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unsere Bilderbuch-Lieblinge in 2017:



Ein Klassiker

„Das Vier-Farben-Land ist rund wie ein Pfannkuchen. Und es besteht aus vier verschiedenen Vierteln. In einem Viertel ist alles GRÜN: die Häuser, die Straßen, die Autos, die Telefone, die Erwachsenen und auch die Kinder.“ In den andern Vierteln ist alles gelb, rot oder blau. „Wenn die Kinder geboren werden, sind sie bunt. Im ganzen Land ist das so. Aber die Erwachsenen streicheln sie mit ihren grünen, roten, gelben und blauen Händen bis auch die Kinder nur noch eine Farbe haben.“

Dass die Menschen verschiedener Hautfarbe es schwer haben, miteinander umzugehen, das kann man sich ja vorstellen. Besonders, wenn man weiß, dass in jedem Land ständig über die eigene Farbe und das Gute daran gesprochen wird. Bis Erbs, ein grünes Kind, die Regeln bricht …

Dieser Bilderbuchklassiker erzählt eindrücklich, dass das Ausschließen „fremder Farben“ – hier sind es rot, gelb, blau, es könnten aber genauso andere Hautfarben sein – das Leben enger macht. Ganz nebenbei beschreibt es aber auch die Wirkung von Propaganda und dass man dieser auch etwas entgegenzusetzen vermag. Der Text der Autorin Gina Ruck-Pauquèts ist leichtfüßig, Sonja Gagels Illustrationen vielfältig und deutlich ohne zu ängstigen: „Das Vier-Farben-Land“ ist gleichermaßen wichtig wie rundum gelungen.

Gina Ruck-Pauquèt / Sonja Gagel: „Das Vier-Farben-Land“, klein & groß Verlag, € 14,95

Eine Freundschaftsgeschichte

Dass Drachen Ritter zur Lieblingsspeise haben, ist allgemein bekannt. Dass Jungdrachen irgendwann das erste Mal alleine jagen müssen, anzunehmen. Und dass man keine Rüstung tragen sollte, wenn man ins Wasser geht, ist absolut wichtig. Elli Woollard und Benji Davies haben ein herrlich illustriertes und wunderbar gereimtes Bilderbuch gemacht, das den genannten Thesen entspricht – und doch ziemlich überraschend ist:
 
Der Drache Theo stürzt bei seinem ersten Flug ab und Konrad legt selbstverständlich die Rüstung ab, um Theo zu retten. Nur merkt er gar nicht, dass Theo ein Drache ist! Theo wiederum erkennt in dem Jungen ohne Rüstung keinen Ritter. So verbringen sie also ein wenig Zeit miteinander, denn Theo hat sich beim Absturz verletzt und vor lauter Aufregung auch sehr großen Hunger. Konrad kümmert sich freundschaftlich um ihn und sorgt dafür, dass es ihm langsam besser geht. Am nächsten Morgen ist der Schreck groß! Denn beide erkennen, mit wem sie es zu tun haben. „Ich sollte dich wohl jagen …“ „Und ich dir mit der Lanze den Kampf ansagen …“ Doch Freunde bringt zum Glück so schnell nichts auseinander!

Elli Woollard / Benji Davies: „Ritter & Drachen haben gut lachen“, Verlag arsEdition, € 12,99

Ein ganzes Leben

Eine Bank mitten im Park. Von Thabo, einem freundlichen Mann, sauber gehalten und instandgesetzt, regelmäßig mit blauer Farbe gestrichen, so steht sie da und ist bereit für alle Ruhebedürftigen. „Es freute Thabo, dass sich alle Welt auf die Bank setzte: Große und Kleine, Hunde und Katzen. In all den Jahren hatte es hunderte, vielleicht sogar tausende Begegnungen auf dieser Bank gegeben. So viele, dass sich bestimmt niemand mehr daran erinnerte, wie lange die Bank schon im Park stand. Nur die Bank erinnerte sich wahrscheinlich an all die Geschichten, die sich auf ihren Holzbrettern abgespielt hatten.“
 
Von diesen Geschichten erzählt dieses bezaubernde Bilderbuch. Zarte Illustrationen, meist schwarz-weiß, nur wenige, manchmal wie hingehauchte, farbige Elemente unterstreichen dabei den Text, der nicht nur von Schönem wie Liebe, Freundschaft, glücklicher Kindheit, sondern auch von Tod, Krieg und Einsamkeit erzählt. So schildert dieses Bilderbuch den Zyklus des Lebens und auch, wie wunderbar es ist, dass man immer wieder neu anfangen kann.

