Sachbuch Lieblinge in 2021 - 2020 - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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Unsere Sachbuch-Lieblinge in 2021:
Manipulativ

„Durch ihren faktischen Anteil, zumeist die Bezugnahme auf ein reales Ereignis, stellen Halbwahrheiten-Geschichten eine Korrespondenz mit der erfahrbaren Realität dar.“ (S. 33)

Nicola Gess‘ Sachbuch, erschienen in der Reihe „Fröhliche Wissenschaft“, ist meist schwerer zu lesen als der obige Satz. Gess ist Professorin für Neue deutsche und allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Basel und sie verweist auf die großen Philosoph:innen von Arendt bis Sloterdijk bei ihrer Analyse der Halbwahrheiten. Das kann man als Nicht-Literaturwissenschaftler:in verstehen und mit Gewinn lesen – zusammenfassen ist schwierig. Denn eine Zusammenfassung läuft letztendlich auf obigen Satz zu, und das wird ihrem Buch nicht gerecht. Die ersten beiden Kapitel sind fachliche Grundlagen, die sie dann in den folgenden drei Kapiteln anhand realer Fälle darstellt. Es sind die Journalisten Claas Relotius und Ken Jebsen sowie der Schriftsteller Uwe Tellkamp, deren halbwahre Aussagen sie nachvollziehbar analysiert und anhand derer sie die Gefahr herausstreicht, die besonders in der Politik von Halbwahrheiten ausgeht. Ein stark verkürztes Ergebnis ihrer umfassenden und gut belegten Darstellung ist übrigens, dass man den erfundenen Teil der Halbwahrheiten hervorheben muss und die Nahtstellen zwischen Realität und Erfindung. Jegliche andere Argumentation läuft auf ein „ja, aber“ hinaus: Und das lässt sich immer auch auf ein „Ja“ reduzieren.  

Nicola Gess: „Halbwahrheiten – Zur Manipulation von Wirklichkeit“, Matthes & Seitz, 978-3-7518-0512-4, € 14,00
Die Bach

Quellen, Bäche, Flüsse – sie sind die Lebensadern jeglicher Landschaft und unterliegen permanenter Veränderung. In den letzten beiden Jahrhunderten wurden diese Veränderungen fast ausschließlich durch den Menschen und seine Bedürfnisse veranlasst, es sind Veränderungen, die mit massiven Störungen im natürlichen Kreislauf einhergehen. Bekannt ist das schon länger und seit dem Jahr 2000 gibt es eine EU-weite Wasserrahmenrichtlinie. Deren Ziel hat Deutschland bis 2015 nicht erreicht, nun liegt das Augenmerk auf der Verlängerung bis zum Jahr 2027. Allerdings scheint auch das fraglich …

Torsten Schäfer ist am Rande des Odenwalds großgeworden, seine Kindheit verbrachte er in Wald und Wiesen, an Bächen und Teichen. Schon in Jugendjahren war er aktiv im Umweltschutz. Seit 2013 ist er Professor für Journalistik an der Hochschule Darmstadt, vorher war er unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und GEO journalistisch tätig. Das alles sind gute Gründe, sein Buch „Wasserpfade“ zu lesen, in dem es im Hauptteil um „die Bach“ – die Modau von der Quelle bis zu ihrer Mündung am Kühkopf geht. Und trotzdem überrascht dieser Titel: Es ist eine fachlich fundierte, poetische, großartige Liebeserklärung an unsere Region. Schäfer streicht die Verbindung von Mensch und Natur heraus ohne dabei ins Esoterische abzugleiten – und doch liest und spürt man die tiefe Verbundenheit, die weit übers Wandern und Landschaft-Beschauen hinausgeht. „Wasserpfade“ ist ein richtiger Augenöffner.

