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Unsere Sachbuch-Empfehlungen in 2015:


Worte finden. Für alles.
 


Jeden Samstag gibt es in der SZ auf Seite fünf einen Beitrag von Carolin Emcke – da habe ich die Autorin für mich entdeckt. Ihre intelligenten Kommentare verbinden Philosophie und Religion in ungewöhnlicher Weise mit Tagesgeschehen und Politik; auch wenn sie glasklar formuliert, weiß man oft anfangs nicht, wie die Quintessenz sein wird. Im vorliegenden Buch hingegen ist der Titel Programm: „Weil es sagbar ist“ ist ein Plädoyer für eine vielfältige, kluge, wohlformulierte Berichterstattung aus den Krisen- und Kriegsgebieten der Welt, eine Berichterstattung, die vor allem die Opfer in den Mittelpunkt stellt und dabei stets deren Würde wahrt. Sie leitet in diesem sehr persönlichen Text her, wie das Wort finden für Not und Gewalt aus namenlosen Opfern wieder Menschen macht – und damit uns allen die Aufgabe gibt, menschlich zu handeln.
 
Aber auch die anderen Essays dieses Buches, erwähnt sei besonders „Herausforderung Demokratie“, erreichen eine „gedankliche und sprachliche Präzision, die ihresgleichen sucht, und einen intellektuellen Mut, der bewundernswert ist.“ (Zitat Heribert Prantl).
 

 Carolin Emcke: „Weil es sagbar ist. Über Zeugenschaft und Gerechtigkeit.“
Fischer Verlag, € 10,99, eBook € 9,99, HC € 19,99   

Hochaktuell

Inhalt: 
Hassan Ali Djan war, als er mit 16 Jahren in Deutschland ankam, weil der LKW in dessen Ersatzreifen er geklettert war zufällig hierher fuhr, im Grunde ein „Wirtschaftsflüchtling“. In seinem Heimatdorf Almitu in Afghanistan lebte die Volksgruppe der Harara zwar schon unter der Gewaltherrschaft der Taliban, aber trotzdem war damals ein für dortige Verhältnisse normales Leben möglich. Djan machte sich auf den Weg in ein besseres Leben, weil er nach dem Tod des Vaters als ältester Sohn verantwortlich für das Überleben der Familie ist (immer noch!) und es dort keine Möglichkeit gab, ausreichend Geld zu verdienen. Gegen den ersten Abschiebebescheid legte er Einspruch ein – und dass er danach eine Aufenthaltsgenehmigung erhielt, liegt an den nun sehr gefährlichen Verhältnissen in seinem Heimatland.

Warum lesen?
Hassan Ali Djan erzählt in einfachen, eindringlichen Worten, wie es ist, nicht zu wissen, wovon man leben soll. Wie es ist, sich in schlecht bezahlten, riskanten Jobs zu verdingen. Wie es ist, sich schließlich auf eine höchst gefährliche Reise mit unbekanntem Ziel zu begeben. Wie es ist, hier in Deutschland anzukommen und sich heimatlos und völlig nutzlos zu fühlen. Er erzählt es direkt und deutlich – und jeder, der sich auch nur ein wenig mit der Gesamtproblematik beschäftigt, sollte das lesen.
 
Hassan Ali Djan: „Afghanistan. München. Ich.“,
Herder Verlag, HC € 19,99, eBook € 15,99 
 
Ein Nachschlagewerk?
 
Inhalt: 
Ardistan und Dschinnistan sind zwei Länder aus Karl Mays Alterswerk, ihre Lage im Orient oder gar auf dem Stern Sitara ist ungeklärt, die Menschen agieren heroisch. Die Bücher, in denen sie vorkommen, weisen eine Vielzahl zeitgenössischer und philosophischer Bezüge auf – Werner Nell hat das im ersten Eintrag seines „Atlas der fiktiven Orte“ wunderbar dargestellt. Springfield hingegen ist (amerikanischer) Durchschnitt. Seine Bewohner, allen voran Familie Simpson, wurschteln sich durch ihren reichlich irritierenden Alltag. Doch auch in Springfield entdeckt Nell eine Art philosophische Grundhaltung, wobei die Geschichten eher ins Lustige, Komische oder Lächerliche drehen als ins Tragische. Und das sind nur zwei Beispiel dieses Buches!