Albert Asensio: „Die blaue Bank“, àbac-Verlag, € 14,95

Schwimmen? Och nö.

Henry Schwan springt mit Anlauf in den See – und sieht beim Auftauchen am anderen Seeufer eine einsame Ente sitzen, die ziemlich bedröppelt guckt. „Was ist los mit dir, Ente? Willst du gar nicht schwimmen? Das ist super erfrischend hier.“ „Nein danke! Ich möchte nicht.“ „Wieso nicht?“ „Ich trau mich nicht“, sagt die Ente zögerlich, „ich trau mich nicht ins Wasser.“ Das ist ja eine schreckliche Vorstellung! Eine Ente, die sich nicht ins Wasser traut! Da muss man doch helfen! Und schon sitzen Henry und Emil, so heißt die Ente nämlich, im Auto und sind auf dem Weg ins Schwimmbad …
 
Herrlich lautmalerisch und wunderbar bunt ist dieses Bilderbuch von Günther Jakobs. Das sieht man schon auf den ersten Blick, denn ein Buch mit einem besorgten Schwan und einer vorwitzigen Ente (so gucken sie jedenfalls) vor leuchtend türkisem Hintergrund, das auch noch „Schnabbeldiplapp“ heißt, das fällt schon auf. Und dies wiederum ist ein Glück, denn die Geschichte von der Ente Emil, die erst ängstlich ist und dann über sich hinaus wächst, weil ein hilfsbereiter „Großer“ ihr beisteht, die ist wirklich schön und lesenswert. Wichtig für alle Kinder ist so eine Geschichte sowieso.

Günther Jakobs: „Schnabbeldiplapp. Ein wasserscheues Bilderbuch“, Carlsen Verlag, € 12,99

Gar nicht korrekt …

Lotti macht gemeinsam mit den Eltern Urlaub am Strand. Ziemlich langweilig. Bis ein dreibeiniger Hund kommt und sie sich mit ihm anfreundet. Dass dieser ihr lauter Spielsachen von anderen Kindern bringt und diese Angst vor den beiden haben, das ist Lotti ziemlich wurscht. Aber auch das Stibitzen wird bald blöd und Lotti macht sich auf, neue Abenteuer zu erleben; dabei gerät sie auf ein Piratenschiff (Piraten tun Kindern und Hunden nichts, Ehrenwort!) – und mit den Piraten zusammen zurück zum Strand …

Karsten Teichs Lotti ist alles andere als ein braves, angepasstes Kind, andere zu ärgern macht ihr erst einmal nichts aus. Allerdings haben auch wilde Kinder manchmal Ängste (und Angst vor Piraten zu haben, das ist wohl normal). Am schönsten ist es sowieso, wenn man Dinge gemeinsam mit anderen macht - das lernt Lotti im Laufe der Erzählung, ganz ohne Vorschriften oder Belehrungen. Teichs wilde, bunte Illustrationen passen hervorragend zu Lotti, den Piraten und der Geschichte: Dieses Bilderbuch ist ein witziges, pfiffiges Gesamtkunstwerk.

Karsten Teich: „Piratenlotti“, Aladin Verlag, € 12,95

Vier Jahreszeiten

Isabella erwacht, weil die Frühlingssonne durch ihr Fenster scheint. Doch ehe sie das Haus verlassen kann, kommt ein Schauer und so kann sie erst später zum Frühlingsfestplatz gehen. Gemeinsam mit ihrem abenteuerlustigen Hund Pickle erlebt sie nun alle Jahreszeiten, sie sucht Ostereier, flüchtet vor einem Sommergewitter, erntet Äpfel, rutscht auf Glatteis aus – das Alles ist leichtfüßig erzählt und im Stile naiver Malerei sehr vielfältig illustriert. Und es ist trefflich zu hören, denn zum jeweiligen Thema der Doppelseite ist eine kurze, gut gemachte Sequenz der vier Violinkonzerte hinterlegt, die Vivaldi als Zyklus komponiert hat.

Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ zählt wohl zu den bekanntesten Werken klassischer Programmmusik. Vivaldi kam, nachdem sein Freund, der Maler Marco Ricci einen Bilderzyklus über die Jahreszeiten gestaltet hatte, auf die Idee, diese mit Hilfe der Musik darzustellen. Jessica Courtney-Tickle ging den umgekehrten Weg: Sie gestaltete Bilder nach der Musik – und das ist für Kinder ab 4 Jahren ganz herrlich (lehrreich ist es auch, aber das ist eigentlich Nebensache).

Antonio Vivalid / Jessica Courtney-Tickle: „Die vier Jahreszeiten – Ein Musik-Bilderbuch zum Hören“, Prestel-Verlag, € 24,99

Geschwister sind manchmal so

Natalie und Alfonso sind Geschwister. Meistens mögen sie sich gerne, spielen miteinander, basteln gemeinsam, sitzen am Tisch und malen. Nur manchmal, wenn Alfonso Natalies Bilder bekritzelt oder in ihre Basteleien beißt, manchmal schimpft Natalie mit ihrem jüngeren Bruder. Eines Tages geht dann wirklich alles schief: Erbsen zu Mittag, Fernsehen blöd, Mama begriffsstutzig. Gerade an diesem Tag lutscht Alfonso auf dem Lieblingsbuch der älteren Schwester herum. Und so malt sie ein Bild mit Wirbelsturm, zwei wilden Tieren, einem Erbsenregen und einem klitzekleinen, hilflosen Alfonso. Als es im Zimmer nebenan erst schrecklich laut ist, dann wildes Geschrei und Glaserbsenregen folgt – und es anschließend ganz, ganz still ist, da wird Natalie schrecklich unruhig. Hoffentlich ist Alfonso nichts passiert!
 
Alle, alle kennen wir das: Es geht was schief, man selbst oder der andere benimmt sich schlecht, und plötzlich ist alles anders, als es sein sollte. Dass sowas immer mal vorkommen kann und eigentlich, wenn man wieder aufeinander zugeht, gar nicht schlimm ist – das erzählt Daisy Hirst kurz und prägnant im vorliegenden Bilderbuch. Dabei sind ihre Illustrationen so gleichermaßen einfach, farbenfroh, witzig und beeindruckend.

Daisy Hirst: „Alfonso, das macht man nicht!“, Aladin Verlag, € 14,95

Ole und der Fragenspuk

„In Oles Kopf spukt es. Und zwar seit heute Morgen schon. Genau genommen ist es eine Frage, die plötzlich mir nichts, dir nichts zwischen seinen Ohren herumspukt und einfach nicht mehr verschwindet. Ole hat sich schon auf den Kopf gestellt und einen Purzelbaum gemacht. Doch die Frage ist immer noch da.“ Wie ist Ole zu Mama, Papa und Anna gekommen? Er kann sich einfach nicht erinnern und es lässt ihm keine Ruhe. Er fragt alle, denen er begegnet – aber er ist ganz sicher nicht aus der Spielzeugfabrik gekommen wie Teddy und auch keine Kaulquappe gewesen wie Frosch! Schließlich fragt er seine Mama. Und die kann sich natürlich erinnern und erzählt es ihm ganz besonders gern.

Das Thema „Wo komme ich her?“, das treibt früher oder später jedes Kind um. Im von Anna Ameling witzig erzählten und von Stefanie Reich pfiffig illustrierten Kinderbuch „Mama, wo komm ich eigentlich her?“ wird das wunderbar und gut verständlich erklärt. Dieses Bilderbuch ist ein Herzensbuch, das man eigentlich jedem Kind vorlesen sollte!

Anna Ameling / Stefanie Reich: „Mama, wo komm ich eigentlich her?“, Ellermann Verlag, € 14,99

Reichlich schusselig

Kleine Hexen werden ja, das wissen alle spätestens seit Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“, sehr genau von den älteren Hexen beobachtet. Die drei großen Hexen in diesem Bilderbuch sind eigentlich nette Hexen – aber ihr Gekicher, wenn der kleinen Hexe wieder mal ein Zauberspruch nicht gelingt, dieses Gekicher findet sie eigentlich ganz schön langweilig. Die könnten sich ja auch mal was anderes ausdenken … Denn auch wenn die kleine Schusselhexe ab und zu richtig zaubert, meistens ist es irgendwie ein bisschen falsch. Aber solange es ihr selbst gefällt, ist das ja trotzdem gut. Und ihren Hexenbesen, der nicht gerade fliegen kann sondern nur wilde Sprünge macht, der ist schließlich eine große Hilfe: denn der Riese Hubert, der schlechtgelaunt den Wald unsicher macht und schon die drei großen Hexen eingefangen hat, der kann so eine Hobse-Hexe nicht fangen. Zum großen Glück für alle.

