Bilderbuch Lieblinge in 2021 - 2020 - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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unsere Bilderbuch-Lieblinge in 2020:
Herbst

„Kannst du das hören, kleiner Kit?“, fragte Vater Biber. Kit spitzte die Ohren. Er konnte tatsächlich etwas hören. Ein seltsames Geräusch kam aus dem Holzstapel, den sie ihr Zuhause nannten. „Es hört sich an wie fließendes Wasser!“, sagte Kit. „Das stimmt“, meinte Vater Biber. „Komm, folge mir.“ Vater Biber tauchte ab ins Wasser. Kit folgte ihm hinaus zum Teich.

Und dann erledigen die beiden alles, was zu erledigen ist, damit Teich und Höhle sturmfest sind: Holz suchen, Rinde abmachen, den Damm verstärken, Erde und Moos dazwischen stopfen.
Emily Hibbs und Erin Brown haben 20 Geschichten geschrieben, die Kindergartenkindern die Wunder der Natur näherbringen. Unterteilt in die vier Jahreszeiten und reichlich bebildert stellen sie Raupen und Schmetterlinge, Glühwürmchen und Wildschweine, Maulwürfe, Marienkäfer, Füchse und viele andere Tiere des Waldes mit ihren Besonderheiten vor. Ein wenig irritiert es uns erwachsene Vorleser*innen, dass die Tiere wie Menschen denken, fühlen und sprechen – aber genau das sorgt auch dafür, dass alles verständlich ist. Ein Buch zum immer-wieder-in-die-Hand-nehmen, das wirklich große Freude macht.

Emily Hibbs / Erin Brown: „20 Wunder der Natur – Fast vergessene Geschichten aus dem Wald“, Übersetzung: Beatrix Rohrbacher, Verlag 360 Grad, 978-3-96185-041-9, € 18,00
Gedichte für alle!

„keinhorn-gedicht
ich kann kein gedicht – übers einhorn schreiben
ich kann nur ein gedicht – übers keinhorn schreiben
denn mir ist’s keinhorn – sehr viel wert
nur nenne ich es – einfach pferd“

Einhörner, Keinhörner, Eichhörnchen, Löwen, Spinnen – ein ganzer Zoo, wohl mit großer Terrarienabteilung, bevölkert dieses Buch. Und zwar sowohl zum Ansehen auf den traumhaft witzigen Bildern von Nadia Budde, als auch zum Anhören oder Lesen in den sehr humorvollen Gedichten von Arne Rautenberg. Es sind Gedichte von großem Sprachwitz, mit faszinierenden, oft nicht ganz so naheliegenden Reimen, es macht großen Spaß sie laut zu lesen (auch nur für sich selbst). Und ja, zu denken bekommt man auch genug …
Die „Gedichte für alle“ passen allerdings noch nicht so gut für Kinder unter 5 Jahren. Sonst sind sie aber wirklich „für alle“!

Arne Rautenberg / Nadia Budde: „Kuddel-Muddel, Remmi-Demmi, Schnick-Schnack“, Peter Hammer Verlag, 978-3-7795-0650-8, € 14,00

Kann Freundschaft warten?

„Strandbär hieß Strandbär, weil er am Strand wohnte. Er liebte die Sonne, die ihn kitzelte, die Beeren, die er vom Busch pflückte, und die Wellen, die ihm Geschichten erzählten. Er war ein zufriedener Strandbär. Nur manchmal vermisste er einen Freund.“

Das ändert sich, als er im Schilf Lilou findet, eine flügellahme Gans – umstandslos hilft er ihr, auch wenn er sie noch gar nicht kennt. Und dann, mit der Zeit und heilendem Flügel, unternehmen die beiden Abenteuer miteinander und teilen ihren Alltag. Bis der Winter kommt: Winterschlaf für Bären und Flug in den Süden für Gänse sind nicht wirklich miteinander vereinbar …

Charmant und poetisch erzählt Miriam Cordes eine ungewöhnliche, faszinierende  Freundschaftsgeschichte, inklusive Anderssein, Hilfsbereitschaft, Trennung, Alltagsfreuden. Die Illustrationen unterstreichen die Erzählung in feinster Weise und das - etwas größere - Druckbild macht „Richtig gute Freunde“ auch für Erstleser*innen selbständig lesbar.

Miriam Cordes: „Richtig gute Freunde“, Carlsen Verlag, 978-3-551-51847-7, € 18,00
in Kürze ...

