Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - BUCHHANDLUNG

Homesymbol
LOGO - Link zur Startseite

Öffnungszeiten: Montag - Freitag von 09:00 Uhr - 12:30 Uhr und von 14:00 Uhr - 18:30 Uhr | Samstag von 09:00 - 13:00 | Telefon: 0 62 58 - 42 42 Fax 0 62 58 - 5 17 77Diese Webseite wird gerade aktualisiert - nach 15 Jahren und hunderten Terminen und weit über tausend Buchbesprechungen wird es mal Zeit -vielen Dank!                                    

Vorteils-LOGO - Link zur den Messengermethoden
Kopfzeilesymbole
Newsletter     Hilfe        tolino Webreader         Öffnungszeiten          Wunschliste           Login / Mein Konto
Stickyhomesymbol
Direkt zum Seiteninhalt
Lieblinge
Lieblinge des Monats Juni.
Das Falsche tun, um das Richtige zu erreichen?

Hans ist noch in der Grundschule, als sein Vater ihn zum Boxtraining anmeldet – als Außenseiter muss er sowohl lernen, seine Energie zu bündeln, als auch, sich rechtzeitig zu wehren. Nach dem frühen Tod der Eltern schickt ihn seine einzige Verwandte ins Internat, sie schreibt ihm fast keine Briefe und so verbringt er seine Zeit mit Büchern und heimlichem Boxtraining mit Pater Gerald. Umso überraschter ist Hans, als sie kurz vor dem Abitur zu ihm kommt und ihm vorschlägt, anschließend in Cambridge zu studieren. Nicht um einen besonders guten Start ins Arbeitsleben zu haben, sondern um Ermittlungen im Pitt-Club, einem besonderen Club für boxende, elitäre Studenten anzustellen. Es überrascht ihn selbst, dass er sich wirklich auf den Weg nach England macht …

Takis Würger hat ein grandioses Buch über Machtstrukturen und Wahrnehmung geschrieben, über Gut und Böse und alle Grautöne dazwischen. Sein schmaler Roman hallt noch lange nach, auch weil sich erst sehr langsam abzeichnet, für was der Club steht.

Takis Würger: „Der Club“, Kein & Aber, 978-3-03-695972-6, € 12,00, eBook

Mit Gift zum Glück

Es war eine Liebesheirat. Auch im Rückblick sieht Irene das so – auch wenn sich das Leben miteinander dann irgendwie anders entwickelt hat. Nicht hin zum großen Glück, sondern eher hin zum regelmäßigen Unglück. Dabei ist Horst, ihr Ehemann, gar nicht übel, er findet nur einfach seine eigene Meinung und seine Bedürfnisse sehr viel wichtiger als die von Irene. Eines Abends stehen plötzlich statt ihrer geliebten Bücher (zugegeben, sie lagerten schon länger in Kisten und waren nicht wegsortiert) Zementsäcke im Keller, das ist der berühmte letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Als Irene zufällig Blei findet, wird sie zur Chemikerin: „Die Ehe ist ein Krieg. Ist es da nicht logisch, dass sie auch so endet wie alle Kriege? Einer stirbt!“

Mit viel schwarzem Humor und reichlich Fatalismus lässt Sara Paborn ihre Protagonistin über die letzten Monate ihrer Ehe berichten und in Rückblicken auch über das ganze gemeinsame Leben. Das ist zutiefst unterhaltsam zu lesen, weil Irene auch sich selbst auf die Schippe nimmt und darüber hinaus viele kleine Weisheiten und Zitate eingestreut sind, nie aufdringlich, aber immer erhellend. Dieses Buch ist köstlich!

Sara Paborn: „Beim Morden bitte langsam vorgehen“, DVA, 978-3-421-04802-8, € 18,00, eBook € 13,99

Georgien

Im Oktober ist wieder Frankfurter Buchmesse und in diesem Jahr ist Georgien das Gastland. Wir nutzen das immer gerne, um mehr über Land, Leute und Literatur zu erfahren; rund ums Gastland gibt es immer eine Vielzahl Neuübersetzungen und damit Originalstimmen. Da schreiben keine Reisenden über ein Land, in dem sie ein wenig Zeit verbrachten, sondern Menschen, die dort leben (oder lebten) schildern ihren Alltag. Zum Teil mystisch verbrämt, zum Teil sehr realistisch, oft mit viel Humor und Liebe, meist mit großem Feingefühl für die Mitmenschen.

