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unsere Literarischen-Empfehlungen in 2011:



Manchmal nur ein Satz.

Da fragt man sich doch, warum es das bisher noch nicht gab: ein dickes Buch mit einer Geschichte pro Tag; 365 Geschichten auf 832 Seiten, so beschreibt der Diogenes Verlag seine rundum gelungene Anthologie. Herausgeber Daniel Kampa hat sich bei der Auswahl  dabei an den „Welttagen" orientiert – und so lernen wir Leser diese nun alle kennen. Vom „Tag des Zorns in Ägypten" am 25. Januar bis hin zum „Internationalen Tag der Berge" am 11. Dezember sind sie mit einer passenden Geschichte  aufgereiht, stets hintersinnig, oft literarisch, immer leicht ironisch. Und auch die anderen Erzählungen sind der pure Genuss, egal ob vier Seiten lang oder nur einen Satz. Eine kleine Ein-Satz-Kostprobe gefällig? Dorothy Parker, Warten: „Als das Telefon nicht klingelte, wusste ich, dass du es warst."

„Mit Geschichten durchs Jahr.", Diogenes Verlag, € 12,90


Island I

Alles fing damit an, dass der Direktor der Strickfabrik plötzlich auf Latein träumte und deshalb einen Lateinkurs in Reykjavik besuchte. Erst dachten sich die Bewohner des 400-Seelen-Dorfes im äußersten Westen von Island nichts dabei – doch nach seiner Rückkunft begann sich das Leben für die Menschen zu wandeln: Helga wurde Telefonseelsorgerin statt wie bisher die Strickmaschine zu bedienen, Àgustà verlor nach und nach ihren Stellenwert als Nachrichtenbörse für private  Angelegenheiten und spätestens nach seinem ersten Vortrag über Sternenkunde nannten alle Bewohner den Direktor nur noch den Astronomen.
Die Geschichte über den Astronomen ist die erste in Jón Kalman Stefánsson Roman, weitere sieben folgen. Stets ist ein anderer Dorfbewohner im Mittelpunkt, doch Stefánsson verwebt das alles so geschickt miteinander, dass es eigentlich das Dorf  selbst ist, von dem sein Buch in bildhafter und schöner Sprache handelt. Dabei vermittelt er eine Lebenslust, die ihresgleichen sucht.

Jón Kalman Stefánsson: „Sommerlicht, und dann kommt die Nacht.",
Reclam Verlag, € 9,95


Alte Bekannte I

Fabrikantengattin und Frau eines Kommerzienrates – Jenny Treibel, Tochter eines kleinen Kolonialwarenhändlers, ist mit viel Geschick und ihrem entzückendem Augenaufschlag schon weit oben in der Berliner Gesellschaft angekommen. Für ihren Jugendfreund Professor Schmidt schwärmt sie jedoch immer noch ein wenig, auch wenn er und seine Tochter Corinna natürlich gänzlich unter ihrem Stand sind. Doch Corinna spricht die englische Sprache und so lädt Jenny Treibel sie kurz entschlossen für den kommenden Abend zum Lunch ein, es gilt den Industriellensohn Nelson zu unterhalten. Da Corinna sich in Jennys jüngsten Sohn verguckt hat, nimmt sie die Einladung gerne an…
Locker-leicht, stilistisch ganz wunderbar und mit viel Ironie gewürzt – Theodor Fontanes „Frau Jenny Treibel“ ist auch fast 120 Jahre nach dem ersten Erscheinen noch ein großes und hintergründiges Vergnügen.

