Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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Lieblinge des Monats November.
Ernst Strouhal & Christoph Winder: Böse Briefe – Eine Geschichte des Drohens und Erpressens

Auf dem Cover ist der Titel folgerichtig mit ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben dargestellt: Sicherlich ist das bei vielen der erste Gedanke, wenn der Begriff „Erpresserbrief“ fällt, diese Darstellung ist als typisches Bild ins kollektive Gedächtnis eingegangen. Dass sie in Wahrheit gar nicht oft vorkommt, was stattdessen Verwendung findet – dem widmet sich das zweite Kapitel des vorliegenden Buches. Voran geht eine Art Einleitung und die anschließenden sechs Kapitel (von 3 Terror durch Sprache bis 8 Über den Umgang mit Gespenstern) beleuchten diese Art Briefe hinsichtlich vieler Aspekte und über Ländergrenzen hinweg. Dabei ist die jeweilige Einordnung klug und gut lesbar, es gibt eine Vielzahl von (kommentierten) Beispielen.

„Böse Briefe“ ist kein erbaulicher Bildband im eigentlichen Sinn. Die abgedruckten Beispiele und die dazugehörigen Geschichten sind teilweise brutal und menschenfeindlich, andere sind sexistisch und ja, einige auch unterhaltsam. Aber: Trotzdem ist es lesenswert und interessant, es ist gerade nicht voyeuristisch, sondern so neutral es eben geht. Die Erkenntnisse daraus ergänzen viel von dem, was ich über Hasspostings im Netz oder auch #meetoo weiß – und das macht das Buch relevanter, als es mir lieb ist. (Wenn es nicht von Verlagsseite her um die Hälfte heruntergesetzt worden wäre, hätte ich es vermutlich weder eingekauft noch gelesen. Ein echter Verlust.)

Brandstädter Verlag, 978-3-7106-0152-1, € 17,99
  
Germán AczeL: Die schönsten Tore aller Zeiten

Ich fang‘ mal mit dem Ende an: TOP irreguläre Tore heißt dieses Kapitel, und es listet genau ein Tor auf - „die Hand Gottes“, das selbst völlig Fußballunwissende kennen. AczeL schreibt dazu: „Mit diesem unübertrefflichen Tor können wir das Kapital ‚Irreguläre Tore‘ so stehen lassen.“ Vorher aber gibt es sieben andere Kapitel, wovon das erste das umfassendste ist. Und dieses beginnt ebenfalls mit einem Tor von Diego Maradona – dem Tor des Jahrhunderts, gefallen am 22. Juni 1986 im WM-Viertelfinale Argentinien gegen England, das mit 2:1 endete. Das Buch listet es jedoch nicht nur auf, sondern es gibt bei allen 221 Toren eine Illustration, der man sowohl Aufstellung als auch Ablauf entnehmen kann. Und alle Tore werden, meist ziemlich launisch, auch kurz erklärt. Oft bleiben (vielleicht auch nur für die Fußballunwissenden …) nach der Erklärung offene Fragen, das Buch öffnet also die Tür in die Recherche.

Und damit kommen wir zu dem Warum. Warum empfehle ausgerechnet ich (eine völlig Fußballunwissende – von Maradona mal abgesehen) ein Buch über Fußball? Das hat zwei Hauptgründe: Zum einen enthält es eine weltweite Auswahl und alles, was ich im Anschluss recherchierte, bestätigte die Korrektheit. Zum anderen ist es ein großartiges Buch für kleine und große Nichtleser*innen. Wegen des Themas, wegen des Humors, aber auch wegen der Zeichnungen. Davon abgesehen bin ich jetzt um einiges schlauer und gut unterhalten wurde ich auch.

Edel Verlag, Illustration: Deluxe, 978-3-98588-020-1, € 19,95
Norbert Klugmann: Bitte parken Sie nicht in unserem Schaufenster

Die Waitzstraße in Hamburg-Othmarschen ist bekannt für ihre Einkaufsmöglichkeiten und die Vielfalt an Kulinarik. Es gibt außerdem unzählige ärztliche Praxen und auch die ein oder andere Anlaufstelle für alternative Heilmethoden. Berühmt ist sie jedoch für etwas ganz anderes - dort passieren mehrmals im Jahr die immer gleichen Unfälle: Eine ältere Person am Steuer eines SUVs verwechselt beim Ausparken Gas und Bremse, es gibt einen kurzen Moment das laute Geräusch eines hochdrehenden Motors, gefolgt von einem noch lauteren „Rumms“ – und besagter SUV steht an einer Wand oder in einem Schaufenster. Bisher ist noch niemand ernsthaft zu Schaden gekommen.