Warum lesen? 
Von Ardistan und Atlantis bis Xanadu und Zauberberg – der „Atlas der fiktiven Orte“ spannt einen weiten Bogen über die 30 wichtigsten Fantasieorte der Weltliteratur. Mit großer inhaltlicher und kartographischer Genauigkeit gestaltet, bereitet er einerseits einfach Vergnügen und ist andererseits ein interessantes Nachschlagewerk.
 
Werner Nell / Steffen Hendel: „Atlas der fiktiven Orte.“ Meyers Verlag, € 15,00
 
Sachbuch
 
Inhalt: 
Barbara ist ein Phänomen. Nicht so sehr, weil sie übers Internet bekannt geworden ist – das ist ja eher nichts Besonderes mehr. Sondern, weil ihre Poster in so vielfältiger Weise bereits Vorhandenes ergänzen und abstrahieren das man sich gar nicht sicher ist, ob „Barbara“ vielleicht mehrere Menschen sind. Im Grunde ist das aber egal: Barbaras Arbeiten haben einfach einen hintergründigen Witz, der Spaß macht und zum Nachdenken anregt. Beispiel gefällig? „Wenn Glatzen-Hooligans ihre geschorenen Haare spenden, damit Salafisten mit mangelndem Bartwuchs sich daraus ein Bart-Toupet flechten können, dann glaube ich an den Weltfrieden.“

Warum lesen? 
Das Internet vergisst ja nichts. Und trotzdem: ein ganzes Barbara-Buch, zum Immer-wieder-in-die-Hand-nehmen, zum Denken-Helfen und zum Sich-daran-erfreuen ist einfach genial.
 
Barbara: „Dieser Befehlston verletzt meine Gefühle.“, Lübbe Verlag, € 12,99 
 
Sachbuch
 
Inhalt: Die BBC hatte Anfang des 21. Jahrhunderts eine ehrgeizige Projektidee – anhand von 100 Objekten aus dem Britischen Museum sollte die Geschichte der Welt erklärt werden. Wohlgemerkt, das Ganze war für’s Radio konzipiert, sie mussten also erst einmal beschrieben werden (allerdings konnte man sie sich auf der Homepage der BBC auch ansehen und im Buch sind sie auch mit dabei). In den wenigsten Fällen, eigentlich nur in der jüngeren Geschichte, sind außer dem Artefakt auch Erklärungen mit überliefert; meist haben die Wissenschaftler neben den Fakten auch ein Gutteil Fantasie bemühen müssen, denn was wie verwendet wurde, erschließt sich nicht immer gleich. Genau das macht nun den Reiz dieses Buches aus: anhand der je 5 Objekte aus 20 Themengebieten wird der Alltag der Menschen gezeigt. Natürlich kommen auch die großen Ereignisse der Weltgeschichte vor – allerdings in anderen Zusammenhängen als den Üblichen.
Warum lesen: „Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten“ ist keines von den Büchern, die man an einem Stück liest – dafür ist es zu vielfältig und komplex. Zum immer wieder in die Hand nehmen, zum Staunen, zum Lernen und zum Erfassen der Welt in anderen Zusammenhängen ist es jedoch perfekt. Und zwar bereits für Jugendliche.
 
Neil MacGregor: „Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten“, C. H. Beck-Verlag, € 25,00

Leben und Schreiben bis zum Schluss
 
Als der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf Anfang 2010 erfährt, dass er nicht mehr lange zu leben hat, überlegt er, wie er die ihm noch verbleibende Zeit verbringen möchte. Soll er eine Weltreise machen? Sich nur noch verwöhnen und es sich gutgehen lassen? Herrndorf erkennt, dass er vor allem eines will und braucht: Arbeit und Struktur. Das vorliegende Buch umfasst die tagebuchartigen Aufzeichnungen des Autors, die er zwischen 2010 und seinem Suizid 2013 auch in einem Internetblog veröffentlichte. Sie handeln vom Schreiben und vom alltäglichen Leben, von Kindheitserinnerungen und Gedanken an die Zeit, wenn es ihn einmal nicht mehr geben wird. Die Sprache des Tschick-Autors ist schnörkellos und direkt, aber dennoch tiefgreifend poetisch. Ein Buch über das Sterben, das auch, aber geprägt von unbändiger Lebenslust und sehr oft auch großem Humor.
 
