Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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Lieblinge des Monats September.
Bauernhof I

Auguste ist 63 Jahre und fest verwurzelt auf ihrem Bauernhof in Bayern. Sie bewirtschaftet ihn alleine, mit reichlich Sachverstand und Hingabe zu Tieren und Umwelt. Doch leider – ohne finanziellen Erfolg. So kommt es, dass ihr ein Mahnschreiben der Hausbank mindestens genauso zusetzt, wie der Großbauer, der aggressiv immer wieder Angebote für die Übernahme des Hofs macht. Und irgendwie häufen sich auch die Dramen, erst spielt jemand der Katze übel mit, dann ist der Hahn am Milchtank offen und die ganze Milch fließt über den Hof. Als ihr aus heiterem Himmel der Begriff „Gummistiefelyoga“ einfällt und es dann auch noch einen indischen Neupfarrer im Dorf gibt, Indien, das Land des Yoga und des Glücks, wertet sie das als Zeichen und beschließt, auf dem Hof Auszeitwochen anzubieten …

Klamaukig aber auch dramatisch, dazu ein wenig hintergründig. Und eindeutig sehr viel mehr Gummistiefel als Yoga – Felix Tanner hat mit „Gummistiefelyoga“ einen Roman geschrieben, der in ganz andere Welten entführt, gut unterhält und dabei durchaus Szenen hat, über die man ein bisschen länger nachdenken kann. Und das ist nicht nur was für die Urlaubszeit.

Felix Tanner: „Gummistiefelyoga“, Piper Verlag, 978-3-492-31564-7, € 10,00, eBook € 8,99

Bauernhof II

Sie sind ein eingespieltes Team auf dem Hof in tausend Metern Höhe mitten im Nirgendwo. Paul bewirtschaftet die Felder, seine Schwester Nicole versorgt den Haushalt, die beiden Onkel den Garten. Alle zusammen kümmern sie sich um das Vieh. So kommen sie gerade über die Runden. Aber Paul weiß sehr genau, dass er nicht so enden will wie die Onkel und fast alle Bauern im Dorf, grummelig, mit chaotischem Haushalt und erhöhtem Bierkonsum. Also gibt er eine Annonce auf: „Landwirt, sanft, sechsundvierzig, sucht junge Frau, die das Land liebt.“ Ob Annette das Land wirklich liebt, das weiß sie nicht. Aber sie weiß sehr genau, dass sie raus muss aus ihrem alten Leben, wegen sich und auch wegen Èric, ihrem elfjährigen Sohn. Und so trifft man sich, zwei Mal, und dann zieht Annette zu Paul in die Wohnung über dem Stall. Sie will ankommen dort, heimisch werden. Doch ob allein der Wille hilft?

Dies ist ein außergewöhnliches Buch. Sehr zurückhaltend erzählt, in eigenwilligen Sprachmustern, die die Beschreibungen greifbarer machen. Marie-Hélène Lafon hat viel Herz für ihr Personal, allen voran für Paul, Annette und Éric, die sich willig - aber mühsam - zusammenruckeln, aber auch für Nicole und die beiden Onkel, die nun gerade keine Sympathieträger sind. „Die Annonce“ ist ein großer Roman auf wenigen Seiten.

Marie-Hélène Lafon: „Die Annonce“, Übersetzung: Andrea Spingler, Rotpunktverlag, 978-3-85869-888-9, € 22,00, eBook, € 17,99

Wie neu

Es sind eher die ruhigeren Typen, die hier zu Wort kommen. Diejenigen, die sich ihrer Haut wehren müssen und das eigentlich gar nicht möchten. Oder die loyal sind, obwohl die Situation eher an Aufbruch gemahnt. Viel Schwimmbad kommt vor, besonders Sprungtürme, und immer wieder Fußball. Fotografien vergangenen Lebens, Menschen mit Geschichten, die schon lange nicht mehr zählen, alte Muster und die Schnittstelle zwischen Jung und Alt. Aber vor allem: Egal was in diesen Kurzgeschichten passiert, wir Leser*innen haben stets eine sehr klare Vorstellung vom Innenleben der Personen. Denn der Autor Ralf Schwob kennt seine Charaktere sehr genau und vermag es, deren Gefühle darzustellen, ohne viele Worte zu verlieren.