Anschaulich und kunterbunt von Henrike Wilson illustriert, erzählt Anu Stohner die Geschichte einer liebenswerten Außenseiterin, die zeigt, dass es gut ist, nicht so zu sein, wie alle es erwarten. Im März 2017 erscheint übrigens schon das fünfte Buch mit dieser entzückenden Hexe.

Anu Stohner / Henrike Wilson: „Die kleine Schusselhexe“, Hanser Verlag, € 14,00

unsere Bilderbuch-Lieblinge in 2016:



Des Malers eigne Welt.

„Nach einer schweren Operation wacht Monsieur Matisse in einem weißen Zimmer auf. ‚Hier gibt es nichts Buntes. Das ist ja, als wäre ich tot‘, sagt er. ‚Ein Alptraum! Bringt mir Pinsel, bringt mir Farben!‘“

Doch leider ist das Bettlaken zu zerknittert, um es gut bemalen zu können. Und die Decken und Wände zu weit weg für den Pinsel – und eine Stange als Verlängerung kann Matisse nicht halten. Als er die Schere liegen sieht, fängt er an, aus allem möglichen Formen heraus zu schneiden. Bald ist sein ganzes Zimmer bunt und lebensfroh, Matisse erschafft sich, obwohl er sehr krank ist und im Rollstuhl sitzt, seine eigene bunte, vielfältige Welt. Annemarie van Haeringen, eine der bekanntesten Illustratorinnen der Niederlande, verleiht dem Maler Matisse, seiner Assistentin, der Umgebung, und auch seiner Scherenschnittkunst, eine Lebendigkeit, die dieses Bilderbuch ungemein reizvoll macht. Und die Botschaft, dass es immer etwas gibt, wofür es zu leben lohnt, diese Botschaft kann man ja auch nicht früh genug und nicht oft genug überbringen.

Annemarie van Haeringen: „Monsieur Matisse und seine fliegende Schere“, Verlag Freies Geistesleben, € 14,90
Diesmal doppelt!

Manchmal muss man Dinge anders machen: Für den Monat September haben wir ein und dasselbe Buch als Bilder- und Hörbuchliebling. Denn die Geschichte von Faber, der von seinem Opa, als der nach Amerika zieht, keine Katze und kein Modellschiff, sondern einen kleinen Teppich geschenkt bekommt, die ist reizvoll illustriert und damit ein Genuss fürs Auge. Und sie hat kleine Passagen in arabischer Sprache, die das Hörbuch sehr lohnend machen. Die Geschichte selbst ist sowieso außerordentlich …

Wie gesagt, Faber bekommt von seinem Opa einen kleinen Teppich geschenkt – und der soll fliegen können. Faber muss nur die Worte lesen, die draufstehen, dann bringt der Teppich ihn an jeden Ort. Sicherer und schneller als ein Flugzeug! Nur: Da stehen gar keine Worte, nur Blumen und Schnörkel. Also macht er sich auf den Weg, herauszufinden, ob die Schnörkel vielleicht doch so etwas wie Buchstaben sind. Er muss lange suchen. Aber dann lernt er Shaima kennen: Sie kann lesen, was dort steht, und der Zauberteppich tut, was sie sagt. So erobern die beiden gemeinsam die Welt. Und fliegen schließlich auch zu Fabers Opa.

Cornelia Funke / Susanne Göhlich: „Fabers Schatz“,
Aladin Verlag, € 12,95, Hörbuch € 9,99

Zauberhaft!

Mit 107 Jahren ist man noch kein altes Krokodil, auch wenn es manchmal hier zwickt und dort zwackt. Und darum weiß Gaspard Amundsen, als er eines Tages ganz unruhig ist und ihm noch nicht einmal der Brennnesseltee schmeckt, dass es an der Zeit ist, eine Reise zu machen. Eine längere Reise, angemessen für ein nicht mehr ganz junges Krokodil. Als ihm, gleich am Bahnhof eine Waschbärenbande das ganze Gepäck abluchst, überlegt er auch nur ganz kurz, ob er nicht doch nach Hause gehen sollte. Aber dann fährt ein Zug ein, und als sich eine der Türen direkt vor ihm öffnet, steigt er ein.
Damit beginnt Gaspards Reise bis ans Meer, bis hoch in den Norden, im Flugzeug, im Boot und zu Fuß, mit einem Maulwurf, einem Wal und dem Freundespaar Wolf und Bär – und wir Kleinen und Großen Leser hören eine zauberhafte Geschichte und sehen ganz großartige, betörende, herrlichfarbene Illustrationen. Einfach zum (weg) Träumen!

