Bilderbuch Lieblinge in 2019 - 2018 - BUCHHANDLUNG

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unsere Bilderbuch-Lieblinge in 2018:
Rundum gelungen

„Diesen Schrei kennst du bestimmt: ‚Iiiiieh! Eine Spinne!‘. Spinnen gibt es in der Küche, im Keller, auf dem Dachboden, in dunklen Ecken, in hellen Ecken, über, unter und neben dem Bett, manchmal sogar im Auto und draußen sowieso.“

Nina Dulleck hat ein Angst-weg-Buch geschrieben - als Mitglied der Arachnologischen Gesellschaft hat sie unter anderem das Ziel, über Spinnen zu informieren und Information hilft nun mal am besten gegen die Angst. So ist dieses Buch auch konzipiert: Es ist reich bebildert und enthält eine Fülle von Sachinfos. Weil aber Nina Dulleck eine wirklich begabte Illustratorin ist und sie sehr viel Humor hat, macht das Buch außerdem sehr viel Spaß! Und handfeste Tipps beinhaltet es ebenso, wobei die Staubsauger-Fliegenklapp-Spinnenverschwinde-Maschine wohl nicht sooo ernst gemeint ist … Aber einen Namen vergeben hilft tatsächlich gegen die Angst (nicht nur vor Spinnen!) und mit einem Becher und einer Postkarte kann man sowohl sich vor der Spinne retten als auch die Spinne heil und gesund nach draußen expedieren. Wir sind jedenfalls ein kleines bisschen verliebt.

Nina Dulleck: „Spinnenalarm! Das große (Spinnen-)Angst-weg-Buch“, Oetinger Verlag, 978-3-7891-0790-0, € 13,00

Malen kann jeder …

„Ramon malte für sein Leben gern. Egal wann. Egal was. Egal wo. Eines Tages malte Ramon eine Blumenvase. Sein Bruder Leon schaute ihm über die Schulter. Leon prustete los vor Lachen. ‚Was ist DAS denn?‘, fragte er. Ramon verstummte. Er knüllte das Bild zusammen und schleuderte es quer über den Tisch.“

Dass das Folgen hat, das können wir uns denken – Ramons wachsende Verzweiflung, weil keines der Bilder wirklich gelingt, ist in den Folgetexten erkennbar. Aber zum Glück hat Ramon nicht nur einen älteren Bruder (der wohl gerade in der Flegelphase ist – das verwächst sich sicher noch!), sondern auch eine jüngere Schwester. Marisol sammelt alle Bilder, gerade die, die Ramon schlecht findet. „‘Das hier mag ich am liebsten‘, sagte Marisol.“ Und so geht dieses zauberhafte Buch – das tatsächlich auch witzig ist und herrlich illustriert sowieso – gut aus. Ramon wird nicht der beste Maler aller Zeiten, aber er macht seinen Frieden mit sich und der Welt. Was wir ja nur für alle Menschen hoffen und wünschen können …

Peter H. Reinolds: „Ramons Atelier“, Gerstenberg Verlag, € 9,95,  978-3-8369-5664-2

„Was ist denn an Booten auszusetzen?“

„Bevor es eine Brücke gab, war da eine Bucht. Eine Bucht, die zum Meer führte. Das Meer war der Pazifik. (…) An einem Ufer lag Presidio, ein Militärstützpunkt in der Stadt San Francisco. Am anderen Ufer gab es nur grüne und gelbe Hügel, die hoch über das Meer ragten. Jenseits dieser Hügel lag eine Reihe von kleinen Dörfern an der Küste. Zu diesen Dörfern kam man nur mit dem Boot.“

Dave Eggers erzählt die Entstehungsgeschichte der Golden-Gate-Bridge – er erzählt sie so schlicht und trotzdem so genau wie es nur geht. Vom ersten Entwurf, der so hässlich war, dass die Menschen ihn nicht haben wollten. Von den Verzierungen, die den zweiten Entwurf verschönten. Vom Material, dem Werkzeug und natürlich von der Farbe, die das Bauwerk bekommen sollte. Und vom Mut, den die Menschen der Region aufbrachten, damit diese Brücke genauso schön werden konnte, wie sie ist. Die Illustrationen von Tucker Nichols ergänzen den Text übrigens aufs Unterhaltsamste … Entstanden ist ein herrliches Bilderbuch für große und kleine Architekturfreund*innen.