Wolfgang Herrndorf: „Arbeit und Struktur“, Rowohlt Verlag, € 10,99, eBook € 9,49 

Von der Pike an
 
„Bevor du losschnitzt, erfährst du in der Einleitung welche Technik und welches Werkzeug für dich wichtig sind. Schau dir diese Informationen gemeinsam mit einem Erwachsenen an. Auch beim Schnitzen kannst du immer einen Erwachsenen um Hilfe bitten.“ So beginnt die gerade im Kosmos-Verlag erschienene „Meine Schnitzwerkstatt“ – und genau so direkt und deutlich ist das ganze Buch. Es wendet sich an Kinder ab acht Jahren, nimmt sie gleich mit ins Geschehen, stellt aber stets klar, dass die Hilfe eines Erwachsenen nötig sein wird und auch erwünscht sein sollte. Bevor es ans Schnitzen geht (es gibt unterschiedliche Projekte in drei Schwierigkeitsstufen) wird genau erklärt, was man benötigt, wie man damit umgeht, was zu beachten ist. Ergänzt werden diese Informationen um solche für Erwachsene: So steht fest, dass tatsächlich alle Vorkehrungen getroffen sind und das Schnitzen ein tolles Hobby werden kann!
 
Astrid Schulte: „Meine Schnitzwerkstatt“, Kosmos Verlag, € 19,99 
 
Eine Reise in die Vergangenheit
 
Es ist der Sommer des Jahres 2013, der Autor und Journalist Friedrich Dönhoff ist mit seinem Freund Jerry Rosenstein unterwegs, er möchte dessen Lebensgeschichte veröffentlichen: Rosenstein wurde im Mai 1927 in Bensheim geboren und hat hier seine Kindheit verbracht. Mitte der dreißiger Jahre flüchtete die Familie nach Amsterdam, das Leben in der Heimatstadt war zu gefährlich geworden. Als Hitlers Truppen 1940 nach Holland einmarschierten, gab es keine Möglichkeit mehr, nach Amerika zu fliehen. Gemeinsam mit den Eltern verschleppten die Nazis Jerry nach Theresienstadt, danach nach Auschwitz und Blechhammer. Jerry Rosenstein hat alles erlebt – seine Beschreibungen des „Lebens“ dort mit all seinen Grausamkeiten, den erbarmungslosen Nazischergen und den sich jedes Gefühl verbietenden Mitgefangenen sind eher zurückgenommen und doch deutlich. Der Kontrast zum heutigen Alltag, der durch Dönhoffs Erzählweise entsteht, hält die Erlebnisse auf Abstand, so wie Jerry Rosenstein sie auf Abstand hielt und hält, um zu überleben. Eigentlich gehört das Buch (gelesen!) in jedes Bücherregal.
 
Friedrich Dönhoff: „Ein gutes Leben ist die beste Antwort.“, Diogenes Verlag, € 19,90, eBook € 17,99
 
Wow
 
Graphic Novels sind ein eigenständiges Genre, und innerhalb dieses Genres wiederum gibt es alle Themen, die es in „normalen“ Büchern auch gibt, von der Liebesgeschichte bis hin zur Biographie. Und natürlich gibt es auch da richtig gute – wie zum Beispiel die wahre Geschichte des blonden Riad Sattouf:
Es sind die 70er Jahre, als Riads Vater an der Sorbonne in Paris Politologie studiert und dabei seine Frau kennenlernt, die beiden gründen eine Familie und Riad wird geboren. Mit seinem Abschlusszeugnis bewirbt sich der Vater jedoch nicht in Frankreich, sondern in Libyen, um wenig später mit der mittlerweile vierköpfigen Familie zu seiner Großfamilie nach Syrien zu ziehen. Und so beschreibt der erwachsen gewordene Riad ein Leben in zwei Welten und aus der Perspektive eines Vorschulkindes, mit Eltern, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich auf unerklärliche Weise nahe stehen. Seine Bilder sind nur scheinbar einfach, dabei ist jeder Strich sehr genau gesetzt, auch die Farbwahl ist wohldurchdacht. Riad Sattouf zeigt uns anhand seiner eigenen Geschichte die arabische Welt – und wir Leser sehen sie danach aus ganz anderen Augen.
 
