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Unsere Sachbuch-Empfehlungen in 2013:



Los geht’s.

Nun sind es keine zwei Monate mehr bis Weihnachten. Auch wenn das Wetter jetzt erst mal richtig herbstlich-nass werden sollte – die Vorfreude stellt sich doch ein, wenn man anfängt, sich über Geschenke Gedanken zu machen. „Wir brauchen doch nix, es ist schön, wenn Ihr einfach kommt.", das hört man zwar gerne, aber ohne welche zu kommen ist doch irritierend. Da passen die feinen „Geschenke aus der Weihnachtsküche", so der Untertitel dieses Buches, ganz wunderbar. Es beinhaltet Rezepte aus ganz Europa, nach Ländern gruppiert, allesamt zum Verschenken geeignet, da gut vorzubereiten und lange haltbar. Da macht schon das Durchblättern Lust auf einen Tag in der Küche, an dessen Ende süße oder deftige Freudenbringer ordentlich nebeneinander auf dem Esstisch stehen.
Regine Stroner: „Wünsch dir was!", Kosmos-Verlag, € 14,95


Eigentlich ein Wunder.

Und zwar eines, an das die Eltern selbst nicht so recht glauben wollten: mit 10 Jahren gelang es Carly Fleischmann, nachdem sie bereits seit ihrem zweiten Lebensjahr von verschiedenen Therapeuten jede nur erdenkliche Unterstützung bekommen hat, sich mit Hilfe geschriebener Worte verständlich zu machen. Carly Fleischmann leidet unter einer sehr schweren Form von Autismus. Ihre Wahrnehmung ist so überdeutlich, dass sie ihre Umgebung oft nur aus den Augenwinkeln anschaut, weil ihr Gehirn sonst zu viele Informationen verarbeiten muss. Dafür verarbeitet es ständig Fehlübertragungen: dauerhaftes Kribbeln und ständiger Schmerz sind Gefühle, die Carly permanent auszublenden versucht. Das alles kann sie nun durch die Technik mitteilen – bis dahin bestand ihr Leben aus Therapie, Schulunterricht, Zwangsstörungen, Ticks und Wutanfällen. Und aus der Überzeugung der Ärzte, sie würde geistig nie über den Stand eines Kleinkindes hinauskommen. Durch ihren Willen und die unbedingte Unterstützung der Familie ist Carly heute DAS Sprachrohr der Autisten des englischen Sprachraums. Ihre Geschichte ist zutiefst beeindruckend und sehr lesenswert!
Arthur und Carly Fleischmann: „In mir ist es laut und bunt.",
Heyne Verlag, € 12,99, eBook € 9,99

Spannend wie ein Krimi.

Manchmal werden wir Buchhändler nach Geschichten gefragt, die nicht erfunden sind, sondern tatsächlich passiert. Dafür haben wir unser Sachbuchregal – allerdings fällt es nicht immer leicht, ein Buch passend zuzuordnen. „Der Fall Thomas Quick" zum Beispiel könnte genauso gut im Krimiregal stehen. Denn die Geschichte von Sture Bergwall, der sich rund 10 Jahre seines Lebens Thomas Quick nannte und während dieser Zeit 30 Morde gestand, ist so packend geschrieben, dass man sie, wie einen guten Krimi, in einem Rutsch durchlesen mag.

Dabei lag es dem schwedischen Fernsehjournalisten Hannes Råstam eigentlich fern, eine Biographie zu machen. Vielmehr wollte er die beiden gegensätzlichen Lager dokumentieren, die von Quicks Schuld (der Oberstaatsanwalt Christer van der Kwast, der Ermittlungsleiter Seppi Penttinen, die Therapeutin Brigitta Stahle und Quicks Anwalt Claes Borgstroem) oder seiner Unschuld (allen voran der Professor für Kriminologie Leif GW Persson und der Reporter und Autor Jan Guillou) überzeugt zu sein schienen. Per Zufall fiel ihm dabei die Aufzeichnung einer Tatortbegehung in die Hände – und Hånnes Rastam war mittendrin in der Enthüllung des größten schwedischen Gerichtsskandals.

Hannes Råstam: „Der Fall Thomas Quick",
Heyne Verlag, € 17,99, eBook € 13,99


Englisch lernen!

