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Leuchtturm des Monats Oktober 2011



Facebook für die Jungen, die Lesewoche für alle - 26.10.2011 - Langendorfs Dienst

Es ist nur eine kleine Buchhandlung in einem ganz kleinen Städtchen. Sie ist ganz traditionell ausgerichtet, aber nicht eingeschlafen. Sondern eine Buchhandlung, die aktiv mitdenkt, dem Neuen aufgeschlossen ist, mit Freude ihre kulturelle Rolle in der kleinen Stadt spielt und damit erfolgreich arbeitet.

Gernsheim am Rhein, ein knappes Bahnstündchen südlich von Frankfurt, hat gerade mal 10.000 Einwohner, also die Untergrenze für den Standort einer betriebswirtschaftlich gesunden Buchhandlung. Gernsheim hat einen wichtigen Rheinhafen und einige große Industrieunternehmen sowie ein gutes Stück Branchentradition: Hier wurde Peter Schöffer geboren, Partner von Gutenberg und einer der ersten Verleger und Buchhändler.

Foto: Boris Langendorf

Anlaufstelle für Mütter und Kinder: Buchhandlung Bornhofen

Die Seiteneinsteigerin ist jetzt mittendrin

In den letzten 25 Jahren hat sich der Charakter der kleinen Stadt allerdings gewandelt, berichtet Lucia Bornhofen, Inhaberin der gleichnamigen Buchhandlung am Ort: Von einer landwirtschaftlich und industriell geprägten Kommune zu einem der entfernteren Wohnvororte für Frankfurt, Darmstadt, Worms und sogar Mannheim. Die neuen Gernsheimer sind dabei vielfach noch recht wenig auf ihren Wohnort fixiert: Hier ist noch Luft für "Buy-Local"-Aktivitäten.

Einwohnertendenz steigend, Anteil der Mütter mit Kinderwagen auch, stationärer Wettbewerb kaum zu befürchten: Buchhändlerin Bornhofen sieht auch in den kommenden Jahren gute Chancen an ihrem Standort, auch wenn das Städtchen klein ist. Jedenfalls dann, wenn sie sich den von der Digitalisierung geebneten neuen Seitenwegen nicht verschließt.

Solches Mitdenken ist typisch für die 43-Jährige, die vom Ort stammt und eigentlich Steuerfachgehilfin war, als sie in den Buchhändlerberuf hineinrutschte. Nach der Geburt des zweiten Kindes wollte sie einmal etwas anderes machen und erledigte für die 1982 gegründete Bücherstube Werner Petry die
Büroarbeiten. Half dann auch mal im Verkauf aus, wo sich bald herausstellte, dass sie für das Büro viel zu schade war, so gut wie sie mit den Kunden umgehen konnte. 1998 schließlich übernahm sie die Buchhandlung, als wäre es so geplant gewesen, zunächst mit einem Geschäftspartner, dann allein.

Ein wichtiger Schritt in der Firmengeschichte war der Umzug in das heutige Ladenlokal, von 50 auf 70 qm Verkaufsfläche und, entscheidender, mit einer großen Standortverbesserung. Der alte Ladenraum lag zwar auch zentral in der Stadt, aber die wenigen entscheidenden Meter abseits vom Lauf. Dieses Problem ist seither gelöst, die Buchhandlung Bornhofen liegt mitten drin.


Sogar beim E-Book Gewehr bei Fuß

Bei der Sortimentsauswahl hat man an einem Ort wie diesem keine große Wahl, hier zählt das kleinstädtische Allerweltssortiment. Wobei mit Bedacht ein Schwerpunkt auf dem Kinder-und Jugendbuch liegt, mit Blick auf die besagten Mütter mit Kindern, denen eine qualitative Beratung und Auswahl die Gründe liefert, nicht außerhalb der Stadt oder im Netz einzukaufen. Mit Nonbooks hält sich die Buchhandlung allerdings auch in der Kinder-Abteilung zurück, allein schon, weil es gegenüber ein traditionsreiches Spielwarengeschäft gibt. Und auch zu den neckischen kleinen Mitnahmeartikeln fühlt sich die Buchhändlerin nicht mehr als nötig hingezogen: "Diese Flächen will ich lieber für Bücher nutzen, Schnickschnack gibt es auch in mehreren anderen Geschäften hier."