Torsten Schäfer: „Wasserpfade – Streifzüge an heimischen Ufern“, Oekom Verlag, € 24,00
Zupackend

Maria und Zenzi sind Schwestern, sie sind beide weit über 70 und bewohnen und bewirtschaften den Dammerlhof in Solla im Bayrischen Wald. Einerseits ist ihnen das Bewahren des Althergebrachten wichtig, andererseits verschließen sie sich Neuerungen nicht. Maria, die Ruhige, künstlerisch Begabte, renovierte alte Bauernschränke – manchmal auch mehrfach, wenn ihr das aufgemalte Motiv nicht mehr gefiel –, der Ertrag floss dann in den Kauf neuer Geräte für den Hof. Maria ist auch diejenige, die sich ums Schriftliche kümmert und sehr genau weiß, was zu tun ist. Zenzi hingegen war nicht nur in jungen Jahren ein Wirbelwind. Auch in den beiden Jahren, die die Journalistin Christine Zuppinger die beiden begleitete, war sie für die Arbeiten zuständig, die zügig zu erledigen waren: die weit über 50 Brotlaibe schnell zum Backhaus tragen oder die Sense schwingen zum Beispiel. Nicht nur in ihrer Jugend war sie für ihren flotten Fahrstil berühmt-berüchtigt.

Christine Zuppinger hat das Leben der beiden begleitet und berichtet sehr genau darüber: wie sie Familie erlebten, was der Hof früher und heute bedeutet, wie ihr Alltag ist, welche Gegenstände für was stehen. Das ist faszinierend und interessant zu lesen, ein Blick zurück und gleichzeitig aufs hier und jetzt. Außerdem kommen die beiden Schwestern in vielen kleinen Sequenzen selbst zu Wort, in der ihnen eigenen Sprache und Geschwindigkeit – Zuppingers schmales Buch ist eine Art Vermächtnis und schon als solches sehr lesenswert.

Christine Zuppinger: „Schwalbennester“, Steidl Verlag 978-3-95829-728-9. € 12,80
Mutig II

„Die Alternative zu Mut ist, feig zu sein. Es wäre empfehlenswert, wenigstens das nicht zu sein.“ Damit schließt dieses Buch – und es scheint mir eine gute Mindestanforderung für gelingendes Leben. Lotte Tobisch, geboren 1926, Wienerin mit Leib und Seele, Burgschauspielerin, lange Jahre Organisatorin des Opernballs, hat zum Thema Mut sehr viel zu sagen. Dass Fantasie zum Mut dazugehört zum Beispiel, aber auch, dass sie selbst neben Mut vor allem auch Glück hatte. Dass man auf dieses Glück aber nicht zählen könne, darum wäre übermütig sein, etwas demonstrieren wollen, keine gute Basis für Lebensentscheidungen.

Ihre ein wenig launischen Gedankenspiele lesen sich einerseits unterhaltsam, andererseits steckt einiges an Weisheit darin. „Auch Wohlstand macht die Menschen nicht besser.“: Ich finde, das lässt sich gut auf Corona-Zeiten übertragen, und dass Verantwortungssinn ein guter Begleiter zum Mut ist, das passt auch. „Gedankenspiele“ ist eine kleine, feine Reihe im Literaturverlag Droschl – und jedes Buch ist erhellend und lesenswert.

Lotte Trobisch: „Gedankenspiele über den Mut“, Literaturverlag Droschl, 978-3-99059-067-6, € 10,00

Unsere Sachbuch-Lieblinge in 2020:
So kocht man in Wien!

Als Alice Urbach 1935 ihr zweites Kochbuch veröffentlichte, hatte sie schon ein sehr bewegtes Leben hinter sich: Durch ihre Hochzeit mit dem Arzt Max Urbach war sie aus großbürgerlichen Verhältnissen mitten in ein Leben in relative Armut gerutscht, hatte nach dem Tod des Gatten eine Kochschule eröffnet, mit deren Hilfe sie sich und die beiden Söhne nicht schlecht durchbrachte. Das Kochbuch „So kocht man in Wien!“ sollte ein zweites Standbein werden und gute Ausbildungen für die Söhne sichern. Doch es kam, wie wir alle wissen, ganz anders: Mit dem im Jahr 1938 vollzogenen Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland verlor die Jüdin Alice Urbach alles. Sogar ihr Kochbuch, das fortan unter dem Autorennamen Rudolf Rötsch gedruckt wurde. Bis heute ist von Verlagsseite keine Stellungnahme zu diesem geistigen Diebstahl erfolgt.

