Hörbuch Lieblinge in 2019 - 2018 - BUCHHANDLUNG

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unsere Hörbuch-Lieblinge in 2018:

Ein Geheimtipp?

Wahrscheinlich eher nicht: Die Reihe um Peter Grant, Police Constable und Zauberlehrling, umfasst schon sechs Titel und Ende Mai ist der siebte erschienen. Aber vielleicht gibt es ja noch den ein oder anderen, der diese Fantasy-Krimi-Reihe noch nicht kennt? Dann könnte derjenige ja mit dem genial von Dietmar Wunder eingelesenen Hörbuch anfangen …

Morgens um sechs an einem kalten Januardienstag, ohne die erste Tasse Kaffee, da ist eine Mordermittlung noch ein wenig grauseliger – erst recht wenn die erste Person, die man vernehmen möchte, sich als Geist entpuppt. Police Constable Peter Grant glaubt der Person erst einmal kein Wort, muss aber feststellen, dass er nur mit Hilfe von Londons Geistern (und davon gibt es sehr viel mehr, als man denkt!) dem Mörder auf die Spur kommt. Nicht weniger verblüffend als die Erscheinungen ist übrigens sein neuer Chef, der ist nämlich der letzte Zauberer Englands! Schon bald muss sich Grant mit einem Nest von Vampiren in Purley rumschlagen, einen Waffenstillstand zwischen Themsegott und Themsegöttin aushandeln und Leichen in Covent Garden ausgraben: Das Leben wird richtig anstrengend!

Ben Aaronovitch: „Die Flüsse von London“, Goyalit, 978-3-8337-3001-6, € 12,00

Die Quellen sprechen
 

Dieses Projekt versucht eine systematische Darstellung der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch die Nazis und ihre Schergen. Es begann im Jahr 2011 und fügt eine Vielzahl an Urtexten zusammen, Zeitungsberichte, Tagebuchauszüge, Gesetzestexte und vieles andere, allesamt vorgelesen ohne große Emotionen, was das Grauen nicht mindert. Der hier vorliegende erste Teil umfasst den Zeitraum 1933 bis Juli 1941, gelesen hauptsächlich von Bibiana Beglau und Matthias Brandt. Außerdem beinhaltet die Kassette Zeitzeugenberichte, jeweils als Gespräch aufgezeichnet – diese Berichte sind alles andere als emotionslos, hier beeindruckt vielmehr die Präzision, mit der sich Max Mannheimer, Ernst Grube, Ruth Klüger, Anita Lasker-Wallfisch und viele andere Überlebende der Konzentrationslager an das Entsetzliche erinnern.

 
Wichtig ist das Erinnern in jeder Form. Gerade zu Zeiten, in denen rechte Kräfte – auch in den „normalen“ demokratischen Parteien – wieder aktiv und fast gesellschaftsfähig sind. Wir dürfen nicht vergessen was damals geschah – und wir müssen mit allen uns zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen und gesellschaftspolitischen Mitteln einem weiteren Rechtsruck entgegenstehen.
 

„Die Quellen sprechen. Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland“, der Hörverlag, 978-3-8445-1830-6, € 79,99

Mit Witz und Können

Kindersand
Das Schönste für Kinder ist Sand - Ihn gibt's immer reichlich -
er rinnt unvergleichlich - zärtlich durch die Hand.
Weil man seine Nase behält - wenn man auf ihn fällt - ist er so weich –
Kinderfinger fühlen - wenn sie in ihm wühlen - nichts und das Himmelreich.

Dass Joachim Ringelnatz ein Könner seines Faches war, seine Gedichte (oft über Alltägliches …) witzig und hintergründig sind, das ist ja bekannt. Diese Gedichte anzuhören, das ist noch einmal eine zusätzliche Freude. Besonders, wenn die Vorleser so begabt, geübt und beliebt sind wie Hannelore Elsner, Sissi Perlinger, Otto Sander und Walter Sittler …  