John Peter Sloan war 15 Jahre Sänger einer Band, die quer durch Europa tourte. Nachdem diese sich aufgelöst hatte, suchte er sich in Italien einen Job als Englischlehrer – und war bald frustriert über die ineffizienten und wenig inspirierenden Bücher zum Erlernen der Sprache. Also gestaltete er seine Unterrichtsstunden selbst; im Laufe der Zeit entstand daraus ein Buch mit dem aussagekräftigen Untertitel „Der Kurs für alle, die denken, dass sie selbst das Problem beim Englischlernen sind.". Im Gegensatz zu herkömmlichen Lehrwerken beginnt Sloan gleichzeitig mit Grammatik UND Wortschatz: wenn schon gelernt werden muss, dann gleich richtig. Allerdings ist das weit weniger kompliziert, als es klingt, ganz im Gegenteil, die Art wie Sloan die Dinge zusammensetzt, hat einen hohen Unterhaltungswert. Dieser ist im Übrigen bei dem Video, das mit Kauf des Buches automatisch zum Download bereitsteht, selbstverständlich auch gegeben …

John Peter Sloan: „Instant English", Pons Verlag, € 14,90


Lucia Bornhofens Urlaubsbüchertipp 2013:

Dieses amüsante Sachbuch ist 2012 erschienen, allerdings sind die Texte zum Großteil nicht ganz so jung: das Buch fußt auf einer Radiosendung, die es bereits seit 40 Jahren gibt und die jeden Tag ausgestrahlt wird, dem WDR Zeitzeichen. Jeden Tag präsentieren die Redakteure 15 Minuten Information, und sie machen das ausgesprochen kurzweilig und abwechslungsreich. Heute die Pest, morgen der Fall der Mauer und übermorgen Cicero. Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Alltagsgeschichte. Aus den Radiobeiträgen wurden 21 Geschichten ausgewählt und in reine Schriftform gebracht, dass das funktioniert, beweist uns Lesern jede einzelne sehr faktenreich und dabei ausgesprochen unterhaltsam.

„Wie Dracula den Kopf verlor und Sissi die Lust",
KiWi, € 8,99, eBook € 8,99



Autorenlesung mit Ellen Thiemann am 17. Juni 2013 um 19.30 Uhr

Ellen Thiemann, 1937 in Dresden geborene Journalisten und Schriftstellerin, hat die Grausamkeit des DDR-Regimes am eigenen Leib erfahren müssen: ihr Versuch, im Dezember 1972 gemeinsam mit Ehemann und Sohn zu fliehen, wurde in Berlin von Grenzsoldaten vereitelt. Sie nahm alle Schuld auf sich und war zunächst im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, nach ihrer Verurteilung dann im Frauengefängnis Hoheneck inhaftiert. Sie ertrug selbst grausame Folter und erlebte mit, wie verzweifelte Strafgefangene Selbstmord begingen, wie Müttern die Kinder durch Zwangsadoptionen entrissen und Inhaftierte durch missbräuchlich eingesetzte Psychopharmaka ruhiggestellt wurden. In ihrem Buch „Wo sind die Toten von Hoheneck" schildert Ellen Thiemann auch die Repressionen durch die Stasi, die einstige Gefangene noch nach dem Mauerfall ertragen mussten. Die Journalistin hört nicht auf, die Verbrechen der DDR-Diktatur anzuprangern, es ist ihr ein besonderes Anliegen, immer wieder auf alte, noch bestehende Stasi-Seilschaften hinzuweisen. Denn was für die Täter heute oft entsetzlicherweise von keinerlei Belang mehr ist – für die Opfer bedeuten die erlittenen Traumata oft „lebenslänglich".
Ellen Thiemann: „Wo sind die Toten von Hoheneck",
Herbig Verlag, € 19,99, eBook € 14,99


Inspiration, Fakten und Trends

Was passiert, wenn sich eine Zeichnerin, deren Bilder nicht nur Mode sondern auch das dazugehörige Lebensgefühl zeigen, und eine Autorin, die Lehrbücher für Jugendliche schreibt und eigene Modekollektionen entwirft, zusammentun? Ein rundum gelungenes Mitmachbuch: die beiden Französinnen Sophie Griotto und Marie Vendittelli haben gemeinsam ein Designbuch Mode entwickelt und gestaltet – und es ist ein sehr vielfältiges, informatives und vergnügliches Buch für an Mode interessierte junge Mädchen und Frauen geworden. Es bietet eine Kombination aus trendigen Vorlagen, hilfreichen Anregungen und praxisnahen Anleitungen, enthält Porträts der führenden Modeschöpfer und zahlreiche Tipps rund um Farb- und Stoffwahl sowie die passenden Schnitte und Accessoires. Kann man nur empfehlen!