Karina Urbach ist die Enkelin der Kochbuchautorin und sie schreibt in „Das Buch Alice“ die Geschichte ihrer Familie von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er Jahre hinein. Sie beschönigt nicht, deutet eher an. Jeder, der sich mit dem Holocaust und jüdischer Geschichte auch nur ein wenig auseinandergesetzt hat, weiß ihre Worte aber mit den entsprechenden – entsetzlichen – Bildern zu füllen. Davon abgesehen, ist die Geschichte der Alice Urbach unglaublich faszinierend und es gelingt der Autorin, tief einzutauchen ins Wien der ersten drei Jahrzehnte, ins England der Kriegszeit und auch in die Arbeit der Geheimdienste. Starke Empfehlung.

Karina Urbach: „Das Buch Alice“, Propyläen Verlag, 978-3-549-10008-0, € 25,00
Aale. Überall Aale.

Es zählt zu den schönen Erlebnissen aus Patrik Svenssons Kindheit: Die Abende, die er mit seinem Vater zum Fluss ging, um die Langleinen (oder die Pödderknoten) auszulegen – und ein paar Stunden später dann das Begutachten des Fangs. Sein Vater liebte Aal in jeglicher Variante, Patrik weniger, aber das tat der Freude am gemeinsamen Tun keinen Abbruch. Und so erzählt er von vielen kleinen Begebenheiten im Miteinander. Aber er erzählt vor allem auch über den Aal selbst, über die Stadien im Leben eines Aals und auch über den Ort, an dem der diese Stadien durchlebt. Denn Aale sind weitreisende Tiere: Ihr kleinstes Stadium, die Weidenblätter, findet sich in der Sargassosee – auch vom europäischen Flussaal! Überhaupt ist der Aal ein sehr geheimnisvolles Tier, seit tausenden Jahren versuchen Menschen, sein Leben zu erkunden, die „Aalfrage“ ist ein fester Bestandteil der Tierforschung bis ins 19te Jahrhundert hinein. Und im Grunde besteht sie immer noch, leicht abgewandelt, denn man weiß noch lange nicht, was der Aal alles erlebt und warum.

Ich habe überhaupt nicht gewusst, dass ich mich für Aale interessiere. Und wenn meine Lieblingskolleg*innen mir das Buch nicht so ans Herz gelegt hätten, dann hätte ich es ganz sicher nicht gelesen! Aale! Aber sie hatten einfach recht: Svenssons Buch, das zwischen Sachbuch und Erzählung changiert, ist großartig. Er versteht, Lebensgeschichte, Philosophie und Ökologie miteinander zu verknüpfen – es ist die reine Freude und ein großer Genuss. Und eigentlich auch Anstiftung zum Lesen überhaupt.

Patrik Svensson: „Das Evangelium der Aale“, Übersetzung: Hanna Granz, Hanser Verlag, 978-3-446-26584-4, € 22,00