Riad Sattouf: „Der Araber von morgen.“, Knaus Verlag, € 19,99

Sehr anregend
 
Ganz ehrlich: einen Preis für Stil und Sprache bekommt Wolfgang M. Heckl für diesen Lieblingstitel nicht. Dafür gibt es darin einen Hauch zu viele Wiederholungen. Aber den strebt Herr Heckl ja auch gar nicht an – er möchte uns alle vielmehr unterhaltsam auf die verpassten Chancen namens Reparatur und Upcycling hinweisen. Und das gelingt dem Generaldirektor des Deutschen Museums in München mit großem Sachverstand und vielfältigen Beispielen, vom Flechtkurs für Kunststoffreste bis hin zur Motorreparatur, von Modedesign aus „alten“ Lieblingsstücken bis hin zur Nachhaltigkeitsprüfung von Lichtquellen. Sein eigenes Erleben spielt dabei immer eine große Rolle und genau das macht den Charme und die Lebensnähe dieses Sachbuches aus. Ein wichtiger Titel, anregend zu lesen und sehr gut geeignet für Jung und Alt.
 
Wolfgang M. Heckl: „Die Kultur der Reparatur“, Goldmann Verlag, € 8,99, geb. € 17,99, eBook € 8,99 
 
Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
 
Seit dem Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ ist sie in aller Munde: die Meinungs- bzw. Pressefreiheit als wichtiges Korrektiv in unserem demokratischen System. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ gibt seit 20 Jahren einen Bildband heraus, mit Reportagen aus der ganzen Welt; die Journalisten und Fotografen stellen hierfür Material kostenlos zur Verfügung – und der Erlös fließt in die juristische und medizinische Unterstützung verfolgter Journalisten, auch die vielfältige Arbeit gegen Zensur wird daraus finanziert. Vor diesem Hintergrund stellen wir Ihnen das schmale Buch besonders gerne vor.
Unsere Faszination dafür wecken jedoch die Reportagen selbst; es sind einzigartige Bilder und Texte, sie entstanden in der ganzen Welt. Einige porträtieren die politische Entwicklung, andere bisher unbekannten Alltag, da gibt es das quirlige Leben in einer Zeitungsredaktion und ein paar Seiten darauf das ruhige, sehr besondere Leben am Gelben Fluss in China. Allesamt sind sie eindrucksvoll - und sehens- bzw. lesenswert.
 
„Fotos für die Pressefreiheit.“, Hrsg. Reporter ohne Grenzen, € 12,00

Herzen wohin man sieht …
 
Wir fanden, es ist einfach eine schöne Idee, das Jahr 2015 mit ganz viel Herz(en) zu beginnen: im Bildband „See a heart – share a heart“ sind mehr als zweihundert Fotos versammelt, alle völlig unterschiedlich und doch alle mit immer dem gleichen Motiv – mit dem titelgebenden Herz. Eric Telchin fand durch Zufall zu seinem Lieblingsobjekt; bei einer Abschiedsfeier hatte ein Schokoladeneisfleck diese Form und von da an sah und fotografierte er Herzen in allen Größen, Formen und Farben. Irgendwann begann er, sie auf einer Homepage zu veröffentlichen, mittlerweile schicken ihm Menschen aus der ganzen Welt zur Ergänzung derselben ihre Fundstücke zu. Er bearbeitet die Fotos der Herzen nie nachträglich, weil sie ihm genauso gefallen, wie sie sind. Sein Buch finden wir, Seite für Seite, richtig schön!
Man könnte es übrigens auch als Sehschule nehmen: was sehen Sie denn überall? Vielleicht Gesichter?
 
Eric Telchin: „See a heart – share a heart.“ Pattloch Verlag, € 12,99  



Unsere Sachbuch-Empfehlungen in 2014:


Ein Kochbuch? Kein Kochbuch?
 
Wenn jemand schnell ein gutes Rezept finden will oder es liebt, Kochbücher wegen der hungrig machenden Fotos durchzublättern, muss er jetzt gar nicht mehr weiterlesen: „Kann denn Kochen Sünde sein?“ erfüllt diese Kriterien nicht.
Muss es aber auch gar nicht. Denn Guillaume Longs Comic ist, was ein Comic bestenfalls ist: nämlich ungeheuer komisch (wissen Sie, was man so alles in der Küche erleben kann?) und mit vielen Fakten gespickt (wir haben zum Beispiel gelernt, was Fische mehlieren ist – und wie man das schnell und effektiv erledigt). Nur mal reinblättern geht übrigens nicht, das Buch will wirklich gelesen werden. Und, das hätten wir fast vergessen, Rezepte gibt’s darin auch.
 