Marie Vendittelli / Sophie Griotto: „My world of Fashion." Coppenrath Verlag, € 14,95


Schreiben oder kochen?

Alice Vollenweider und Hugo Loetscher müssen sich das immer mal gefragt haben: im Jahr 1975 haben die beiden einen Briefwechsel geführt, der in der Neuen Züricher Zeitung veröffentlicht wurde. Sie parlierten über Freundschaft und Freunde, Politik und Politiker, vor allem aber über einfache Rezepte, leckeres Essen und gute Bezugsquellen für regionale Zutaten. Das ist so abwechslungsreich und schön zu lesen, dass man sich wunderbar amüsiert, obwohl Kochen und Essen in den heutigen Medien durchaus überpräsent sind. Und wenn man da manchmal beim Lesen hungrig wird (man wird!) – wie schwierig muss es für die beiden gewesen sein, sich zwischen Stift und Kochlöffel zu entscheiden? Nach einem Jahr dann verlegten der Schriftsteller Loetscher und die Übersetzerin Vollenweider ihren Schriftwechsel wieder ins Private. Die Neuausgabe von 2013 hat der Verlag netterweise um ein Rezeptregister ergänzt. Lesen oder Kochen?

Alice Vollenweider / Hugo Loetscher: „Kulinaritäten", Diogenes Verlag, € 16,90


Wissenswertes …

„Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe" soll Winston Churchill einmal gesagt haben. Gunther Müller sieht das ein bisschen anders: er hat in seinem Buch „Die Krone der Schöpfung" ganze Untersuchungsreihen überprüft und Statistiken gesichtet und ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Daten stimmen, dass wir Menschen aber oft genug den Schlüssen nicht glauben – weil wir ganz anderes gewohnt sind.
Nehmen wir zum Beispiel ein Paar. Fühlt es sich miteinander so gut, weil es sich liebt? Oder weil das Miteinander es dem einzelnen ermöglicht, in geschütztem Rahmen stets Neues zu entdecken? Müller behauptet, dass so manche Beziehung nicht ganz zufällig wie eine romantische Version des Stockholm-Syndroms wirke. Ob man das alles so glauben soll oder will – das überlassen wir doch jedem selbst. Aber lesenswert ist diese Sammlung in jedem Fall, auch schon für Jugendliche. Und sei es nur, um mal in ganz andere Richtungen zu denken …
Gunther Müller: „Die Krone der Schöpfung",     
Bastei Lübbe Verlag, € 8,99, eBook € 7,49



Eine kleine Sehschule.

Man kann sich auf verschiedene Weise mit Malerei beschäftigen; Wichtig ist aber immer, dass man sich die Bilder genau ansieht. Und das lehrt dieses Buch auf unterhaltsame Weise: auf jeder linken Hälfte einer Doppelseite gibt es ein Kunstwerk zu sehen und auf der rechten eine veränderte Kopie. Diese Veränderungen gilt es zu entdecken. Manche sind offensichtlich (ein Flugzeug am Himmel eines Spitzwegs, ein Kran bei Breugels Turmbau), die meisten jedoch gut versteckt (die müssen Sie schon selbst finden …). Auch wenn der Schwerpunkt auf der Malerei des 19. Jahrhunderts liegt und die Auswahl somit nicht repräsentativ ist – es sind doch genug Epochen vertreten um verschiedene Arten der Malerei wahrzunehmen. Die Erläuterungen im Anhang geben außerdem noch einen kurzen Einblick ins Leben des jeweiligen Künstlers und das vorgestellte Kunstwerk. „Echt gefälscht" ist eine unterhaltsame Sehschule, nicht nur für junge Menschen.