Theodor Fontane: „Frau Jenny Treibel – Wo sich Herz zum Herzen find´t“,
Anaconda Verlag, € 2,95


Alte Bekannte II

Tom Sawyer lebt bei seiner Tante Polly und ihrem wohlerzogenen Sohn Sid in der Kleinstadt St. Petersburg am Mississippi. Tom hat ein ziemlich großes Mundwerk und hält wenig von gutem Benehmen, dabei sitzt sein Herz auf dem rechten Fleck und er ist außerdem ziemlich unerschütterlich. Alles Eigenschaften, die er im Alltag braucht – zum Beispiel, wenn er seine Kameraden überredet, die Streicharbeiten für ihn zu übernehmen. Oder wenn er versucht, Becky Thatcher auf sich aufmerksam zu machen. Und ganz sicher, nachdem er zusammen mit seinem Freund Huck einen gemeinen Mord beobachtet hat…
Die Abenteuer von Tom Sawyer sind längst im allgemeinen Gedächtnis verankert und in vielen unterschiedlichen Buchausgaben erhältlich, die im Knesebeck Verlag ist jedoch derzeit die Schönste – dank der wirklich großartigen Illustrationen von Robert Ingpen. Und dank der dezenten sprachlichen Überarbeitung, die der Verlag der Erstübersetzung aus dem beginnenden zwanzigsten Jahrhundert hat angedeihen lassen.

Mark Twain: „Tom Sawyer“, Knesebeck Verlag, € 24,95


Drei Generationen.

Nicola ist 26, ausgebildeter Lehrer und leider arbeitslos. Er lebt bei seinen Eltern, für die seine „Faulheit“ weder nachvollziehbar noch erträglich ist, ihre Vorwürfe und das manchmal noch schlimmere beredte Schweigen, machen ihn in diesem Sommer nahezu bewegungsunfähig. Als Großvater Leonardo nebenbei erzählt, dass er in den nächsten Tagen in die Familienwohnung ans Meer aufbrechen wird um deren Verkauf zu regeln, beschließt Nicola, ihn und Vater Riccardo zu begleiten. Am frühen Freitagmorgen beginnt die Reise – und es wird selbstverständlich auch eine Reise in die eigene Vergangenheit.
Vielleicht liegt es ja an diesem verregneten Sommer: jedenfalls begeistert uns neben dem italienischen Autor Fabio Volo auch der (Sie ahnen es: italienische) Autor Marco Balzano. Auch dessen Buch ist klug und hintergründig, ohne aufdringlich zu sein, außerdem sprachlich sehr gelungen. Allerdings – romantisch ist es sicher nicht.

Marco Balzano: „Damals, am Meer.“, Roman Kunstmann, € 17,90


„Ich heiße Blaise Fortune…

…und ich bin Bürger der Französischen Republik. Das ist die reine Wahrheit.“
Das ist der einzige französische Satz, den Blaise beherrscht, als er mit zwölf Jahren und einem notdürftig geflickten Pass in Frankreich strandet. Und so kann er seine Geschichte nicht erzählen – dass seine Mutter vom Mont-Saint-Michel stammte und im kaukasischen Krieg umgekommen war, dass die schwerkranke, liebevolle Gloria ihn aufgenommen und großgezogen hatte. Und dass sie ihn nun aus dem Kaukasus hierher gebracht hatte, damit er seine Familie sucht und so ein besseres Leben findet. Es dauert eine ganze Zeit, bis Blaise gut genug französisch spricht und noch einmal Jahre, bis er seine Herkunft klären kann…
Es ist ein lebensbejahendes aber auch dramatisches Buch, das Anne-Laure Bondoux geschrieben hat, es ist ein Buch über Träume und über die Freiheit und dabei ganz dicht am Leben – und es verzaubert Menschen jeden Alters.