Herrliche Buchstabengeschichte

„Schau mal“, sagte der Papagei, „dieses Tier sieht doch sehr aus, als ob ihm etwas fehlt.“
Der kleine Affe nahm seinen ganzen Mut zusammen und ging zum großen Tier hin. „Wer bist denn du?“, fragte er vorsichtig.
„Ich bin ein Nu“, sagte das Nu mit gesenktem Blick. „Und ich fühle mich gar nicht wohl dabei.“

Bei einem großen, wilden Sturm sind ganz viele Buchstaben am Baum des kleinen Affen gelandet – und nun macht er sich, zusammen mit dem Papagei daran, die Tiere zu finden, denen der Buchstabe weggeweht wurde. Am Anfang, als sie noch viele Buchstaben haben, müssen sie lange probieren: Ist große Tier ein Onu? Oder ein Snu, ein Pnu oder ein Dnu? Erst mit dem G ist das Tier glücklich – es ist ein Gnu und nun weiß es das wieder!
Ursula Poznanski (Text) und SaBine Büchner (Illustrationen) haben ein lustiges, verträumtes, anregendes Bilderbuch geschrieben (eines von der Sorte mit viel Text …) in dem Buchstaben tatsächlich die Hauptrolle spielen. Es macht großen Spaß, Affe und Papagei auf ihrem Weg durch den Dschungel zu begleiten, es gibt immer wieder neue Drehungen in der Geschichte. Und sehr viel zu entdecken ist auf den Bildern auch. „Buchstabendschungel“ ist ein herrliches Buch für Vorschulkinder und Leseanfänger.

Ursula Poznanski / SaBine Büchner: „Buchstabendschungel“, Loewe Verlag, 978-3-7855-8923-6, € 9,95

Vielleicht morgen?

„Hat’s der Bär heute schwer? Rauft der Löwe sich die Mähne? Kullert schon die erste Träne? Ist dem kleinen Krokodil heute alles viel zu viel? Zieht der Koala eine Schnute? Ist’s ihm heut zu nichts zumute? Hängt der Lurch heute durch?“

Fragen über Fragen. Alle gereimt, alle schön vorzulesen. Nirgends ist es fein auf den ersten Seiten dieses Buches. „Alle Tiere sind heut traurig, haben Kummer, haben Sorgen. Wird’s denn auch mal wieder besser? Heute nicht! Doch vielleicht morgen?“

Genau so ist es ja im Augenblick. Heute wird’s eher nicht besser – vielleicht mit ein paar Kleinigkeiten, aber wenn der Weltschmerz zuschlägt (und den haben kleine Kinder auch!), dann eben nicht im Großen und Ganzen. Darüber hinweg reden, es klein machen, das hilft nicht. Es annehmen ist die Devise. Und trotzdem einen Ausblick bieten in andere Zeiten: „Doch vielleicht morgen?“, in Zeiten, in denen wieder sehr viel mehr Miteinander stattfinden kann als derzeit. Genau dabei hilft dieses Buch aus dem Diogenes Verlag auch schon den kleineren Kindern, sowohl mit den kurzen, gereimten Sätzen als auch mit den großflächigen, bunten, ausdrucksstarken Bildern. Auch das ein Buch für Coronazeiten und weit darüber hinaus!

Timon Meyer / Julian Meyer: „Heute nicht. Doch vielleicht morgen?“, Diogenes Verlag, 978-3-257-01263-7, € 14,00

Schule!

Wie ist das eigentlich in Kenia? Gehen Kinder dort zur Schule? Und wenn ja: Wie kommen sie denn hin? Wie ist ihr Alltag? Und, wo liegt denn bitteschön überhaupt Kenia?
Alle diese Fragen beantwortet das Sachbilderbuch „Wir gehen zu Schule“. Es basiert auf der Masterarbeit von Lena Schaffer, die natürlich auch als Autorin auf dem Cover genannt ist – und es erzählt nicht nur von Schulkindern in Kenia, sondern vom Schulbesuch sechs verschiedener Kinder, je einem pro Kontinent. Für Nordamerika berichtet es von Familie Parker aus Kalifornien, deren Kinder mit dem gelben Schulbus in die Schule gebracht werden. Mary-Sisa aus Papua-Neuguinea hingegen nutzt das Kanu und ist schon eine Stunde auf dem Fluss unterwegs, bis sie überhaupt in der Schule ankommt. Und auch Moritz Brunner, der hoch oben am Berg in den Schweizer Alpen lebt, ist fast eine Stunde unterwegs. Nur im Winter nicht: Da geht die Seilbahn und er hat den schönsten Schulweg überhaupt. Neben kleinen Einzelbildern zeigt ein Panoramabild zu jedem Kind, wie sie zur Schule kommen, auch, welche Gefahren am Wegrand lauern. Aber wie gesagt, wir lesen nicht nur über den Schulweg, sondern auch ein wenig über den Alltag und über das Schulleben. Und das ist nicht nur für Kinder spannend, die in diesem August selbst in die Schule kommen!

Lena Schaffer: „Wir gehen zur Schule! Von Kenia bis Amerika“, Gerstenberg Verlag, 978-3-8369-6005-2, € 15,00

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