Eine Kleinstadt, ganz in der Nähe von München …

In Puchheim leben Menschen aus 115 Nationen, es ist vielfältig und bunt (und hat eine wunderbare Buchhandlung, ich kann nur jedem den Besuch bei Nicola Bräunling und ihrem Team empfehlen). Seit ein paar Jahren ist das Quartier Planie im Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ – und damit beginnt die Geschichte dieses Kochbuches. Denn der Quartiersmanager der Puchheimer Planie hatte die Idee, die Gemeinsamkeiten der vielen Nationen nach außen zu tragen und gleichzeitig die Vielfalt zu betonen. Womit gelingt das besser als mit einem Kochbuch? Viele Menschen kochen ausgesprochen gerne und essen „müssen“ wir ja sowieso alle. Gesagt, getan. Und so wurden Menschen aus 21 Nationen in ihrer Küche besucht und beim Kochen fotografiert; es ist erstaunlich, wie viel Persönliches sich dabei offenbart. Natürlich sind auch die Rezepte samt Zutatenliste abgedruckt. Mich fasziniert da vor allem, wie unterschiedlich Reis zubereitet werden kann und dass er wirklich auf nahezu der ganzen Welt ein fester Bestandteil der Küche ist. Es gibt allerdings auch viele Rezepte mit völlig anderen Zutaten – nicht, dass Sie einen falschen Eindruck von diesem Kochbuch bekommen. Das im Übrigen vermutlich auch deshalb so schön geworden ist, weil der Verlag sehr viel Übung mit Kochbüchern hat. Aber nicht nur: Die Aktion selbst ist großartig und die Rezepte machen Lust aufs Kochen. Was will man mehr?

Mehmet Ismail Birinci & Aveen Khorschied: „Komm in meine Küche!“, Verlag GU, 978-3-8338-7555-7, € 24,00


Ein Buch zur Stunde?

Die letzten Wochen haben gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen gebracht, die wir uns noch in der Woche vor den Einschränkungen nicht haben vorstellen können. Und wie es tatsächlich weitergeht, das lässt sich auch nicht sagen – und das nicht nur bezüglich der Ausbreitung von Covid-19 bzw. deren Verhinderung. Ich bin weit davon entfernt, Corona „als Chance“ wahrzunehmen, dafür gibt es zu viele Tote und zu schreckliche Zustände in vielen Ländern. Trotzdem wäre jetzt die Möglichkeit, Gesellschaft und Wirtschaft neu zu denken. Weg vom Immer-mehr, hin zur Verantwortlichkeit gegenüber den Mitmenschen und der Umwelt.

„Equal Care“ ist eines der Bücher zur Stunde. Auf wenigen Seiten und gut lesbar stellen Almut Schnerring und Sascha Verlan dar, was „Care“ überhaupt bedeutet (es gibt kein deutsches Wort, das diesen Sinn darstellen kann – Fürsorge trifft es nicht ganz genau), wer sie leistet, wie sie gewertet wird. Und wie sie gewertet werden müsste, um ihr gerecht zu werden, mit positiven Folgen für jeden Einzelnen. Dabei analysieren und entwerfen sie gerade nicht nur für die privaten Care-Situationen, sondern betrachten Verantwortlichkeit auch aus unternehmerischer und staatlicher Sicht. Auch wenn das Buch in recht kurzer Zeit gelesen ist: Der Inhalt beschäftigt lange und nachhaltig.

Almut Schnerring / Sascha Verlan: „Equal Care. Über Fürsorge und Gesellschaft“, Verbrecher Verlag, 978-3-95732-427-6, € 16,00, eBook € 10,99   

Geschichte im Comic

Als der deutsche Kaiser im November 1918 abdankte und zwei Tage darauf das Waffenstillstandsabkommen unterschrieben wurde, hatten die Alliierten noch keine konkreten Vorstellungen, wie es mit den deutschen Ländereien weitergehen sollte. Dass sie aufgeteilt und unter Aufsicht gestellt werden sollten, das war klar; und auch dass einige Gebiete anderen Ländern zugeschlagen werden sollte – aber wie genau die Grenzen verlaufen sollten, dafür gab es (noch) keinen konkreten Plan.