Anne-Laure Bondoux: „Die Zeit der Wunder.“, Carlsen Verlag, € 12,90


Freuen Sie sich auf die Autorenlesung

mit der in Darmstadt lebenden Autorin Alina Bronsky
. „Als meine Tochter Sulfia mir sagte, sie sei schwanger, wisse aber nicht von wem, habe ich verstärkt auf meine Haltung geachtet. Ich hielt meinen Rücken sehr gerade und die Hände würdevoll im Schoß gefaltet.“ So lauten die ersten beiden Sätze der Geschichte der „durchtriebensten Großmutter aller Zeiten.“.
Mit ihrem Roman „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“
gelingt ihr ein gleichermaßen gefühlvoller wie ironischer Balanceakt zwischen Klamotte und Tragikomödie – er war in 2010 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises zu finden und gilt somit als eines der besten zehn deutschsprachigen Bücher des Jahres. Alina Bronsky wird am Mittwoch den 27. April 2011 um 19 Uhr im geräumigen und sehr schmucken Gewächshaus Blumen Hägele in der Zwingenberger Straße in Gernsheim lesen; die Karten gibt es ab sofort für 8 € bei der Buchhandlung Bornhofen und bei Blumen Hägele in Gernsheim.

Alina Bronsky: „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche.“ Verlag Kiepenheuer & Witsch, € 18,95


Vom teuflischen Räderwerk radikalen Hasses

erzählt der Roman des in Frankreich lebenden Algeriers Mohammes Moulessehoul, der seine Bücher unter dem Pseudonym Yasmina Khadra veröffentlicht. In klarer Sprache, mit großem Wissen über die Zusammenhänge von Heimatlosigkeit, Hass und Gewalt beschreibt er die Lebenssituation in Israel und den palästinensischen Gebieten. Auch wenn die Ausgangssituation, die er konstruiert, eher nicht realistisch ist: sein Roman gehört zum Besten, was man über Terrorismus und den Nahostkonflikt lesen kann.
Amin Jaafari hat es mit Fleiß und eiserner Disziplin zum angesehenen Chirurgen gebracht; obwohl er Araber ist, lebt er in Tel Aviv in gehobenen Verhältnissen. So kann und will er lange nicht glauben, was ihm Polizei und Freunde beizubringen versuchen: seine über alles geliebte, bildschöne Frau Sihem hat in einem Cafe einen Selbstmordanschlag verübt und fast zwanzig Menschen mit sich in den Tod gerissen. Entsetzt und tief verletzt begibt er sich auf die Suche nach den Gründen und reist dabei in die Zentren des palästinensischen Widerstandes.

Yasmina Khadra: „Die Attentäterin“, dtv, € 9,90


Ein „normales“ Frauenleben?

Ein kahles, enges Zimmer, eine Matratze auf dem Boden, lediglich ein Bild und ein Krummschwert als Schmuck an der Wand, von draußen die Geräusche des Alltags aber auch des Krieges. Eine andere Szenerie braucht es nicht für diesen Roman – der afghanische Autor Atiq Rahimi erzählt in karger Sprache sehr eindringlich eine große Geschichte:

Während des afghanischen Bürgerkriegs fällt einer der Anführer nach einer Schussverletzung ins Koma, die Versorgung übernimmt seine Ehefrau; weder Ärzte noch Apotheken sind verfügbar, die Familie des Mannes ist in ein weniger gefährdetes Viertel geflohen. Um nicht verrückt zu werden erzählt sie dem Ohnmächtigen, wie einem „Stein der Geduld“, nach und nach ihre ganzen Geheimnisse und schont dabei weder sich noch ihn. So erfahren wir Leser die geheimsten Gedanken einer Frau, die im wirklichen Leben keine Stimme hätte…

Atiq Rahimi: „Stein der Geduld.“ List Verlag, € 8,95



unsere Literarischen-Empfehlungen in 2010:

Eine berührende Geschichte.

„Wenn sie jetzt stirbt, bin ich für immer mit ihm allein. Das ist das Erste, woran ich denken muss, als ich am Neujahrsmorgen in meinem Bett erwache.“
Es sind schon die ersten beiden  Sätze, die uns Leser hellhörig machen und in den Sog dieser Novelle ziehen. Aus der Perspektive des 13-jährigen Erzählers erfahren wir vom Unfall der Mutter, von den Wochen und Monaten vorher, von der Schweigsamkeit des Vaters – und gemeinsam mit ihm kommt auch uns die Erkenntnis, dass vieles im Familienleben eben doch anders ist, als es scheint.
Der Autor Ralf Schwob, Mitte der sechziger Jahre in Groß-Gerau geboren, siedelte seine Geschichte in Südhessen an, vieles klingt dadurch vertraut. Doch seine schöne durchaus literarische Erzählung ist alles andere als nur eine „Heimatgeschichte“.

