur Seite stand, ist auch hier mit dabei. Es wäre nur besser, niemand auf Solaria erführe, dass Olivaw eigentlich ein Roboter ist!

Isaac Asimov ist mitnichten ein Geheimtipp: Der Wissenschaftler und Science-Fiction-Autor war in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts eine der Größen des Genres. Und auch über 60 Jahre nach der Erstauflage ist „Die nackte Sonne“ ein grandioses Buch. Asimov gelingt es, eine klassische Krimihandlung (Mord in einem geschlossenen Raum, weder Motiv noch Waffe erkennbar) in fremde Welten zu versetzen und tatsächlich beidem, dem Krimi und der SF, gerecht zu werden. Und seine klugen Darstellungen menschlicher Verhaltensweisen und soziologischer Zusammenhänge kommen „on top“. Für Leser*innen des Genres ein Muss. Und für alle anderen Leser*innen eigentlich auch.

Isaac Asimov: „Die nackte Sonne“, Übersetzung: Heinz Nagel, Heyne Verlag, 978-3-453-52844-4, € 8,99, eBook € 9,99  

Sommer auf Capri

Enrico Rizzi ist zufrieden mit seinem Leben. Den Aufgaben eines Inselpolizisten, Diebstahl und anderen kleineren Delikten, fühlt er sich gut gewachsen, daneben bleibt viel Zeit für den großen Garten seiner Eltern und seine Vorliebe für ökologisches Bewirtschaften – und auch mit seiner Freundin und deren Tochter verbringt er gute Zeiten.  Das ändert sich schlagartig, als er zu einem Toten gerufen wird: Jack Milani war der Spross einer wohlhabenden Familie aus Bergamo und auf Capri wohlbekannt – in diesem Jahr war er allerdings nur mit Freundin Sofia da und nicht mit der ganzen Sippe. Sofia ist nicht auffindbar. Aber ist sie auch eine Mörderin? Rizzis Untersuchungen kommen oft genug den Ermittlern aus Neapel in die Quere und die neue Kollegin, Antonia Cirillo, ist viel zu sehr mit sich beschäftigt …    

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Mögen Sie jetzt Bücher lesen, die in Urlaubsregionen spielen, um sich dorthin zu versetzen? Oder gerade nicht, weil die Sehnsucht dann zu groß wird? Für die Leser*innen der zweiten Kategorie ist dieser interessante Kriminalroman jedenfalls nichts. Denn Capri und das Leben dort wird so bildhaft beschrieben, dass man am liebsten gleich hinfahren möchte. (Wie es mit Rizzi, seiner Freundin Gina und der strafversetzten Antonia Cirillo weitergeht, möchte man übrigens auch wissen. Da muss man allerdings ein bisschen abwarten.)

Luca Ventura: „Mitten im August“, Diogenes Verlag, 978-3-257-30076-5, € 16,00, eBook € 13,99
Liebesbomben?

Madame Nan – so wird Marie Anne Nanon in Bois-de-Val gerufen, einem kleinen Dorf im Elsass, und das schon seit vielen Jahrzehnten. Nur ihre vier Töchter sagen Momma, mal liebevoll, mal genervt, wie das so ist. Am Tag vor ihrem 93. Geburtstag erinnert sie sich an die Zeit vor vierzig Jahren, als die beiden Ältesten gerade erwachsen waren und Coraline, die Jüngste, erst zehn Jahre. An das Jahr, in dem Monsieur Boberschram ihr seinen Laden vermachte, weil Malou, ihr Schwiegersohn in spe einen Raub verhindert hatte. Daran, wie sie den Laden auf Vordermann brachten. Und wie Marie und Malou einen neuen Geschäftszweig entdeckten: Kugeln aus Erde und Kräutern, die die Liebe entfachen können …

Ich hatte die Händlerkolleg*innen gefragt, ob sie mir einen unpeinlichen Liebesroman empfehlen können. Nicht zu schnulzig, nicht zu platt, manchmal witzig. Und wenn „Stellen“ drin sind, die bitte nicht explizit. Was soll ich sagen: Dieses Buch ist genauso – sprachlich hübsch, mit interessantem Hintergrund und humorvollen Szenen, einer leichten Drehung ins Fantastische und ab und an Gejauchze. Zum Abtauchen sehr gut geeignet.