„Echt gefälscht! Finde die Fehler des Kunstfälschers." Prestel Verlag, 12,99


Von Feuerbohnen, Barfußparcours und Barbarazweigen

Es gibt eine Vielzahl von Gartenbüchern. Und etliche davon wenden sich an Kinder und Jugendliche. Trotzdem: dieses Buch sucht seinesgleichen und ist absolut empfehlenswert!
Das liegt an mehreren Dingen: der Aufteilung in Jahreszeiten, den aussagekräftigen Fotos, der abwechslungsreichen Themenwahl (von der Aussaat übers Kompostieren bis zum Marmeladekochen und vom ersten Schnitzwissen übers Schmetterlinge züchten bis zum Wasserlabor) – aber vor allem an der klugen, informativen und gelungenen Wissensvermittlung durch das Autorentrio Anke M. Leitzgen, Thekla Ehling, Judith Drews. Da will man sofort mit irgendwas anfangen …

„Meine Gartenwerkstatt", Gerstenberg Verlag, € 19,95


Unterhaltsam und informativ

Haben Sie schon einmal die Worte Ameisler oder Zeidler gehört? Beide Berufe sind noch gar nicht lange Vergangenheit und die Arbeit fiel größtenteils im Wald an: die Ameisler „ernteten" Ameisenpuppen und verkauften sie als Vogelfutter, die Zeidler hüteten Wildbienen und verarbeiteten und verkauften deren Produkte, also Honig und Wachs. Wir erfahren in diesem Buch aber nicht nur etwas über diese Berufe (und rund zwanzig weitere) selbst, sondern auch einiges über die Lebensumstände der sie ausübenden Menschen. Und nicht zuletzt vieles über die geschichtlichen Zusammenhänge.
So lernen wir am liebsten: wenn die Fakten in einem humorvollen Gewand stecken, ohne dass sie dadurch weichgespült werden; und auch Illustrationen dürfen gerne mehrdeutig sein. Genau das gelingt der Autorin Michaela Vieser und der Grafikerin Irmela Schautz – ihr Buch ist eine Fundgrube an Wissen und Witz.

Vieser / Schautz: „Von Kaffeeriechern, Abtrittanbietern und Fischbeinreißern", Pantheon Verlag, € 19,99, eBook € 11,99


Erhellend.

Modell und Muse – das ist der Part, den Frauen in der Kunst quer durch die Jahrhunderte zumeist einnahmen. Erst seit dem ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert gibt es gleichviel Kunststudentinnen wie Kunststudenten, bis dahin hatten Künstlerinnen einen schweren Stand. Meist konnten sie ihrer Leidenschaft überhaupt nur nachgehen, wenn sie von ihren Väter, Brüdern oder anderen Verwandten unterrichtet wurden, oft haben sie auch deren Atelier mitbenutzt, weil es keine andere Möglichkeit gab.
Debra N. Mancoff ist Dozentin am Art Institute of Chicago und hat bereits mehrere Bücher über Kunst und Mode veröffentlicht. In ihrem neuesten  Bildband stellt sie in sechs Kapiteln über 60 Künstlerinnen und ihre hervorragenden Kunstwerke vor – und das ist hochgradig interessant.

Debra N. Mancoff: „Frauen, die die Kunst veränderten." Prestel Verlag, € 24,95





Unsere Sachbuch-Empfehlungen in 2012:



Erhellend.

Modell und Muse – das ist der Part, den Frauen in der Kunst quer durch die Jahrhunderte zumeist einnahmen. Erst seit dem ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert gibt es gleichviel Kunststudentinnen wie Kunststudenten, bis dahin hatten Künstlerinnen einen schweren Stand. Meist konnten sie ihrer Leidenschaft überhaupt nur nachgehen, wenn sie von ihren Väter, Brüdern oder anderen Verwandten unterrichtet wurden, oft haben sie auch deren Atelier mitbenutzt, weil es keine andere Möglichkeit gab.
Debra N. Mancoff ist Dozentin am Art Institute of Chicago und hat bereits mehrere Bücher über Kunst und Mode veröffentlicht. In ihrem neuesten  Bildband stellt sie in sechs Kapiteln über 60 Künstlerinnen und ihre hervorragenden Kunstwerke vor – und das ist hochgradig interessant.

Debra N. Mancoff: „Frauen, die die Kunst veränderten." Prestel Verlag, € 24,95


Eine lebenslange Freundschaft.