Ralf Schwob: „Der stillste Tag im Jahr.“, Wiesenburg Verlag, € 10,00


Ein Jahrzehnt deutsche Geschichte.

Dresden, Ende 1982: Oberarzt Richard Hoffmann feiert seinen Fünfzigsten in großer Runde; man speist gut – Gattin Anne hat die letzten Monate mit unzähligen Einkaufsfahrten verbracht – und vergisst dabei, jedes Wort genau abzuwägen. Das könnte für Sohn Christian, hoch begabt und ein Träumer, in der Schule und im späteren Leben durchaus gefährlich werden…
Dem Autor Uwe Tellkamp ist mit „Der Turm“ ein ganz großartiges Buch gelungen: in sehr bildhafter Sprache, mit Hilfe unterschiedlicher Charaktere und wechselnder Perspektiven, erzählt er vom Alltag einer Großfamilie während der letzten Jahre DDR-Regime. Die ersten paar Seiten sind fast eine Prüfung; hat man sich durch diese sprachverliebten Zeilen mit Kommas aber ohne Punkte „hindurch“ gelesen, ist man auch den restlichen fast tausend Seiten gewachsen – Tellkamps Buch ist gut zu lesende, große Literatur, die man nicht aus der Hand legen mag!

Uwe Tellkamp: „Der Turm.“, Suhrkamp Verlag, € 12,90


Eine Sommeridylle.

Ein paar unbeschwerte Wochen sollen es auf Schloss Gripsholm werden, weit entfernt vom täglichen Einerlei und den politischen Entwicklungen zu Hause in Berlin, so wünschen es sich Lydia, die „Prinzessin“ und der Ich-Erzähler, genannt „Daddy“ oder „Peter“. Doch mit den Besuchern Karlchen und Billie und vor allem mit dem Kennenlernen der unglücklichen Ada, die in einem brutal geführten Kinderheim leben muss, schleichen sich doch die Sorgen der Zeit zwischen erstem und zweitem Weltkrieg in die Urlaubsstimmung.
Kurt Tucholsky ist der Verfasser von unzähligen kurzen Texten – Geschichten, Rezensionen, Gedichten und Chansons. Lediglich „Rheinsberg“, ziemlich am Anfang seiner Karriere geschrieben, und „Schloss Gripsholm“, entstanden gegen Ende seiner Schaffenszeit, sind länger als ein paar Seiten; beide beschreiben heitere Idyllen, die jedoch immer wieder von den Wirren der Zeit überschattet werden.

Kurt Tucholsky: „Schloss Gripsholm“, Anaconda Verlag, € 2,95


Hintergründig schwarzer Humor.

Was macht ein Staatsanwalt, wenn er sich eine Fähigkeit teuer erkauft hat und dies sehr bereut? Kann ein Chemiker sein Wissen nutzen, wenn ihm das Hunderudel der Nachbarn den letzten Nerv raubt? Und was passiert, wenn zwei Straßenmusiker eine Flugkarte nach Kopenhagen finden?
Fünfzehn völlig unterschiedliche Erzählungen des Bestseller-Autors Herbert Rosendorfer („Briefe an die chinesische Vergangenheit“) sind im vorliegenden Taschenbuch zu finden – vier oder auch vierzig Seiten lang, mal Monolog, mal Brief, mal „normale“ Geschichte. Gemeinsam haben sie vor allem zwei Dinge: die Darstellung von skurrilen Persönlichkeiten und einen verschrobenen Humor.

Herbert Rosendorfer: „Monolog in Schwarz.“, Dtv, € 9,90




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