So kam es zu einer Konstellation, die nur schwer vorstellbar ist: zwischen den beiden französischen Stützpunkten Mainz und Koblenz gab es ein kleines Gebiet, dass weiterhin deutsch blieb. Da aber die Bereiche rund um Mainz und Koblenz quasi mit dem Zirkel abgesteckt worden waren, ohne Rücksicht auf die bestehende Infrastruktur, waren die Menschen dort nur schwer zu erreichen und ein Warenaustausch kaum möglich, die Straßen endeten regelmäßig an französischen Grenzübergängen.

In ihrem Comic „Freistaat Flaschenhals“ erzählen Marco Wiersch und Bernd Kissel, wie es damals zugegangen ist, wie die Einwohner des „Freistaates“ (der politisch gar keiner war …) ihre Situation meisterten. Sie zeigen große Hilfsbereitschaft aber auch politisches Kalkül und Missgunst – ohne in die Falle der Schönfärberei zu tappen. Das ist wirklich interessant, auch schon für Jugendliche, und toll gezeichnet! Ab und an ist der Erzählstrang nicht ganz durchgehend, aber nach wenigen Bildern ist man wieder ganz in der Geschichte: Genau so soll es bei einer Graphic Novel ja auch sein.

Marco Wiersch / Bernd Kissel: „Freistaat Flaschenhals“, Carlsen Verlag, 978-3-551-78150-5, € 20,00  

Vor der Wahl

Die Wahl des US-amerikanischen Präsidenten wird uns die nächste Zeit beschäftigen. (Donald Trumps Tun tut es nicht minder …) Da ist es durchaus hilfreich, zu wissen, was einzelne Begriffe bedeuten, wer wann Präsident war und wer der dazugehörige Vizepräsident – aber auch, mit welchen Mitteln in der amerikanischen Demokratie gearbeitet, gekämpft wird.

Stefan A. Sengl hat auf einer längeren Studienreise durch die USA Einblicke in die Arbeit verschiedenster politischer Institutionen genommen, er kommentiert seit Jahren die Präsidentschaftswahlen im Fernsehen und begleitet und organisiert Wahlkämpfe in seiner Heimat Österreich. „Das politische ABC der USA“, in dem er einen Teil seines Wissens an uns Leser weitergibt, ist ein profundes Nachschlagewerk mit zahlreichen Querverweisen, das man immer wieder in die Hand nehmen kann – ob die Nachrichten gerade Neuigkeiten über die US-Wahl bringen oder man einen historischen Roman liest, der (auch) politische Hintergründe hat: Hier finden sich die passenden Informationen für ein breiteres Verständnis der Sachlage. Sehr empfehlenswert!

Stefan A. Sengl: „Das politische ABC der USA“, Czernin Verlag, 978-3-7076-0698-0 , € 14,00, eBook € 9,99

Klimakrise zum Anschauen

Wie wandelt sich das Klima? Und warum? Gibt es global gültige Faktoren? Kann es uns egal sein, dass die Pole abschmelzen?
Antworten auf diese und noch viel mehr Fragen kann man nahezu überall nachlesen, das Internet ist voll von Informationen. Auch Bücher zum Thema gibt es einige, wissenschaftliche und populärwissenschaftliche, übersichtliche und weniger übersichtliche, leider auch Polemik. Das ist eigentlich gut, weil sich jeder die für sich günstigste Herangehensweise aussuchen kann – und nicht ganz so gut, weil es mittlerweile ziemlich schwer ist, einen Überblick zu bekommen.

Für alle Jugendlichen und Erwachsenen, die vor allem Zusammenhänge begreifen, sich aber trotzdem schnell informieren wollen, ist „Das Klimabuch“ von Esther Gonstalla das passende Buch. Bereits in der dritten Auflage und damit aktuell in 2019 überarbeitet, stellt die Grafikerin auf jeweils einer Doppelseite verschiedene Einzelthemen dar (von „Wie das Klimasystem funktioniert“ über „Versteckte Emissionen im Warenhandel“ und „Das Meereis in der Arktis schwindet“ bis „Nachhaltig konsumieren“). Die Sortierung ist so gewählt, dass die Themen in der Reihenfolge aufeinander aufbauen – man kann also jede Seite für sich betrachten, aber auch einen guten Zusammenhang herstellen. Darüber hinaus ist in kurzen Notizen erklärt, worauf es ankommt; und oft genug ist auch eine wichtige zusätzliche Information abgedruckt (z. B. das zum Fußabdruck von uns hier in Deutschland natürlich auch die Produktion von uns genutzter Waren in der ganzen Welt gehören.)