Guillaume Long: „Kann denn Kochen Sünde sein? Ein Comic für Genießer.“, Carlsen Verlag, € 24,90

Nicht Schuld. Aber Verantwortung.
 
Das antwortete Jennifer Teege bei der Lesung im Gernsheimer Gymnasium am 9. November 2014 auf die Frage, was sie denn mit Blick auf den Holocaust empfinde. Jennifer Teege hat einen nigerianischen Vater, ihr Großvater mütterlicherseits war Amon Göth, SS-Sturmführer und sadistischer Leiter des KZ Plaszów – eine Verbindung, die Jennifer Teege mit Ende dreißig zufällig entdeckt. Es ist ein Schock für sie. Sie beginnt Recherchen über den Großvater, reist nach Krakau, liest alles über Plaszów und die polnischen Juden, was sie irgend bekommen kann. Und muss erkennen, dass nicht nur Amon Göth unbeschreibliche Schuld auf sich geladen hatte, sondern auch ihre geliebte Großmutter Ruth Irene Göth: das alles beschreibt sie im Buch „Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen“ mit großer Intensität. Die Passagen der Journalistin Nikola Sellmair beschreiben hingegen das Leid der Menschen damals. Zusammen gelingt ihnen, was nötig ist – das Wissen um die damaligen Vorgänge lebendig zu halten und uns anzuregen, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.
 
Jennifer Teege: „Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen“, Rowohlt Verlag, € 9,99, eBook € 9,99  


Nicht nur für Nerds.

Randall Munroe ist Physiker und Internet-Star: er beantwortet, schriftlich und mit selbst gezeichneten Comic-Strips, physikalische Fragen, auch wenn sie vollkommen absurd scheinen. „Wie schnell dürfte man fahren, um den Aufprall auf einen Bremshügel noch zu überleben?" zum Beispiel, oder „Was geschieht mit der Erde, wenn die Sonne erlischt?" – ausführlich, gut verständlich und wissenschaftlich korrekt sind Munroes Antworten. Seinen leidenschaftlichen Fankreis hat er aber, weil sie dazu noch ausgesprochen unterhaltsam sind! Und das funktioniert als Buch ganz genauso gut wie auf YouTube …
Randall Munroe: „what if? Was wäre wenn?",
Knaus Verlag, €14,99, eBook € 11,99


Los geht’s!

Nein, Lebkuchen backen sollen Sie jetzt noch nicht. Aber sich so langsam überlegen, was man Selbstgemachtes zu Weihnachten verschenken mag – das kann man ohne schlechtes Gewissen. Ganz im Gegenteil, hat man doch noch genügend Zeit, in Ruhe zu wählen und die Materialien zu sammeln. Und vor allem entspannt und mit reichlich Vergnügen loszulegen! Antje von Stemms Buch „Geschenke basteln" ist hierbei für alle bastelfreudigen Kinder eine großartige Hilfe: es hat pfiffige Ideen, gute Erklärungen, genug Raum für die eigene Phantasie (damit es wirklich persönlich wird), dazu gibt es jede Menge Basisanleitungen in denen Grundfertigkeiten vermittelt werden. Kann man nur empfehlen.