Marthe und Mathilde lernten sich 1908 kennen, die beiden waren sechs Jahre alt, als Mathildes Familie in Marthes Elternhaus in Colmar einzog. Ab da haben sie ihr ganzes Leben miteinander verbracht und wurden nicht erst durch die Hochzeit ihrer Kinder unzertrennlich. Sie hatten immer etwas zu erzählen – von Alltäglichem, gemeinsamen Bekannten und der Familie, aber auch über Politik und ihr Leben im Elsass, das allein im letzten Jahrhundert viermal die Zugehörigkeit zu Deutschland und Frankreich wechselte. Denn bei allen Gemeinsamkeiten unterschied sie genau dies: die eine war in Colmar geborene Elsäßerin, die andere eine dorthin übersiedelte Deutsche.
Pascale Hugues, französische Journalistin und Autorin mit Wohnort Berlin, hat ihren beiden Großmüttern Marthe und Mathilde ein Denkmal gesetzt, in einem Stil, als würden die beiden alten Damen sehr detailreich und recht unstrukturiert aus ihrem Leben erzählen. Genau das macht das Buch, das eigentlich ein Sachbuch ist, so charmant und berührend.
Pascale Hugues: „Marthe & Mathilde",
Sonderausgabe Rowohlt-Verlag, € 10, eBook 8,99



Die Macht und Magie der Bücher.

Bereits seit rund 5000 Jahren verwenden die Menschen Schriftzeichen, um wichtige Daten, Erzählungen oder auch Verträge festzuhalten, Funde aus dem heutigen Südirak belegen dieses Datum. Mit diesen Schriftzeichen beginnt das vorliegende Buch – um auf den nächsten rund 200 Seiten sämtliche Aspekte des Themas Buch zu beleuchten. Dabei beschränkt es sich ganz bewusst weder auf einen bestimmten Kulturraum noch auf die rein technische Entwicklung; sein Rahmen ist vielmehr der zeitliche Ablauf.
Sein Autor Martyn Lyons ist Professor in Sydney und weltweit anerkannter Experte für die Geschichte des Buches. Fast wichtiger ist allerdings: Marty Lyons kann dieses Wissen auch vermitteln, sowohl in seinen Vorlesungen als auch in Schriftform. Und er versteht es, sein Fachwissen mit den richtigen Bildern zu ergänzen - es ist, egal welche Seite man aufblättert, immer eine große Freude, in diesem Buch zu schmökern.

Martyn Lyons: „Das Buch. Eine illustrierte Geschichte.", Gerstenberg Verlag, € 29,95



Entsetzliche Vergangenheit.

Es war ein Zufallsfund, den die Handwerker im August 1986 bei Sanierungsarbeiten in der Frankfurter Liebigstraße machten: hinter der Heizungsverkleidung kamen Dokumente zum Vorschein und nur der schnellen Reaktion der Wohnungsinhaberin Inge Geiler, die die Bauarbeiten sofort stoppte, ist es zu verdanken, dass es diese Dokumente noch gibt. Erst die „Stolpersteine", mit denen auf Menschen aufmerksam gemacht wird, die während der NS-Zeit verschleppt wurden, sorgten zwanzig Jahre später dafür, dass sie sich den Fundstücken widmete. Mit aller Sorgfalt sichtete sie die Zeitungsartikel, Postkarten, kleinen Notizen und Briefe, sie recherchierte über das jüdische Leben in Deutschland und speziell im Frankfurter Westend, sie erforschte die Familiengeschichte von Meier und Elise Grünbaum - das ältere Ehepaar hatte die Dokumente versteckt. Inge Geiler hat nun aus allem ein einzigartiges und zutiefst bewegendes Buch gemacht, dass zu lesen wir wirklich jedem empfehlen!

Inge Geiler: „Wie ein Schatten sind unsere Tage.", Schöffling & Co. € 28,95  


Mit Leidenschaft.

„Ich verstehe Essen als ein positives Erlebnis der Sinne …" so beginnt der Klappentext dieses Backbuches, geschrieben von Isidora Popovic, besser bekannt als Popina. Denn unter diesem Namen backt und vertreibt sie in England auf besonderen Märkten und in den besten Kaufhäusern ihre Leckereien, die noch immer in Handarbeit hergestellt sind. Wie sehr Popina das Backen liebt, ist den einzelnen Rezepten zu entnehmen: da werden nicht nur die gut ausgewählte Zutaten genannt und der genaue Ablauf beschrieben, es gibt immer noch mindestens einen ihrer wunderbaren Tipps zu handelsüblichen Zutaten oder Backkunst dazu. Da bekommt man schon beim einfachen Blättern Backlust – oder Hunger. Beispiele gefällig? Polenta-Biscotti mit Kirschen und Nüssen, Apfel-Pflaumen-Tarte, Schokoladentrüffel-Brownies oder auch Spinat-Chili-Stangen. Hhhmmmm.

Isidora Popovic: „Backen mit Leidenschaft.", Bassermann Verlag, € 16,99    


Autorenlesung I.