Etwa 25 Prozent vom Umsatz macht das Rechnungsgeschäft aus, allein schon, weil alle Schulen am Ort sind. Die großen Industrieunternehmen dagegen kaufen zentral ein, von ihnen profitiert die Buchhandlung nur indirekt.

Mit dem Online-Geschäft kann sich die Buchhandlung sehen lassen, auch wenn die Anfänge hier im ländlichen Umfeld etwas mühsam waren. Doch inzwischen wird der Onlineshop regelmäßig genutzt, der Umsatz steigt stetig, und Lucia Bornhofen sagt: "Ich halte eine Buchhandlung auch dieses Zuschnitts ohne eigene Homepage und Onlineshop auf Dauer nicht für überlebensfähig."

Keine Berührungsangst auch beim E-Buch, obwohl die Buchhandlung hierbei bisher nicht gerade besonders herausgefordert wurde: Ein Kunde hat vor etwa einem Jahr mal nach einem digitalen Buch gefragt. Aber egal, das wird sich sicher ändern, "an dem Thema kommen wir nicht vorbei." Und so steht ein Reader in der Buchhandlung, und die kann dem Kunden im Fall des Falles via Libri auch zu seinem E-Buch verhelfen. Für das nächste Jahr steht ein professionellerer und progressiverer Umgang mit dem E-Thema ganz oben auf der Agenda.

Ob mit Umsatz oder nicht, der gepflegte Auftritt im Internet gehört für die Buchhandlung Bornhofen zur Selbstdarstellung. Auch die eigenen Facebook-Seite übrigens, die jeden Tag mit irgendeiner Neuigkeit belebt wird. Lohnt sich das? "Das ist auf jeden Fall sinnvoll investierte Zeit", sagt Lucia Bornhofen, "die unmittelbar zurechenbaren Umsätze sind zwar gering, aber mit diesem Medium haben wir die jungen Leute in dieser Stadt auf unserer Seite."



Foto: Boris Langendorf

Thomas und Lucia Bornhofen: Im Städtchen bestens vernetzt

Eine Woche lang wird Gernsheim zur Literaturstadt

Die klassische Werbung ist im Übrigen sparsam. Es gibt natürlich ein Anzeigenblatt mit dem üblichen Geben und Nehmen, und anlässlich von Veranstaltungen gibt es dort Anzeigen und redaktionelle Beiträge, denn diese Blätter werden wegen der lokalen Nachrichten durchaus gelesen.

Die Veranstaltungen sind aber die eigentliche Werbung der Buchhandlung Bornhofen. Allen voran das neue Flaggschiff, die voriges Jahr aus der Taufe gehobenen "Gernsheimer Lesetage". In Kooperation mit den Schulen und Bibliotheken der Stadt und mit Unterstützung örtlicher Firmen wird eine Woche im Juni zum lokalen Lese-Ereignis gemacht: vormittags Autorenlesungen in Schulklassen, abends Lesungen in der Buchhandlung und an anderen Orten (diesmal: "Süß wie Schattenmorellen" im Gewächshaus der örtlichen Gärtnerei).

Zwischendurch Feierstunden zur Auszeichnung der Leseprofis (das sind
von der Stadtbücherei im Vorlesen ausgebildete Dritt- und Viertklässler) und für die Gewinner eines Schreibwettbewerbs für Schüler, Thema dieses Jahr: "Familienbande".

Und zum Abschluss eine Feier in der Buchhandlung mit einem populären Thema, in diesem Jahr "Familie Hesselbach", ja, die von früher aus dem Fernsehen,  "bittet zu Tisch". Wer sich dafür interessiert, wie die Lesetage genau ablaufen, sollte sich mal die Internetseite http://www.gernsheimer-lesetage.de ansehen.