Antje von Stemm: „Geschenke basteln!", Gerstenberg Verlag, € 19,95


Teil Zwei

Pelle Sandstrak ist Vortragsredner, sein Programm heißt „Herr Tourette und ich", er wird regelmäßig und in der ganzen Welt auch für Fachkongresse gebucht. Seine Kindheit und Jugend in dörflicher Umgebung war verhältnismäßig normal, doch als junger Erwachsener entwickelte er Zwangsstörungen und erst nach Jahren der Suche fand er die entsprechende Diagnose und Hilfe. Nur ein Teil seiner Erkrankung ist das Tourette-Syndrom ... In seinem ersten Buch „Herr Tourette und ich" hat Pelle Sandstrak sein Leben bis zum 25. Jahr beschrieben, nun legt er Teil zwei der Biographie vor. Und da geht es nun nur am Rande um Tourette oder Zwangsstörungen – es geht vor allem um einen Weltreisenden, der eine ganz ungewöhnliche Art der Wahrnehmung hat, der sehr genau beobachtet und seine Beobachtungen amüsant, informativ und in hilfreicher Weise
aufzuschreiben weiß. Und uns Leser damit im besten Sinne an seinen Erlebnissen, seinen „Abenteuern eines glücklichen Menschen" teilhaben lässt.
Pelle Sandstrak: „Herr Tourette auf Tour",    
Bastei Lübbe Verlag, € 8,99, eBook € 7,49

Haarsträubend.

Röcke, die das Leben von Mary Kingsley retten. Tomaten, die keiner isst. Die Friedensstrahlen des merkwürdigen Herrn Tesla. Und der Misserfolg des legendären Pony-Express: Das sind nur vier der rund 200 haarsträubendsten Fehler der Weltgeschichte, die Philip Ardagh in seinem völlig nutzlosen Buch zusammengetragen hat. Braucht ja eigentlich kein Mensch. Ist aber sehr, sehr unterhaltsam zu lesen! Und zwar nicht nur für 10jährige, die lieber kurze Sequenzen als lange Texte lesen.
Wie der Verlag es schreibt: Wenn sich irgendwo die Gelegenheit ergibt, irgendwelchen Quatsch anzustellen, kann man mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass irgendwer irgendwann die Chance dazu ergreifen wird. Oder schon ergriffen hat.
„Philip Ardaghs völlig nutzloses Buch der haarsträubendsten
Fehler der Weltgeschichte." Arena Verlag, € 6,99, eBook € 6,99

Für Jugendliche und Erwachsene

Es war ein ehrgeiziges Projekt, das der Zeichner Jörg Mailliet und der Autor Alexander Hogh übernommen haben: sie wollten den ersten Weltkrieg darstellen, ihn für Jugendliche begreifbar machen – in einer Art, die hierzulande noch immer nicht ernst genommen wird, nämlich als Comic. Man kann sie nur beglückwünschen, denn es ist ihnen in jeglicher Hinsicht gelungen!
Sie haben mit Hilfe der Tagebücher von vier Jugendlichen, die tatsächlich gelebt haben (Walter und Nessi aus Deutschland und Lucien und René aus Frankreich), den Alltag kurz vor und während des Krieges dargestellt, dabei nichts geschönt oder ausgelassen. Es gelingt ihnen, das Grauen des Krieges und die menschlichen Dramen nüchtern zu dokumentieren und trotzdem in der Vorgabe „für Menschen ab 12 Jahren" zu bleiben. Ihre kurzen Texte und eindringlichen Bilder zeigen die Lebenswirklichkeit der Menschen, ihre Ängste genauso wie ihre Lebenslust.
Der Erste Weltkrieg als Comic? Braucht man das? Ja, braucht man.

Hogh / Mailliet: „Tagebuch 14/18 – Vier Geschichten aus Deutschland und Frankreich.", Tintentrinker Verlag, € 20,00  


Für kreative Pausen.

„Du bist ein Autor. Wie heißt dein Bestseller?", „Du hast eine Imbissbude. Was grillst Du heute?" oder „Du bist verlobt. Zeig her die Klunker!" – dazu eine Doppelseite mit Schwarz-Weiß-Fotos und viel Weißraum, zum Anmalen, Bekritzeln oder Bekleben: Über 100 Malvorlagen bietet dieses Buch, für kreative Pausen sind sie genauso geeignet wie für den entspannten Feierabend, für Kinder (allerdings keine Kindergartenkinder) genauso wie für Erwachsene, man braucht nur bunte Stifte, Klebstoff, alte Zeitungen und schon kann es losegehen. Finden wir einfach gut!