Dave Eggers / Tucker Nichols: „Wer hat die Brücke angemalt?“, Diogenes Verlag, 978-3-257-01227-9, € 20,00
Wo die Wörter wohnen

„Es war einmal, vor langer Zeit, da hatte ich noch keine Wörter. Nicht Haus, nicht Ball und nicht mal Omi, dabei sagen meine Eltern, das wäre mein allererstes Wort gewesen. Ich meine, es hätte ja auch Tiefseekabel sein können oder Kommandokapsel oder Froschlaich. Aber nein, Omi. Und eigentlich ist das auch kein Wunder, wenn man bedenkt, bei wem die Wörter wohnten, bevor ich sie bekommen habe.“ Und Wörter hat Mio sehr, sehr viele bekommen: Firlefanz, Wetterleuchten, Schreibmaschine, Augenstern, Clownfisch. Irgendwann war dann kein Wort mehr bei Omi – im Zimmer wurde es stumm. Er brachte neue Worte hinein, aber Konsolenspiel, Manga-Magazin und so viele andere, die passten gar nicht zu Oma. Nur ein Wort blieb ihr, bis zum Schluss. Und das Wort war Mio …

Nikola Huppertz und Elsa Klever haben zusammen ein beeindruckendes Bilderbuch über die Vergesslichkeit und über das Sterben gemacht – leichtfüßig erzählt und künstlerisch illustriert ist es und hat kein Wort oder Bild zu viel. Dieses Buch gehört in jeden Kindergarten – und eigentlich überall hin, wo Kinder sind!

Nikola Huppertz / Elas Klever: „Meine Omi, die Wörter und ich“, 978-3-551-58383-3, Tulipan Verlag, € 15,00

Zum Mitmachen!

Ein Monster in einem Buch! Das darf doch nicht sein. Und darum muss man alles versuchen, um das Monster aus dem Buch herauszubekommen: Man kann das Buch in beide Richtungen kippen, wild schütteln, feste pusten – und das Monster an den Füßen kitzeln, das kann man auch. Aber das Monster lässt sich gar nicht vertreiben, alles nutzt nichts. Erst wenn man es ganz laut – und noch lauter – anschreit, dann verschwindet es. Ins Zimmer. Will man ein Monster im Zimmer?!?

Tom Fletchers Geschichte ist ausgesprochen unterhaltsam und besonders für Kinder, die das „nur Zuhören“ schwierig finden, eine willkommene Abwechslung im Vorlesealltag; die plakativen Illustrationen von Greg Abbott passen auch hervorragend zum Text. Außerdem enthält das Buch eine nicht unwichtige Botschaft, die noch dazu ohne erhobenem Zeigefinger dargestellt ist: Ist das, was ich mir wünsche, wirklich gut? Oder gibt es Schwierigkeiten, wenn mein Wunsch in Erfüllung geht?

Tom Fletcher / Greg Abbott: „Kleines Monster, komm da raus!“, 978-3-570-17553-8, Verlag cbj, € 13,00

Loslassen …

Frau Treuherz ist Klavierlehrerin. Morgens übt sie für sich, nachmittags unterrichtet sie. Und manchmal macht sie danach einen Sparziergang, der Heimweg führt am Geflügelhändler vorbei durch die Einkaufsstraße. Eines schönen Nachmittags steht da ein Käfig und darin ein großer, kräftiger, schneeweißer Enterich – sie weiß gleich, dass er Ellington heißen müsse: „Er schaute sie um Hilfe bittend an. Ja, er meinte wirklich sie. Wenn jemand einen so anschaut und wenn man ihm dazu noch einen Namen gegeben hat, ist man für ihn verantwortlich. So kaufte Frau Treuherz Ellington.“ Doch was macht man mit einem Enterich? Ein wirkliches Haustier ist das ja nicht. Und wenn so ein Tier nicht so leben kann, wie es für es gut ist, dann sucht es Wege, seine Bedürfnisse mitzuteilen – und die sind manchmal ganz anders, als wohlmeinende Menschen es denken.