Sabine Bode, Jahrgang 1947, ist Journalistin und Buchautorin. Auf Grund persönlicher Erlebnisse hat sie sich besonders dem Thema „Deutsche Vergangenheit und ihre Folgen" verschrieben, im Hinblick auf die Traumatisierungen der Menschen durch das Kriegsgeschehen. Dabei liegt es ihr völlig fern, die Nazi- und Täter-Vergangenheit herunter zu spielen oder gar zu verleugnen. Sie beschreibt vielmehr, dass die Traumatisierungen durch Bombenbeschuss oder Vertreibung noch heute ihre Auswirkungen im täglichen Leben derjenigen haben, die während des zweiten Weltkrieges Kinder waren. Ihr Buch, aus dem sie Ende August hier in Gernsheim las und über das sie referierte, ist eine klug kommentierte Zusammenstellung von Lebensgeschichten persönlich Betroffener – und das ist hochinteressant auch für die Generationen danach.

Sabine Bode: „Die vergessene Generation.", Piper Verlag, € 9,99


Das Leben der Marilyn …

Man hört oder liest ihren Namen und schon hat man den Filmstar vor Augen, die schöne, quirlige, manchmal ein wenig naiv daher kommende junge Frau - tatsächlich war Marilyn Monroe sehr viel mehr als das. Das nun im Taschenbuch vorliegende „Tapfer lieben" zeigt das eindrucksvoll anhand ihrer Tagebuchnotizen und ihrer Lyrik, ergänzt durch Fotos und wenige Kommentare ihrer Freunde. Dabei ist das Buch einem Zufall zu verdanken: Anne Strassberg, die Ehefrau des begnadeten Schauspiellehrers Lee Strassberg, der mit MM intensiv befreundet war, fand 2007 zwei Kartons mit den Originalunterlagen. Soweit es ging chronologisch geordnet, und zum Teil sehr vorsichtig ergänzt, bilden sie die Grundlage für das persönlichste Buch, das es über die Filmikone geben kann.
Ihre Worte sind eine passende Überschrift über ein Leben, dass gleichermaßen hochglamourös und zwiespältig war: „Jedermanns Kindheit spielt sich ab; kein Wunder, dass nie einer den anderen kennt oder ganz verstehen kann (…) Ich denke, tapfer lieben ist das Beste und akzeptieren – so viel man ertragen kann" (S. 155).

Marilyn Monroe: „Tapfer lieben", Fischer Taschenbuch, € 12,99


Hilfestellung…

Gut informiert zu sein, ist eine der Grundvoraussetzungen im heutigen Alltag – nicht nur um den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden, sondern auch für banale Dinge, wie zum Beispiel die Urlaubsplanung. Doch die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung sind gleichermaßen vielfältig wie unübersichtlich. Für Hilfestellung bei der Sichtung der Flut sorgt das gerade erschienene Taschenbuch "Was wir heute wissen müssen": die 23 Essays in vier Kapiteln liefern Fakten, oft gepaart mit philosophischen Betrachtungen, sie sind manchmal in eine kleine Geschichte eingebunden und gut verständlich. Allerdings: denken muss man dann schon selbst.

Mohr / Pötzl / Saltzwedel: „Was wir heute wissen müssen.", Goldmann Verlag, € 8,99



Witzig und informativ.

Wussten Sie, dass Regenschirme noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts als unmoralisch galten, weil sie sich Gottes Regen in den Weg stellten? Oder, dass das Glas schon seit zweitausend Jahren mit der nahezu gleichen Technik in Form geblasen wird? Vielleicht aber, dass die ersten Sonnenbrillen aus Walrossstoßzähnen hergestellt wurden?
„99 Erfindungen für Eilige" erklärt das und noch 96 andere Dinge dazu. Dabei ist das Buch eher kein Nachschlagewerk, vielmehr wirkt es wie ein Comic. Dazu kommen Sachinformationen – und das ist eine schöne, interessante Idee. Noch dazu ist sie wirklich klasse umgesetzt und somit auch (aber nicht nur) für diejenigen gut geeignet, die nicht so gerne und so gut lesen. Egal ob jugendlich oder erwachsen.

Fredrik Colting / Marja Nyberg: „99 Erfindungen für Eilige.", Knaur Verlag, € 8,99



Eine Anleitung zum Verrücktbleiben – ohne verrückt zu werden.