Soweit, so wahr. Norbert Klugmann nimmt diese Realität als Basis und baut daraus eine Geschichte, die es in sich hat! In seinem Roman ist es eine Art Heimatstolz, den die Othmarscher auf ihre Straße samt Unfällen haben. Jeder weiß, warum das passiert, wer verunfallt ist und wie die Familienstruktur sich danach verändert. Aber niemand, wirklich niemand weiß eine Verhinderungsmöglichkeit. Der othmarsche Stolz wird stark angeknackst, als in Poppenbüttel, einem anderen Stadtteil Hamburgs, plötzlich ähnliche Unfälle stattfinden. Professor a.D. Ehrenreich fühlt sich berufen, Othmarschen hervorzuheben – und er neigt zu außergewöhnlichen Ideen …

Norbert Klugmann hat einen sehr genauen Blick auf die Bewohner*innen seines Hamburger Kosmos – und seziert Eigenheiten und Vorgehensweisen mit reichlich Humor. Dabei kommt niemand, wirklich niemand, gut weg, und doch steckt soviel Wohlwollen in den Beschreibungen, dass das überhaupt nicht stört. Dieses Buch ist eine herrliche Posse!

Gmeiner Verlag, 978-3-8392-0237-1, € 14,00
Jo Leevers: Café Leben

Henrietta, Anfang 30, ist selbst ein wenig erstaunt, dass sie diesen Job ergattern kann – irgendetwas in ihrem ungewöhnlichen Bewerbungsgespräch hat Audrey von ihr überzeugt. Ob es ihre Direktheit ist oder das organisatorische Können? Oder vielleicht auch ihr Hang, Gefühlsäußerungen wenig Aufmerksamkeit beizumessen? Ihre Introvertiertheit? Jedenfalls wird sie die nächsten Wochen damit verbringen, die Lebensgeschichten von Menschen aufzuschreiben, die schwer krank sind. Dafür sind sechs bis sieben gemeinsame Sitzungen nötig, und meist soll dies eine Art Vermächtnis an die Nachwelt sein, so zumindest beschreibt es Audrey. Bei Annie, Ende 60 und Henriettas erste Klientin, ist das jedoch anders: Sie will sich gar nicht mit ihrer Vergangenheit befassen und sie hat keine Verwandten mehr und Freunde eigentlich auch nicht. Dass Henrietta ziemlich unbeteiligt guckt, aber fest auf Nennung aller Fakten beharrt, ist gleichzeitig Annies Glück und eingeforderte Anstrengung: Sie muss, um ihr "Lebensbuch" schreiben zu lassen, mit dem frühen Tod ihrer Schwester abschließen. Und Henrietta ist sich sicher, dass das nur geht, wenn sie herausfindet, was damals geschah.

Das ist kein Krimi und es ist auch nicht eines von diesen übergefühligen Büchern, eher im Gegenteil - und doch lebt und fühlt man mit den beiden mit. Immer wieder erinnert sich Annie an die beginnenden 70er Jahre, dieses London-Feeling ist sensationell! Nicht nur schön und interessant, sondern eben auch rassistisch und gefährlich (es ist die Zeit der schrecklichen IRA-Attentate). Eine erstaunliche, faszinierende Mischung: unbedingte Leseempfehlung!

Verlag Droemer, Übersetzung: Maria Hochsieder, 978-3-426-28280-9, € 20,00

Praktikantin Lin empfiehlt - Ursula Poznanski: Aqulia

Die Austausch-Studentin Nika wacht völlig verdreckt und ohne Erinnerungen an die letzten zwei Tage in ihrer Wohnung in Siena auf. Ihr Handy, ihre Schlüssel und ihr Pass sind verschwunden. Ebenso ihre Mitbewohnerin Jenny. Allerdings steckt in ihrer Hosentasche ein Zettel mit einer unverständlichen Nachricht und auf ihrem Badezimmerspiegel steht „Letzte Chance“ geschrieben. Was bedeuten diese Worte? Wo ist Jenny? Und was, verdammt nochmal, ist in den letzten zwei Tagen geschehen? Auf der Suche nach Antworten begibt sich Nika nun auf und unter die Straßen der alten italienischen Stadt. Dass ihr italienisch alles andere als super ist, und dass sie nicht weiß, wem sie sich anvertrauen soll, verkompliziert Alles nur noch mehr. Auch die Polizei, die in all den Wirren dazu kommt, macht das Ganze nicht leichter.

Dieser Thriller der Bestsellerautorin Ursula Poznanski ist ebenso mitreißend wie ihre übrigen Werke. Schon ab der ersten Seite wird man auf die verzweifelte Suche der Protagonistin nach ihren Erinnerungen und Erklärungen für all die seltsamen Geschehnisse mitgenommen. Durch unerwartete und verwirrende Vorfälle bleibt die Spannung bis zum Ende erhalten und lässt einen das Buch nur schwer aus der Hand legen.

Loewe Verlag, 978-3-7432-1214-5, € 9,95

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