Élodie Chaillous / Wahram Muratyan: „Mal-Zeit", Mosaik, € 12,00


Hochinteressant und mit leichter Hand

Fachwissen ist ja so eine Sache: diejenigen, die es haben, können es oft nicht vermitteln. Das ist bei Guilia Enders völlig anders! Ihre Obsession ist der Darm, ihr Wissensfundus über das „unterschätzte Organ" ist groß. Und sie ist in der Lage, die Fakten über seine Funktionsweise, Nahrungsunverträglichkeiten, die Verbindung von Darm und Gefühlen, das Nervensystem und vor allem die hilfreiche Darmflora locker und unterhaltsam darzulegen. Die charmante Medizinerin mit Hang zur Bühne – sie ist durch den Science Slam in Freiburg und den dazugehörigen YouTube-Clip bekannt geworden – widmet sich schon seit Jahren ihrem Lieblingsthema. Ihr Wissen ist auf dem neuesten Stand, selbst Studien aus 2013 sind ins Buch mit eingearbeitet, man merkt in jedem Abschnitt, wie wichtig es ihr ist, Zusammenhänge korrekt und aktuell darzustellen. Absolute Leseempfehlung für eigentlich jedermann!
Giulia Enders: „Darm mit Charme.", Ullstein Verlag, € 16,99, eBook € 14,99


Reisevergnügen zum kleinen Preis

Da wird man ganz sehnsüchtig: Polyglott hat im März einen Sonderreiseführer mit dem Titel „Bella Italia – 50 legendäre Touren gestern & heute" herausgebracht. Das „gestern" ist meist eine viertel Seite Text, außerdem ist das ein oder andere historische Foto in den Gesamttext hineinverwoben, das ist gefällig, interessant und schön. Wirklich toll wird es bei den Informationen zum Hier und Jetzt: sie sind klug und unterhaltsam zusammengestellt, gut recherchiert und dabei ausgesprochen angenehm geschrieben.
Nach zwei Stunden mit diesem Reiseführer wollten wir einfach nur die Koffer packen und nach Italien reisen! Und das hätten wir auch ohne Auto machen können, denn als kleines Extra liegt die Broschüre „Zwischen Brenner und Bologna – ohne Auto nach Italien" bei.

„Bella Italia – 50 legendäre Touren gestern & heute", Polyglott Verlag, € 10,00


Ein Muss …

Beschwipste Eulen-Plätzchen, Recycling-Eulen-Deko und Eulen-Spiegel – das sind nur drei der interessanten DIY-Projekte mit dem Lieblingstier der Gernsheimer im Fokus. „Die Eulenwerkstatt" präsentiert noch 37 weitere Ideen zum Selbermachen, manche für Anfänger geeignet, manche für Könner, einige lassen Kinderherzen höher schlagen, andere verschönern das Wohnzimmer: schon allein das Durchblättern macht Freude und weckt die Lust am Werkeln. Die zum überwiegenden Teil originalgroßen Vorlagen und detaillierten Erklärungen sorgen dann dafür, dass das Ergebnis sich sehen (und nutzen) lassen kann.
Im Übrigen sind es ja nicht nur die Bürger der Rheinstadt, die Eulenmotive zu schätzen wissen: seit Jahren gibt es einen regelrechten Boom um die als weise geltenden Flatterwesen. Können wir gut verstehen.

Kristiana Heinemann / Karina Stieler: „Die Eulenwerkstatt", Knaur-Verlag € 14,99


Nicht zu früh …

In diesem Jahr beginnt die Spargelernte, besonders im Vergleich zum letzten, sehr kalten Jahr, richtig früh – es gibt Gegenden, in denen schon Mitte März geerntet wurde. Und auch bei uns steht das Anfang April an. Es verspricht also eine lange Saison zu werden … Da ist es gut, viele Rezepte zu haben. Bereits seit 2012 gibt es im Bassermann Verlag „Grüner & weißer Spargel", ein Kochbuch, wie es sein sollte: genaue Zutatenlisten, passende Zeitangaben und gute Beschreibungen sorgen für Kochvergnügen. Da gibt es schlichte Rezepte, wie die Kartoffel-Spargel-Pfanne und kompliziertere, wie den Spargel auf Königsberger Art, allesamt schön bebildert und sehr Appetit anregend. Dass auch das Register überzeugend ist (es ist sowohl alphabetisch als auch nach Anlass sortiert), muss man da (fast) nicht mehr erwähnen.
Karl Newedel: „Grüner & weißer Spargel",   
Bassermann Verlag, € 9,99, eBook € 8,99



Interesse?