„Erste Schritte, letzte Wege“, so heißt der Erzählungsband, den die Gesellschaft Hessischer Literaturfreunde gerade herausgegeben hat. Darin versammelt sind Erstveröffentlichungen, bereits erschienene Geschichten, preisgekrönte Kurzprosa des Groß-Gerauer Autors Ralf Schwob. Es sind Texte, die uns Leser*innen teilhaben lassen am Erwachsenwerden und an großen Lebensumbrüchen – sie hallen lange nach.

Ralf Schwob: „Erste Schritte, letzte Wege“, Justus von Liebig Verlag, 978-3-87390-439-2, 14,80 €


Danke, dass es dich gibt, Tagebuch.

Das ist der erste Eintrag, den Fanny Cloutier in ihrem Tagebuch macht. Und dann beginnt sie zu erzählen. Vom bevorstehenden Wutanfall ihres Vaters, weil sie ein von ihm geliebtes Buch zerschnitten hat – aber die Textzeile „Schreiben bedeutet, lautlos zu schreien“, die brauchte sie einfach fürs Tagebuch! Und überhaupt ist er selbst schuld. Wenn er nicht zum Erfinderwettbewerb nach Japan fahren würde und gleich ein paar Monate wegbleiben und sie diese Zeit in der absoluten Provinz bei der unbekannten Tante verbringen soll, dann müsste Fanny auch kein Tagebuch führen um sich abzureagieren. Aber da er fährt … Nun ja. Schreibt oder zeichnet sie alles, was sie beschäftigt in das schöne rosa Buch mit den dicken Seiten.

„Das Jahr, in dem mein Leben einen Kopfstand machte“ ist ein ganz besonderes Buch für jugendliche Leserinnen. Nicht nur (aber auch), weil die Geschichte spannend und voller Emotionen und Geheimnisse ist. Sondern weil es tatsächlich wie ein Tagebuch daherkommt: Mit unterschiedlich gestalteten Einträgen, vielen Bildern, verschönernden Akzenten und sogar eingeklebten Zusatzseiten. Am Ende weiß Fanny sehr viel genauer, wer sie ist – und das große Familiengeheimnis ist außerdem gelöst.  

Stéphanie Lapointe: „Fanny Cloutier – Das Jahr, in dem mein Leben einen Kopfstand machte“, Illustration: Marianne Ferrer, Übersetzung: Anne Braun, Loewe Verlag, 978-3-7432-0764-6, € 16,95

Außergewöhnlich

Sebi passt nicht wirklich hierher. Nicht auf den Bauernhof, nicht aufs Feld. Er ist zu klein und zu schmächtig, ein Träumer. Die beiden Brüder wissen das, die Mutter auch – doch was soll man machen, er ist noch zu jung fürs Kloster und zumindest fürs eigene Essen muss er schon sorgen. Außerdem hilft er dem Totengräber, auch wenn das offiziell niemand wissen darf. Als ein geheimnisvoller Neuer ins Dorf kommt, Halbbart genannt, weil die eine Hälfte seines Gesichtes nur aus Brandnarben besteht, freundet Sebi sich mit ihm an. Trotz oder gerade weil niemand aus dem Dorf dem Halbbart wirklich traut. Und nach und nach wird aus Sebi ein junger Mann. Der ins Kloster gehen kann – dort aber doch auf keinen Fall bleiben will. Was soll werden?

Bauernhof III hätte zu diesem Buch nicht gepasst. Auch wenn Sebi, der Ich-Erzähler mit dem kindlichen und doch erstaunlich weisen Tonfall, auf einem Bauernhof lebt. Charles Lewinsky hat mit Sebi und dem Halbbart zwei außergewöhnliche Figuren erschaffen, mit deren Hilfe wir einen erstaunlichen und großartigen Einblick ins ausgehende Mittelalter, in Gebräuche und Lebenswirklichkeiten in einem kleinen Dorf in der Schweiz bekommen. Dabei gelingt es Lewinsky, nicht zu romantisieren. Aber auch wenn Kriege, Missgunst, Gewalt und Barbarei benannt und erzählt werden – ein Hauch Magie und viel Menschlichkeit bestimmen den Tonfall. Ein großer Lesegenuss!

Charles Lewinsky: „Der Halbbart“, Diogenes Verlag, 978-3-257-07136-8, € 26,00

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