Einen guten Einblick in georgische Literatur von Frauen gibt die edition fünf mit „Bittere Bonbons – Georgische Geschichten“. Ein Großteil der Texte ist extra für dieses Buch ins Deutsche übertragen worden, es sind jeweils Ausschnitte aus Romanen – aber sie lassen sich auf Grund ihrer Eigenständigkeit auch als Kurzgeschichten lesen. Man merkt ihnen an, wie schwierig das Leben in Georgien sein kann, aber auch mit welcher Freude viele Menschen in diesem Land an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien leben. Gehen wir gemeinsam auf Entdeckungsreise!

„Bittere Bonbons – Georgische Geschichten“, edition fünf, 978-3-942374-93-4, € 22,00

Ein kluges Buch zur rechten Zeit.

Zur rechten Zeit kommt das Buch, weil Begriffe wie Heimat, Leitkultur und Nation in Deutschland derzeit wieder kontrovers diskutiert werden. Ein kluges Buch ist es, weil die Autorin sich klar zwischen den rechten und linken Einlassungen zu diesen Themen positioniert. Sie wendet sich gegen die Ansicht, dass eine deutsche Kultur jenseits der Sprache nicht identifizierbar sei (Aydan Özoguz) und gleichermaßen gegen die Aufforderung Alexander Gaulands, Menschen mit dieser Ansicht in Anatolien zu entsorgen. Sie benennt die grotesken Auswüchse der linken Political Correctness genauso wie die dummdreisten Parolen der Identitären Bewegung.

Viel wichtiger aber ist, dass sie durch die Darstellung der deutschen Geschichte seit 1800 verständlich macht, warum wir uns mit Begriffen wie Nation, Heimat und (Leit-)Kultur bis heute so schwertun. Warum es in keinem anderen Land als Deutschland eine Kluft zwischen Kultur und Politik gibt, die seit über 200 Jahren immer wieder aufbricht, ist für Leser mit Interesse an der deutschen und europäischen Geistesgeschichte spannend und zuweilen auch witzig zu lesen.

Thea Dorns Buch ist ein scharfsinniges und flammendes Plädoyer dafür, Themenbereiche wie Heimat, Nation und Kultur nicht den Rechten zu überlassen. Und ebenso ein Plädoyer gegen die zeitgenössische Verwässerung dieser Begriffe.

Thea Dorn: „deutsch, nicht dumpf. Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten“, Verlag Knaus, 978-3-8135-0810-9, HC €24,00. Ebook €19,99.

Eine Welt voller Sprache und Kunst

„Für mich sind Zeichnen und Schreiben eng miteinander verbunden. Ein Wort kann wie ein Bild komplexe Gedanken und Emotionen ganz einfach ausdrücken. Man denke nur an das Wort ‚Liebe‘ oder an die Zeichnung eines lächelnden Gesichts. Die Fähigkeit, Bilder und Wörter zu verstehen, ist das Tor zu Wissen und Kommunikation und kann uns mit Menschen auf der ganzen Welt verbinden.“

So steht es im Vorwort dieses wunderbaren Buches, das Sprache und Zeichnungen für große und kleine Menschen aufs Feinste zusammenbringt. Christoph Niemann, mit seinen Illustrationen und Graphiken auf der ganzen Welt bekannt und über viel Jahre Mitarbeiter beim „New Yorker“, versteht es, mit wenigen Strichen sehr aussagekräftige Bilder zu zeichnen und auch die Wörter sind sehr sparsam gewählt. Meine Lieblinge ist übrigens „neu“, „Schein“, „oft“, „später“ und „das“ – sie zeigen sein Können und seinen verschmitzten Humor besonders deutlich, finde ich.

Christoph Niemann: „Wörter“, Diogenes Verlag, 978-3-257-02158-5, € 22,00


Zurück zum Seiteninhalt