Claire Stihlé: „Wie uns die Liebe fand“, Droemer Verlag, 978-3-426-30740-3, € 14,99, eBook € 12,99

… für sich allein

„Aber, werden Sie sagen, wir haben Sie gebeten, über Frauen und Literatur zu sprechen – was hat das mit einem Zimmer zu tun, das man für sich alleine hat? Ich werde versuchen, es Ihnen zu erklären.“ Virginia Woolf wurde im Jahr 1928 gebeten, zwei Literaturvorträge in Cambridge zu halten. Später hat sie daraus einen Essay gemacht, der 1929 veröffentlicht wurde – dabei waren es im Grunde keine Vorträge über Frauen und Literatur, wie es gewünscht war. Sondern es waren Beiträge darüber, warum Frauen als Schriftstellerinnen nicht den Raum einnehmen, der ihnen eigentlich zusteht, „Ein Zimmer für sich allein“ ist ein funkelnder, reichhaltiger Beitrag zum Feminismus. Virginia Woolf schreibt nie vorwurfsvoll. Ihre Sätze sezieren den Status Quo, ohne sich selbst in die Opferrolle zu begeben.

Das Lesen von Woolfs Text ist einerseits eine große Freude, ihre Sprache beeindruckend, leicht und eigenständig, gehaltvoll sowieso. Andererseits, auch im Hinblick auf Corona und die Auswirkungen auf Frauen, auch im Hinblick auf die Care-Arbeit, die nach wie vor hauptsächlich von Frauen geleistet wird (ich verweise noch einmal auf „Equal Care“ von Schnerring / Verlan), ist er genau das, was jetzt zu lesen ansteht. Die Neuübersetzung von Antje Rávik Strubel, der wir auch ein informatives Nachwort zu verdanken haben, ist übrigens tatsächlich eine einzige Freude.

Virginia Woolf: „Ein Zimmer für sich allein“, Gatsby im Kampa Verlag, ISBN 978-3-311-22003-9, € 24,00,  eBook € 18,99, ab Juli 2020 als TB € 12,00

Alles anders

Die Grinsinger hat ihren üblichen fiesen Grinseblick drauf, als sie in Minas Klasse kommt. Sie wedelt mit dem letzten Ex (ein Ex ist ein aus dem Hinterhalt kommender, nicht angekündigter Spontantest, der den Stoff der letzten Stunde abfragt) und somit ist klar: Den hat die Klasse gründlich versemmelt. Doch bevor Frau Griesinger, wie sie eigentlich heißt, den Test austeilen kann, kommt die Lieblingslehrerin mit einer willkommenen Unterbrechung – sie möchte Minas Klasse zum diesjährigen Wettbewerb im „Weltverbessern“ einladen. Ein echt bescheuertes Thema. Oder doch nicht?

Die Zutaten klingen ein bisschen bieder: Schreckliche Lehrerin, Problemklasse ohne Zusammengehörigkeitsgefühl, Schulwettbewerb im "Weltverbessern", ein Altenheim, eine Liebesgeschichte. Und eine altkluge Erzählerin, der man nicht abnimmt, dass sie in der 7. Klasse ist - sie klingt älter. Tatsächlich ist das Buch richtig klasse! Zum einen, weil die Autorin ihre biederen Ideen mit Humor und Ironie abfedert, zum anderen weil sie die Erzählerin zur wirklich saucoolen Socke macht, die auch noch spielerisch-lustig mit Sprache umgeht. Hab' ich an einem Abend mit großem Genuss verspeist.

Stepha Quitterer: „Weltverbessern für Anfänger“, Gerstenberg Verlag, 978-3-8369-6024-3, € 16,00

Aber doch

„Meine Tante, die Schwester meiner Mutter, ist komisch. Das merkt man daran, dass sie immer eine Mütze auf dem Kopf hat – auch in der Wohnung. Aber das Eigenartigste ist die Puppe aus Stoffresten, die sie für Nico, meinen kleinen Bruder, zum Geburtstag gemacht hat. Und dann war noch etwas merkwürdig: Nico war be-geis-tert von dem Geschenk. ‚Ich werde dich Mimi nennen!‘“

Außer Nico ist niemand in der Familie wirklich glücklich mit Mimi – der große Bruder nicht, die Mutter nicht und der Vater schon gar nicht. Erst recht nicht, als Nico Mimi mit in die Schule nehmen will. Nur Vaters Überredungskünste helfen da und sein Versprechen, am Abend ein neues Spielzeug für Nico zu kaufen. Aber den Puppenwagen will er dann doch nicht bezahlen! Stattdessen kauft er einen Werkzeugkasten. Ob das gut geht?
Ludovic Flamant erzählt die Geschichte von Nico und Mimi ziemlich unspektakulär, einfach so, wie sie passiert sein könnte. Ohne Zeigefinger, ohne Schuldzuweisung – aber mit versöhnlichem Ende, das die Kinder selbst herbeiführen. Jean-Luc Engleberts Illustrationen dazu sind zart und aussagekräftig, jeder Strich an der richtigen Stelle. Eigentlich ein Buch, dass mindestens in jeden Kindergarten gehört, besser in jeden Bilderbuchschrank.

Ludovic Flamant / Jean-Luc Engelbert: „Puppen sind doch nichts für Jungen!“, Übersetzung Alexander Potyka, Picus Verlag, 978-3-85452-197-6, € 15,00

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