Kurze, sehr persönliche Stellungnahmen über Themen wie Glück, Kunst, Elternschaft, Wahrsagen, Eitelkeit oder Platon gefolgt von ein paar Fragen dazu, mehr bietet dieses Buch nicht. Und trotzdem begeistert es uns, denn die Autorin Olivia Fane bringt ihre Leser auf kluge Art und Weise dazu, sich über eigene Ansichten Gedanken zu machen. Vor allem aber verführt sie dazu, über die wichtigen Themen des Lebens mit den Freunden und Liebsten Gespräche zu führen, sich intensiv auszutauschen und damit einander näher zu kommen. Selbst wenn man nicht alle Texte gutheißen mag, Fanes Meinung bietet stets Anlass zum Nachdenken.
Bücher über die Kunst des Smalltalks sind uns schon öfter begegnet – gerne tragen
sie den Untertitel ‚Menschen für sich gewinnen‘ (oder so ähnlich). „Über das Wetter …" lehrt an Beispielen die Kunst des wirklichen Austauschs.
Olivia Fane: „Über das Wetter können Sie auch noch reden, wenn Sie tot sind.
60 Ideen für richtig gute Gespräche.", Knaur Verlag, € 14,99, eBook € 12,99  


Olten ist überall.

In Olten, einer Gemeinde mit rund 17 Tausend Einwohnern im Schweizer Kanton Solothurn, lebt der Autor Alex Capus. Seit rund 20 Jahren schreibt er Romane und Kurzgeschichten, in Deutschland sehr bekannt geworden ist er vor drei Jahren mit „Léon und Louise", der hinreißend erzählten Geschichte einer großen Liebe im letzten Jahrhundert. Hinreißend ist auch sein neuer kleiner Erzählungsband „Mein Nachbar Urs", in dem er vom alltäglichen Miteinander schreibt. Egal ob Capus leicht vernachlässigtes Velo zum Gesprächsthema wird und daraus eine Diskussion mit den Urs-Nachbarn über Perfektionismus entsteht oder ob er über die Sommer der Daheimgebliebenen schreibt und dabei unversehens über den Ramadan der Muslime nachdenkt – alles kommt heiter und leicht daher und offenbart erst bei genauerem Hinsehen die hineinverpackte Lebensklugheit. Die Geschichten aus Olten könnten eben überall sein.
Alex Capus: „Mein Nachbar Urs", Hanser Verlag, € 12,90, eBook € 9,99


Wir wollten uns nicht entscheiden.

Und darum haben wir einfach ZWEI Handarbeitsbücher ausgewählt: eines mit wunderschönen, sehr vielfältigen Schals und eines mit höchst erfreulichen Strickherzen. Das eine, weil es jetzt im Februar ja immer noch kalt draußen und die Auswahl an Halswärmern in diesem Buch sehr groß ist (einfarbig-gemustert gibt es da neben fröhlich-bunt und klassisch-elegant). Und das andere, weil die Herzen wegen des Valentinstages besonders gut in den Februar passen (die meisten Herzen sind schnell zu stricken). Außerdem kann man sowohl Schals als auch Herzen einfach nicht genug haben. Finden wir.

Bente Presterund Rovik: „Stricken mit Herz" TOPP im Frech-Verlag, € 14,99
Cathy Carron: „Coole Loops", Bassermann Inspiration, € 12,99


Eine Einführung in die Kunstgeschichte.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die Lust auf Kunst zu wecken: man kann ein einzelnes Bild von allen Seiten betrachten, Bezüge zum Entstehungszeitpunkt setzen, sich mit anderen Formen der Kunst, die in dieselbe Epoche gehören, auseinandersetzen. Oder man macht es wie Hildegard Kretschmer in „Das Abenteuer Kunst" - man wählt verschiedene Themen, sucht exemplarisch einige (durchaus bekannte) Bilder dazu heraus und beschreibt anhand dieser Abfolge nachvollziehbar, übersichtlich und hochinteressant die Entwicklung der Kunst. Kretschmer ergänzt ihre Auswahl um eine Auflistung der Epochen und Stile, eingegliedert in eine mehrere Seiten umfassende Zeittafel und um einen Glossar, der anschaulich erklärt, warum wer welche Bilder wie gemalt hat. Und dann? Ab ins nächste Museum.

Hildegard Kretschmer: „Das Abenteuer Kunst. Die Geschichte der Malerei.", Prestel Verlag, € 9,99



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