Zart illustriert, nicht allzu bunt, deutlich in Text und Bild: „Ellington“ ist ein Bilderbuch darüber, dass Lebewesen (und da sind wir Menschen eingeschlossen) mehr brauchen als Nahrungsmittel. Und darüber, dass es sich lohnt, für alle Seiten lohnt, auch für Frau Treuherz, die sich schweren Herzens von ihrem Enterich trennen muss, den Bedürfnissen gerecht zu werden. Ein wichtiges Buch: Für große und kleine Menschen.
Marlies Bardeli / Ingrid Godon: „Ellington“, Peter Hammer Verlag, € 16,00

Aus zwei mach drei …

„Der Bär und das Murmeltier treffen sich jeden Nachmittag. Sie spielen Darts und gehen zusammen auf Schatzsuche. Der Bär tanzt, und das Murmeltier singt. Sie tun so, als wären sie Stars. Was für ein Spaß!“

Es könnte alles genauso schön weitergehen: Tagsüber beschäftigen sie sich mit lustigen Spielen, abends liegen sie im Gras und genießen das Leben. Wenn nur nicht der Bär eines Tages einfach so die Ente eingeladen hätte, dazu zu kommen! Das Murmeltier ist so richtig sauer und während der Bär Kuchen backt und Saft macht, schreibt es ein Schild – „Bitte nicht stören! Wir sind nicht zu Hause!“ …

Natürlich kommt es anders, als das Murmeltier es sich vorstellt, denn auch wenn die Ente zurückhaltend und vorsichtig ist, ein bisschen neugierig ist sie schon. Eulalia Canal und Rocio Bonilla fabulieren aufs Feinste und illustrieren sehr gekonnt – und so ist dieses entzückende Bilderbuch gerade keines mit erhobenem Erziehungszeigefinger. Sondern eines, das die Freude am Miteinander in den Vordergrund stellt.

Eulàlia Canal / Rocio Bonilla: „Der sind keiner zu viel“, Ellermann Verlag, € 14,99

Mal ganz anders ...

"Bäh - Stell dich doch einmal vor einen Spiegel und sieh dir deine Zunge genau an! Auf der Zunge kannst Du winzige Buckel erkennen. Mit diesen Hubbeln kannst du schmecken, ob eine Speise süß, sauer, bitter oder salzig schmeckt. Besonders die Zungenspitze ist sehr beweglich. Einige Menschen können ihre Zunge sogar einrollen, Du auch?" Diese Sätze finden sich auf der Doppelseite, die mit "Zunge" überschrieben ist und zeigen, auf welch einfachem und genialem Prinzip dieses Bilderbuch beruht: Erst werden mit wenigen Sätzen und sehr nachvollziehbar wir Menschen beschrieben, und dann folgen jeweils einige Tiere, die dieses Körperteil auch besitzen. Allerdings in völlig anderer Form: Die Zunge des Frosches zum Beispiel ist lang und klebrig, er fängt damit die Beute einfach aus dem Flug. Die des Okapis hingegen ist so kräftig, dass es damit Blätter vom Baum reißen kann. Und Augen und Ohren kann es sich auch noch damit reinigen.
Jeweils vier bis fünf Tiere werden uns Menschen so gegenübergestellt. Das ist, gerade weil es in so gut fassbare Kurzkapitel unterteilt ist, bereits für Kinder ab 4 Jahren interessant - und pfiffig ist es sowieso.

Svenja Ernsten & Tobias Pahlke: "Muss der Löwe zum Friseur?", Kosmos-Verlag, € 12,99, ISBN 978-3-440-15589-9

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