„Die Existenzialisten hatten recht: Man definiert sich durch die Entscheidungen, die man trifft. Rudolf Nurejew, der berühmte russische Tänzer, war vermutlich mit dem Gesetz der Schwerkraft vertraut. Er hat dennoch versucht, sie aufzuheben. Er kam dem Fliegen sehr nahe. Aber man muss immer mit Rückschlägen rechnen (Ikarus)."

Ganz selten greifen wir bei unseren Buchbesprechungen auf fremde Texte zurück; Bücher bringen nun mal in jedem ganz andere Seiten zum Klingen, und das lässt sich nur mit den eigenen Worten ausdrücken. Der obige Abschnitt ist (trotzdem) eine Originalpassage (`Selbst denken´, Seite 14) aus Else Buschheuers „Verrückt bleiben", denn er definiert den Inhalt des ganzen Buches ausgesprochen treffend, eigentlich unveränderbar… Buschheuers Ansichten sind aufrüttelnd, ihre wohlformulierten Sätze eine Mischung aus persönlich Erlebtem und Bezügen zu Kunst und Literatur – insgesamt eine sehr anregende Lektüre.

Else Buschheuer: „Verrückt bleiben!", Aufbau Verlag, € 14,99


Hochinteressant.

Es sieht wunderschön aus und hat einen sehr einprägsamen Titel: „Gemeine Gewächse. Das A bis Z der Pflanzen, die morden, verstümmeln, berauschen und uns anderweitig ärgern.". Wer jetzt vermutet, es handle sich um fantastische Literatur, irrt: Amy Stewart bietet, klar strukturiert und sehr umfangreich, Fakten rund um Giftpflanzen. Ihre Mischung aus historischen Begebenheiten, landestypischen Beschreibungen und pflanzenkundlichen Details weckt dabei nicht nur bei botanisch Interessierten die Leselust; jeder, der seine Nase ganz gerne einmal in ein Sachbuch steckt, findet hier eine gelungene Kombination von Unterhaltung, Wissenswertem und wunderschönen Illustrationen. Alle anderen können sich ja an den Worten berauschen: Toxicodendren, Einhornpflanze oder Sandbüchsenbaum haben noch einige hübsche Namensvettern.

Amy Stewart: „Gemeine Gewächse.", Berliner Taschenbuch Verlag, € 11,95


Aus erster Hand.

Wie war das im kalten Krieg? Wer hat warum Politik gemacht, wie waren die Hintergründe? Und vorher, 1933, als die Nazis die Macht übernommen haben? Was damals passierte, beeinflusst noch heute unser Leben, auch wenn wir das nur in kleinem Umfang wahrnehmen, zum Beispiel im Verhältnis Bundesregierung zur Regierung Medwedew/Putin.
Egon Bahr und Peter Ensikat haben das alles hautnah miterlebt: der eine als Politiker der SPD, als Minister oder Regierungssprecher, und der andere als Drehbuchschreiber und Kabarettist in der DDR. Die nun in Buchform vorliegenden Gespräche der beiden über die Erlebnisse damals sind hochinteressant, sowohl für die dabei Gewesenen als auch für diejenigen, die es nicht selbst erlebt haben – dieses Buch lässt Geschichte lebendig werden!

Egon Bahr / Peter Ensikat: „Gedächtnislücken.", Aufbau Verlag, € 16,99


Warum?


Warum sammeln Anna Koch und Axel Lilienblum seit November 2009 skurrile oder verunglückte SMS? Die Antwort ist einfach und für manchen sicher unbefriedigend: es macht ihnen einfach Spaß. Und mittlerweile noch Hunderttausend anderen Menschen – sie alle lesen bzw. füllen die Internetseite SMSvonGesternNacht.de. Die besten Texte haben Koch und Lilienblum jetzt zum zweiten Mal veröffentlicht; nicht thematisch sondern nach Uhrzeit sortiert, finden sich hier ganze Gesprächszyklen, teils kryptisch, teils schräg, manchmal nicht ganz jugendfrei. Und sehr unterhaltsam…
Kostprobe gefällig? „10:33 Uhr Ich glaube, meine Berufschancen als Nonne stehen ziemlich schlecht…" „10:39 Ach so? Dann komm doch mal runter und erklär uns wieso. Dein Vater"

Anna Koch / Axel Lilienblum: „Ist meine Hose noch bei euch?" Rowohlt Verlag, € 8,99




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