In der Kleinstadt, aber nicht hinterm Mond


Im übrigen Jahr gibt es weitere literarische Veranstaltungen, im zweiten Halbjahr 2011 stehen fünf auf dem Programm. Darunter die aktive Beteiligung am Gernsheimer Innenstadtfest mit einem Pippi-Langstrumpf- Malwettbewerb. Und zur Frankfurter Buchmesse gab es, ganz zeitgemäß, eine Fotopräsentation mit Vortrag "Wunderbares Island". Die Gernsheimer wissen: in ihrer Buchhandlung ist immer etwas los.

Ein weiterer Programmpunkt mit starker lokaler Bindung sind die seit drei Jahren durchgeführten zweistündigen historischen Stadtrundgänge, immer unter einem anderen Thema. Das waren bisher Schulen, Kirchen und Friedhöfe der Stadt, und in diesem Jahr die früheren und die noch existenten Kneipen in Gernsheim.
Die Idee dazu stammt vom mit der Stadtgeschichte wohl vertrauten Journalisten Hans-Josef Becker. Beim ersten  Rundgang las Lucia Bornhofen nur einzelne Passagen vor, mittlerweile arbeitet sie die Rundgänge mit aus. Das Ehepaar Bornhofen stammt von hier und hat das Städtchen so noch mehr lieben gelernt. Dieses Jahr waren über 60, vor zwei Jahren sogar 200 Mitwanderer dabei.


Der Gernsheim-Bildband ist auch von hier

A propos Ehepaar, Thomas
H. Bornhofen ist selbständiger IT-Fachmann und das sichert schon mal die gleich bleibend hohe Qualität der Buchhandels-Homepage ab (ein Service, der bei Bedarf auch für andere Buchhandlungen im Angebot ist). Er ist aber auch so im Ort vernetzt, dass er nebenbei den Bornhofen-Verlag steuert, der mit dem Gernsheim-Bildband eine weitere lokale Karte spielt. Und er ist ein Cousin des Cartoonisten Wolfgang Sperzel ("Auto-Bild"), dessen neckische Eule als Logo der Buchhandlung Bornhofen dient.

"In unserer kleinen Stadt hängen doch alle zusammen", sagt Lucia Bornhofen, die diesen Umstand zum Nutzen der Buchhandlung und ihrer Kunden ausschöpft. Auch wenn der Standort klein ist, für eine aktive Buchhandlung ist Platz zum Leben. 350.000 Euro Umsatz mit einer Dreiviertel- und einer Halbzeitstelle sowie zwei Aushilfen nach Bedarf. Das bisherige Jahr lief durchwachsen (das zweite Quartal noch am besten wegen der umsatzwirksamen Lesetage), wird aber sicher nicht bei Null oder darunter enden. Also jedenfalls über dem Branchendurchschnitt.


Foto: Boris Langendorf

Das Buchhandels-Logo vom berühmten Cartoonisten

Die Zukunft fest im Blick

Für das nächste Jahr hat sich die Buchhändlerin vorgenommen, die E-Book-und Reader-Zukunft auch für ihre Buchhandlung abzusichern, die Jugend-Basis zu stärken (zum Beispiel, indem sie mit Testlesern zusammen arbeiten will), und schließlich soll das "Buy Local" stärker auch in den Köpfen der Neu-Gernsheimer verankert werden. An der organisatorischen Basis hierfür fehlt es nicht, Frau Bornhofen ist im örtlichen Gewerbeverein aktiv.


Mit dem Hineinschliddern in die Buchhändlerrolle ist Lucia Bornhofen in ihrer Heimatstadt zur kulturellen Anlaufstelle geworden. Das wäre ihr als Steuerfachgehilfin nie gelungen, und es macht sicher auch jenseits des Materiellen viel Freude, aber ist es nicht doch etwas anstrengend? "Die Arbeitsbelastung ist schon manchmal am Limit. Aber ich bereue es keine Sekunde."





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