„Ein Schmatz vom Ringelnatz“, 978-3-451-31990-7, Herder Verlag, € 5,00

Die Geburtsstunde der Science Fiction

Als dem Journalisten H. G. Wells im Jahr 1895 keine Aufträge von Zeitungen und Zeitschriften vorlagen, nutzte er die Zeit für ein Kabinettstückchen, dessen Grundidee schon lange in seinem Kopf herumspukte: Wie wäre es, wenn wir in der Lage wären, die vierte Dimension zu durchqueren und in der Zeit voran- und zurückzuspringen? Ein paar Jahre später hätte er diese Idee sprachlich sicherlich anders umgesetzt, er schrieb immer von einem „Jugendwerk“. Aber aus heutiger Sicht ein zutiefst erstaunliches Jugendwerk! Wells, der keineswegs auf Abenteuerromane festgelegt war, sondern auch realistisch-wissenschaftliche Texte verfasste, gilt durch „Die Zeitmaschine“ und „Krieg der Welten“ als einer der Gründerväter der Science Fiction.

Götz Otto liest die Geschichte des namenlosen Erfinders, der in das Jahr 802.701 reist, dort den Eloi und Morlocks begegnet und deren unheilvolle Beziehung zueinander entdeckt, mit ruhiger Gelassenheit. Und wir Hörer staunen über einen Roman, der von dem Vergehen der Zeit handelt und dabei ziemlich aus der Zeit gefallen ist.

H. G. Wells: „Die Zeitmaschine“, Hörbuch Hamburg, € 14,00

Eindeutig doppelbegabt

Der Schauspieler Tom Hanks ist für viele Rollen berühmt – ob er Forrest Gump war, der uns mit naiver Zuverlässigkeit anrührte, der schlaflose, alleinerziehende Vater Sam Baldwin in Seattle oder Dr. Henry Goose, Hotelbesitzer in ‚Der Wolkenatlas‘, immer hat er mit seinem Spiel und seiner Präsenz überzeugt. Darum konnte ich mir auch nur schwer vorstellen, dass der Autor von „Schräge Typen“ eben dieser Tom Hanks ist, soviel Talent war mir erst einmal suspekt.

Aber er ist es. Und dieses Buch ist eine Sammlung von ausgesprochen kurzweiligen Geschichten, manchmal mit sehr ungewöhnlichem Dreh, manchmal einfach mit schönen Momenten des Alltagsglücks. Immer mit einem freundlichen Blick auf die „schrägen Typen“, immer stilistisch gelungen. Und als Hörbuch eine einzige Freude: Andreas Fröhlich, Stefan Kaminski, Walter Kreye, Eva Grosciejewicz und die anderen Sprecher sind einfach Könner!

Tom Hanks: „Schräge Typen“, Verlag Hörbuch Hamburg, ISBN 978-3-86952-372-9 Hörbuch € 22,00, HC € 22,00, eBook € 16,99
Erfunden?

Professor Bur-Malottkes Vortrag über das Wesen der Kunst, in der Vorwoche noch genau so, wie der Professor ihn gerne haben wollte, soll nun geändert werden: Bur-Malottke findet, dass das Wort "Gott" die Radiohörer zu sehr beeinflussen könnte - darum möchte er es durch "jenes höhere Wesen, das wir verehren" ersetzt wissen. Und so muss der Rundfunkredakteur Dr. Murke genau dies an 27 Stellen und in sämtlichen Beugungen der deutschen Sprache tun. Bereits vorher hatte Dr. Murke ein gespanntes Verhältnis zum Professor, nun beginnt er ihn regelrecht zu hassen. Er rächt sich mit kleinen Seitenhieben. Und er findet einen Ausgleich im "gesammelten Schweigen" ...
Heinrich Bölls Text ist Satire vom Feinsten: Er nimmt höchst unterhaltsam den Kulturbetrieb aufs Korn (diesen kennt er, da er jahrelang selbst Texte fürs Radio verfasst hat, sehr gut) und verweist gleichzeitig auf nicht aufgelöste Verbindungen ins Dritte Reich, Verbindungen, die auch einen veränderten Sprachgebrauch mit sich ziehen. Die hier vorliegende Hörspielfassung aus dem Jahr 1986, mit Henning Venske, Axel Corti und vielen anderen, wird diesem genialen und kurzen Text aufs Feinste gerecht.

Heinrich Böll: „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen", derHörverlag, ISBN 978-3-8445-2650-9, € 14,99

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