Laura Fuchs / Martin Gülich: „Die fabelhafte Reise des Gaspard Amundsen“, Thienemann Verlag, € 14,99 €


Lesefutter

„Ja, Hasen lieben Salat und Möhren. Und meistens träumen sie auch von Salat und Möhren. Nur Henri nicht … Henri träumt von Büchern. Eigentlich träumt er nicht nur von ihnen … er will einfach immer nur lesen.“ So beginnt das Bilderbuch vom Hasen Henri, der einfach nicht genug Bücher hat. Und darum in fremden Häusern welche ausleiht. Ohne sie zurückbringen zu wollen. Nur: Eines Nachts holt er sich welche bei Artur – und Artur ist genauso ein Bücherliebhaber wie er. Artur bemerkt darum sofort, dass sein Lieblingsbuch weg ist und versucht, des Diebes habhaft zu werden. Doch nachdem ihm das gelungen ist, kommt alles ganz anders. Viel schöner. Für beide.

Dieses Bilderbuch ist selbstverständlich so ganz Buchhändlers Liebling: da sucht (und findet schließlich) ein Leser Geschichten in Hülle und Fülle. Allerdings ist das ja nicht die ganze Freude – denn neben pfiffigen, wohlüberlegten Illustrationen gibt’s auch noch eine ganze Menge unterhaltsame Buchtitel von „Alice im Mümmelland“ bis „Der alte Hase und das Feld“. Mithin ist „Gesucht!“ ein feines Buch für Kind und Vorleser.

Emily MacKenzie: „Gesucht! Henri, der Bücherdieb“, Lingen Verlag, 12,95 €
Ganz schön philosophisch …

Eigentlich haben die beiden sich vorgenommen, einfach nicht mehr dabei zu sein, wenn einmal im Jahr die Eintagsfliegen schlüpfen: Fuchs und Wildschwein haben schon zu viel erlebt und wollen nicht wieder traurig sein. Doch es kommt ganz anders – zum einen geht es wirklich zu schnell in diesem Jahr und zum anderen ist die kleine Fliege so entzückend, dass sie sie um sich haben wollen. Neugierig ist die Kleine außerdem und will darum gleich wissen, warum sie denn so traurig sind. Weil man ja schlecht sagen kann, „weil Du morgen tot bist“, schwindelt das Wildschwein vom nahen Tod des Fuchses. Und schon beginnt ein wunderbarer „letzter Tag“ mit den großartigsten  Abenteuern …

Zugegeben, ein reines Bilderbuch ist Martin Baltscheits neuestes Werk nicht – ziemlich Geduld braucht man schon für die hundert Seiten mit den zahlreichen Bildern. Aber Kinder ab 6 und die vorlesenden Erwachsenen (ich finde, das muss wirklich zusammen gelesen werden!) werden ihr Vergnügen daran haben und zudem mit reichlich Redestoff über das Leben und den Tod versorgt.

Martin Baltscheit / Wiebke Rauers: „Nur ein Tag.“, Dressler Verlag, € 12,99 €, eBook € 9,99, Hörbuch € 7,99
Die Erklärung der Menschenrechte …

„Artikel 1: Jeder Junge hat das Recht, zu weinen und getröstet zu werden.
Artikel 2: Jeder Junge hat das Recht, gut zu riechen, sauber, schick, hübsch, still und vorbildlich brav zu sein.“

Sie lesen es, es geht um Jungsrechte: jeder Junge soll und darf so sein, wie er es gerne möchte – auch wenn in vielen Köpfen (noch) stereotype Bilder sind, wie vom tapferen Krieger, der sich die Tränen verbeisst oder vom wilden Racker. Im Grunde beschreibt es Selbstverständlichkeiten. Aber wenn man dieses Büchlein so liest, mit seinen Forderungen nach freier Berufswahl oder Harfenunterricht, wird doch klar, wie wichtig es ist, das alles aufzuschreiben.
Von allem Erzieherischen abgesehen: das Buch ist köstlich mit seinen pfiffigen, detailierten Bildern und spritzigen Texten! Und zum Glück gibt es auch eines für die Mädchenrechte …

Elisabeth Brami / Estelle Billon-Spagnol: „Typisch Jungs?“, Gabriel Verlag, € 5,99 €
Eine Freude.