Rundum empfehlenswert!

Esther Gonstalla: „Das Klimabuch – Alles, was man wissen muss, in 50 Grafiken“, Oekom Verlag, 978-3-962381-24-0, € 24,00, eBook € 18,99
Dokumente – oder Fälschungen?

In "Mengeles Koffer" aus dem Osburg Verlag beschreibt Bogdan Musial, deutsch-polnischer Historiker, wie ihm Dokumente aus dem Nachlass eines Häftlingsarztes angeboten werden, der unter Mengele gearbeitet haben soll. Wie er erst ziemlich mühsam an die Unterlagen kommt, immer wieder vertröstet wird und nur durch sorgfältiges Arbeiten und die Hilfe eines klugen Übersetzers einem Betrug auf die Spur kommt - sämtliche Dokumente sind gefälscht. Musial beschreibt aber auch, auf vielen, vielen Seiten, sehr sachlich und in der Fülle kaum fassbar, das System Auschwitz. Nur durch die nüchterne Darstellung ist das überhaupt lesbar. Aber auch darum ist „Mengeles Koffer“ ein beeindruckendes, wichtiges Buch.

Und aus dem Grund, den Musial selbst benennt (S. 161 und 162): "Denn neben den Schäden, die sie (die Fälscher) im Leben Einzelner anrichten, entfalten sie gesamtgesellschaftlich eine verheerende Wirkung: Sie schüren generell Zweifel an der Authentizität von - oft ohnehin spärlichen - Quellen zum sogenannten Dritten Reich. (...) Sie spielen damit all jenen in die Hände, die die Erkenntnisse der Forschung zum Nationalsozialismus und insbesondere den Holocaust ohnehin für eine Lüge halten."

Bogdan Musial: „Mengeles Koffer – Eine Spurensuche“, Osburg Verlag 978-3-955102-00-5, € 24,00  eBook € 14,99
 
Zukunft? Zukunft!

Mario Sixtus, Jahrgang 1966, ist Journalist, Dokumentarfilmer, Online-Berichterstatter, er ist der Online-Welt fast näher als der Offline-Welt. In seinem ersten Buch verbindet er beide Welten und reicht sein profundes Wissen über „Zukunft“ an uns Leser*innen weiter: Er erklärt, wie sich unsere Sicht auf die Zukunft im Laufe der Zeit verändert hat, ob und was Zukunft überhaupt ist. Er stellt dar, wie unser Gehirn durch die ihm eigene Chemie arbeitet, wie es mit Informationen umgeht und was dies wiederum mit unseren Reaktionen bezüglich des „Später“ zu tun hat. Das ist ausgesprochen interessant und sehr vergnüglich zu lesen. Vergnüglich nicht wegen der Quintessenz (die sieht Sixtus dezent hoffnungsvoll …), sondern vergnüglich bezüglich seiner Vergleiche und Verweise, die oft sehr bildhaft dargestellt werden.

Selbstverständlich kann man Sixtus‘ Buch wegen des Begriffs Zukunft lesen. Aber wirklich wichtig wird es, weil er die Zukunft vor dem Hintergrund der Klimakatastrophe betrachtet – zu wissen, warum wir Menschen wie zukunftsfähig sind, ist ein Schlüssel zur Veränderung. Und die ist dringend nötig!

Mario Sixtus: „Warum an die Zukunft denken?“, Verlag Duden, 978-3-411-75634-6, € 14,00, eBook 11,99 €



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