Gute Bilderbücher erklären die Welt, wie wir sie kennen oder kennenlernen sollten. „Anna, Anton, Augenstern. ODER wie man auf der GANZEN WELT zu seinem NAMEN kommt!“ ist solch ein gutes Bilderbuch – eigentlich ist es sogar ein noch besseres Bilderbuch. Denn es wird nicht nur erklärt, wie Kinder zu ihrem Namen kommen (so steht es ja im Titel), sondern es gibt außerdem eine ganze Menge zu entdecken: die Flaggen der Länder, verschiedene Peters, die Nordsee mit archetypischen Bildern (und Bayern auch …). Und immer wieder Anna und Anton, die ihren vielfältigen Alltag bestreiten. Es ist also, neben allem Erklären, auch ein höchst vergnügliches Bilderbuch, teils wimmelig, immer pfiffig illustriert. Es verbindet Menschen miteinander, ist länderübergreifend ohne irgendeinen erhoben Zeigefinger. Solche Bilderbücher braucht die Welt!

Eine Lieblingsseite erzählt übrigens nicht nur, wie die Namen der Mode und dem Geschmack unterliegen – die abgebildeten Paare sind immer in der passenden Mode gekleidet. Durchdacht bis ins Detail …

Kristina Dumas / Ina Worms: „Anna, Anton, Augenstern. ODER wie man auf
der GANZEN WELT zu seinem NAMEN kommt!“, Annette Betz Verlag, € 12,95
Bitte bei Alfred melden.

„Normale“ Bildwörterbücher dienen dazu, den Wortschatz zu erweitern. Egal, ob der Spracherwerb der ersten, zweiten oder dritten Sprache gilt. Das ist bei diesem Bildwörterbuch ein wenig anders – denn Herr Sauermann, der sich auf die Suche nach seinen Zähnen begeben muss, hat ein wüstes Sammelsurium an Dingen, die im Rahmen besagter Suche dann auch gleich sortiert werden (müssen). „Alfred hat eine Menge Sachen. Also sortierte Alfred alles in Gruppen. Er begann mit seinen Hüten und Helmen. Wenn etwas ein Hut oder ein Helm war, tat er es zu den anderen Hüten und Helmen.“ Ist ja auch logisch.
Nur: gehört die Schwimmbrille hier wirklich dazu? Und der falsche Bart auch? Und irgendetwas ist an der Folge Hexe – Flüstertüte – Zauberer – Achtung auch ein wenig irritierend. Sie sehen schon, das Ganze ist alles andere als einfach. Zum Glück hat Alfred drei Schwestern, die er um Rat fragen kann …

Wir Leser jedenfalls haben einen Heidenspaß an den Dingen, die hier abgebildet sind – und Kinder ab 4, die schon einiges von der Welt gesehen haben, ebenso!

Jon & Tucker Nichols: „Herr Sauermann sucht seine Zähne“, Diogenes Verlag, …

Hauptsache schön!

„Geschichten hörn vorm Schlafengehn, alt oder neu – Hauptsache schön!“ – mehr Klappentext braucht dieses grandiose Bilderbuch nicht. Zusammen mit dem Coverbild weiß der Vorleser (auch der ungeübte!) dann schon, dass dies eines der Bücher ist, die direkt vorm Zubettgehen gelesen werden sollen, dürfen, eigentlich ja: müssen. Und ganz genau betrachtet werden müssen sie auch, denn die Illustrationen sind freundlich, eher zurückhaltend und doch aussagekräftig, einfach eine großer Genuss. Die Geschichte ist schnell erzählt: Maggie möchte Clement ins Bett bringen, doch gerade als er seinen Pyjama anhat, klingelt es, und die Freunde Jean und Alan Alexander kommen zur Pyjama-Party. Die muss dann auch gefeiert werden mit Versteckspiel, Grimassenschneiden, Ballonwerfen und diesem und jenem.

Aber irgendwann ist dann auch für kleine Partyhelden die Zeit zum Schlafen gekommen – Maggie ist zur Stelle: „Jetzt ist Schluss. Und ihr kriegt bloß noch einen Kuss.“

Patrick McDonnell: „Danke danke gute Nacht“, Aladin Verlag, € 12,95
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